Microsoft Aktie: GitHub nutzt Amazon Web Services
GitHub nutzt AWS für KI-Workloads, während Microsofts Azure-Kapazitäten an Grenzen stoßen. Quartalszahlen zeigen dennoch starkes Cloud-Wachstum.

- GitHub greift auf AWS zurück
- KI-Coding treibt Commits auf 14 Milliarden
- Azure-Wachstum von 40 Prozent
- Aktie unter technischem Druck
Microsofts KI-Wachstumsstory ist intakt — aber die Infrastruktur kommt an ihre Grenzen. Ausgerechnet bei GitHub, der zentralen Entwicklerplattform des Konzerns, greift Microsoft auf Amazon Web Services zurück, um den Ansturm KI-gestützter Entwicklungsaktivitäten zu bewältigen. Das sorgt für Gesprächsstoff unter Investoren.
Wenn der eigene Cloud-Konzern zur Konkurrenz muss
Der Hintergrund: GitHub-COO Kyle Daigle erwartet für 2026 rund 14 Milliarden Commits auf der Plattform — verglichen mit einer Milliarde im Jahr 2025. Dieser Sprung um das 14-Fache ist direkte Folge von KI-gestütztem Coding, das Microsoft selbst unter dem Begriff „agentic development“ vermarktet. Die Infrastruktur hielt dem Tempo nicht stand.
Microsoft bestätigte, dass GitHub mehrere Cloud-Anbieter nutzt. Zum spezifischen AWS-Einsatz äußerte sich ein Sprecher nicht. Wichtig für die Einordnung: Es handelt sich um eine Kapazitäts- und Zuverlässigkeitslösung, keinen strategischen Schwenk weg von Azure. Mittelfristig plant Microsoft weiterhin, GitHub bis 2027 überwiegend auf Azure zu migrieren.
Für Investoren bleibt die Botschaft trotzdem unbequem. Selbst ein hyperscaler Cloudanbieter kann in spezifischen Workloads an Kapazitätsgrenzen stoßen. Die Frage, ob Azure-Kapazitäten schnell genug wachsen, um KI-Nachfrage in Umsatz zu verwandeln — ohne die Margen zu belasten — gewinnt damit an Dringlichkeit.
Quartalszahlen liefern die Gegenposition
Die jüngsten Geschäftszahlen zeigen, dass die Nachfrage real ist. Im Quartal bis Ende März 2026 erzielte Microsoft einen Umsatz von 82,9 Milliarden Dollar — ein Plus von 18 Prozent. Das Betriebsergebnis stieg um 20 Prozent auf 38,4 Milliarden Dollar, der verwässerte Gewinn je Aktie kletterte um 23 Prozent auf 4,27 Dollar.
Die Cloud-Segmente lieferten die stärksten Zahlen. Der Microsoft-Cloud-Umsatz wuchs um 29 Prozent auf 54,5 Milliarden Dollar. Azure legte sogar um 40 Prozent zu. Der verbleibende Auftragsbestand im Geschäftskundenbereich verdoppelte sich nahezu auf 627 Milliarden Dollar — ein Indikator für künftig gebuchten Umsatz.
Das ist die Gegenseite der GitHub-Geschichte: Die Nachfrage ist vorhanden und messbar. Das Ausführungsrisiko liegt in der Infrastruktur.
Kurs unter Druck, Dividende stabil
Technisch gesehen befindet sich die Aktie in einer schwachen Phase. Der Schlusskurs von 332,00 Euro liegt rund 6 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt und gut 14 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt. Seit Jahresbeginn hat die Aktie knapp 18 Prozent verloren. Der RSI von 37,8 zeigt eine geschwächte, aber noch nicht überverkaufte Lage.
Auf der Kapitalrückgabeseite bleibt Microsoft verlässlich. Das Board erklärte Anfang Juni eine Quartalsdividende von 0,91 Dollar je Aktie, zahlbar am 10. September 2026. Im abgelaufenen Quartal flossen insgesamt 10,2 Milliarden Dollar an Dividenden und Aktienrückkäufen an die Aktionäre zurück.
Das 52-Wochen-Tief bei 309,35 Euro vom März 2026 bleibt der entscheidende Unterstützungsbereich. Wer auf eine technische Erholung setzt, braucht zunächst einen nachhaltigen Schlusskurs über dem 50-Tage-Durchschnitt bei 354,33 Euro — erst danach rückt der 200-Tage-Durchschnitt bei 386,71 Euro als nächstes Ziel ins Bild.
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