Microsoft Aktie: Goldman erwartet 610 Dollar bis Juli

Goldman Sachs prognostiziert vor Microsofts Q4-Zahlen starkes Azure-Wachstum und sieht die Aktie mit 58 Prozent Aufwärtspotenzial.

Die Kernpunkte:
  • Goldman Sachs mit Kaufvotum und Kursziel 610 Dollar
  • Azure-Wachstum von 40 bis 41 Prozent erwartet
  • CEO Nadella warnt vor versteckten KI-Kosten
  • Microsoft 365 Copilot erhält GPT-5.6 als Standardmodell

Juli 2026 legt der Softwarekonzern nach US-Börsenschluss die Ergebnisse für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2026 vor, der Webcast beginnt um 14:30 Uhr Pazifischer Zeit. Vor diesem Termin positioniert sich Goldman Sachs deutlich optimistischer als der breite Markt. Die Aktie selbst notiert aktuell bei 339,55 Euro und liegt damit 0,62 Prozent im Plus, nach einem Schlusskurs von 337,45 Euro am Freitag. Auf Wochensicht steht ein Plus von 0,46 Prozent zu Buche, auf Jahressicht dagegen ein Minus von 15,87 Prozent. Zum 52-Wochen-Hoch von 478,10 Euro aus dem Oktober 2025 klafft eine Lücke von knapp 29 Prozent, während der Abstand zum Jahrestief von 307,10 Euro Ende Juni gut zehn Prozent beträgt. Der Kurs bewegt sich damit unterhalb des 50-Tage-Durchschnitts von 347,88 Euro und deutlich unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 378,47 Euro.

Goldman erwartet starkes Azure-Wachstum vor den Zahlen

Goldman-Sachs-Analystin Gabriela Borges bestätigt ihr Kaufvotum für Microsoft mit einem Kursziel von 610 US-Dollar, was einem Aufwärtspotenzial von 58 Prozent entspräche. Sie rechnet für das vierte Fiskalquartal mit einem Azure-Wachstum von 40 bis 41 Prozent auf währungsbereinigter Basis und sieht damit die eigene Prognose leicht über der Unternehmens-Guidance. Zugleich hebt Borges ihre Schätzung für die Kapitalausgaben der Geschäftsjahre 2028 bis 2030 um rund zehn Prozent auf 319 Milliarden US-Dollar an. Als Risikofaktoren nennt sie die steigenden Investitionen selbst, die Abhängigkeit von Nvidia-Grafikprozessoren sowie das Tempo der Copilot-Adoption in Unternehmen. Insgesamt bewertet sie das Chance-Risiko-Verhältnis vor dem Zahlentermin als positiv. Im vorangegangenen Quartal hatte Microsoft einen Gewinn je Aktie von 4,27 US-Dollar gemeldet und damit den Konsens von 4,06 US-Dollar übertroffen, bei einem Umsatz von 82,89 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 18,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Analystenmeinungen driften auseinander

Nicht alle Häuser teilen Borges‘ Zuversicht in diesem Ausmaß. BMO Capital hat sein Kursziel zwar auf 305 US-Dollar angehoben, belässt die Einstufung aber bei „Market Perform“ und signalisiert damit eine deutlich zurückhaltendere Erwartungshaltung als Goldman Sachs. Institutionelle Anleger reagieren unterschiedlich: RKL Wealth Management reduzierte seine Microsoft-Position im ersten Quartal um 5,8 Prozent auf 49.500 Aktien im Wert von 18,3 Millionen US-Dollar. Der Street-Konsens bleibt dennoch klar bullish mit der Einstufung „Strong Buy“ und einem durchschnittlichen Kursziel von 560,42 US-Dollar. Die im Juli angekündigte Umstrukturierung bei Xbox mit rund 4.800 gestrichenen Stellen dürfte in die kommenden Quartalszahlen einfließen, ebenso wie die anhaltend hohen Investitionen in die KI-Infrastruktur.

Nadella warnt vor den versteckten Kosten der KI-Nutzung

Parallel zur Zahlenvorbereitung meldete sich Konzernchef Satya Nadella mit einem vielbeachteten Essay zu Wort. Er prägte darin den Begriff des „Reverse Information Paradox“: Unternehmen zahlten für künstliche Intelligenz gleich doppelt, einmal über Abonnementgebühren und einmal durch die Preisgabe proprietären Wissens an die Modellanbieter. Jede Korrektur, jeder Prompt werde zu einer Art „Intelligenz-Abgas“, das an die Anbieter durchsickere. Nadella schlägt fünf Prinzipien vor, die er als die fünf C bezeichnet: Control, Capability, Choice, Cost und Compound. Unternehmen sollten ihre eigene Lernschleife kontrollieren, statt sie vollständig an einzelne KI-Anbieter abzugeben.

Operativ treibt Microsoft die eigene KI-Plattform derweil weiter voran. Microsoft 365 Copilot erhält GPT-5.6 als neues Standardmodell für Word, Excel, PowerPoint, Chat und Cowork, umgesetzt über die OpenAI-Programmierschnittstelle. Zusätzlich hat Microsoft Foundry die neue GPT-5.6-Modellreihe mit den Bezeichnungen Sol, Terra und Luna für Unternehmenskunden freigeschaltet, ergänzt um eine Datenzone für den asiatisch-pazifischen Raum. Nach Unternehmensangaben nutzen bereits mehr als 100.000 Organisationen die Foundry-Plattform. Wie sich diese Investitionen in harten Zahlen niederschlagen, zeigt sich spätestens am 29. Juli, wenn Microsoft seine Quartalsbilanz vorlegt.

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