Microsoft Aktie: Klagewelle gegen Copilot und Azure
Sammelklagen wegen irreführender KI-Angaben und Lärmbelästigung setzen Microsoft-Aktie unter Druck. Analysten senken Kursziel.

- Aktionärsklage wegen Copilot-Aussagen
- Anwohner klagen über Rechenzentrum-Lärm
- Analyst senkt Kursziel auf 525 Dollar
- Aktie nahe 52-Wochen-Tief
Microsoft-Aktien fallen am Mittwoch um 1,53 Prozent auf 335,25 Euro. Der Kurs liegt damit satte 29,88 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 478,10 Euro, das noch im Oktober erreicht wurde. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 16,94 Prozent zu Buche. Der Grund: Eine neue Klagewelle trifft den Softwarekonzern gleich an zwei Fronten.
Aktionäre werfen Microsoft Falschaussagen vor
Diese Woche kam eine neue Sammelklage wegen Wertpapierbetrugs hinzu. Sie wirft Microsoft irreführende Aussagen zur Leistung von Copilot und Azure vor. Bereits zuvor hatten Investoren geklagt, nachdem die Aktie zeitweise um 10 Prozent eingebrochen war.
Mehrere Kanzleien haben inzwischen Investoren-Hinweise veröffentlicht, darunter Levi & Korsinsky, Bronstein Gewirtz & Grossman, Pomerantz sowie Bleichmar Fonti & Auld. Eine der Klageschriften nennt vier Führungskräfte als persönliche Beklagte. Sie sollen die irreführenden Aussagen kontrolliert haben, die den Aktienkurs künstlich aufgebläht hätten.
Die Klage läuft vor dem US-Bezirksgericht im Westlichen Bezirk von Washington. Sie betrifft Käufer von Microsoft-Wertpapieren zwischen dem 1. Mai 2025 und dem 28. Januar 2026. Wer als Hauptkläger auftreten will, muss sich bis zum 11. August 2026 melden.
Ein Teil der Vorwürfe dreht sich um die tatsächliche Leistung von Copilot. Das Wall Street Journal hatte bereits berichtet, das KI-Produkt kämpfe mit erheblichen Funktionsproblemen und verliere Marktanteile. Verwirrende Markenpositionierung und Kompatibilitätsprobleme hätten Nutzer frustriert, so das Journal.
Anwohner klagen wegen Lärm am Rechenzentrum
Parallel zur Aktionärsklage sorgt ein zweiter Fall für Aufsehen. Bewohner nahe dem neu fertiggestellten Fairwater-Rechenzentrum in Mount Pleasant, Wisconsin, reichten am Mittwoch eine Sammelklage ein. Drei Anwohner aus Sturtevant werfen Microsoft vor, durch übermäßigen Lärm ihr Eigentum zu schädigen.
Die Klageschrift beschreibt konkrete Auswirkungen. Ein Anwohner musste demnach seine Arbeitsschicht wechseln, weil er wegen des Lärms nicht mehr schlafen konnte. Die Kläger wollen alle Haushalte im Umkreis von 1,5 Meilen vertreten – nach eigenen Angaben mehr als 1.000 Haushalte.
Microsoft äußerte sich bereits zu den Vorwürfen. Ein Unternehmenssprecher betonte, man wolle „ein guter Nachbar in den Gemeinden sein, in denen wir Rechenzentren bauen und betreiben“. Frühere Angaben des Konzerns, wonach Maßnahmen das Lärmproblem gelöst hätten, scheinen die Anwohner nicht überzeugt zu haben – die Klage kam trotzdem.
Das Rechenzentrum selbst ist für Microsofts KI-Strategie zentral. CEO Satya Nadella nannte es einst „das leistungsstärkste KI-Rechenzentrum der Welt“. Die Anlage soll 865.000 Tokens pro Sekunde verarbeiten, bei einer Gesamtinvestition von 7,3 Milliarden Dollar.
Analysten senken Kursziel wegen steigender Speicherpreise
Die juristischen Probleme treffen die Aktie in einer ohnehin angespannten Phase. Wolfe Research senkte kürzlich sein Kursziel von 570 auf 525 Dollar. Grund sind steigende Speicherpreise, die Microsofts Investitionsschätzung fürs Geschäftsjahr 2027 nach oben treiben – von 230 auf 270 Milliarden Dollar.
Analyst Alex Zukin verweist auf jüngste Preiserhöhungen bei Speicherchips, auch gestützt durch Kommentare aus Microns letztem Quartalsbericht. Er senkte seine Schätzung für die Bruttomarge 2027 auf 63,1 Prozent, deutlich unter dem Marktkonsens von 66,6 Prozent. Das Kursziel bleibt trotz der Kürzung bei „Outperform“ – Wolfe Research bleibt demnach langfristig optimistisch für Microsofts KI-Monetarisierung über den gesamten Stack hinweg.
Der Kurs notiert derzeit unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 348,91 Euro und deutlich unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 380,01 Euro. Immerhin: Mit einem Abstand von nur 9,17 Prozent zum 52-Wochen-Tief von 307,10 Euro bewegt sich die Aktie nahe ihrer bisherigen Jahrestiefststände. Ob die aufgestaute juristische Last die Stimmung bis zum nächsten Quartalsbericht weiter belastet, dürfte sich in den kommenden Wochen zeigen.
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