Microsoft Aktie: MAI-Thinking-1 übertrifft Claude

Microsoft präsentiert eigene KI-Modelle und Quantenchip, während der Aktienkurs unter Druck bleibt. Analysten sehen dennoch Potenzial.

Die Kernpunkte:
  • Eigenes Reasoning-Modell MAI-Thinking-1 vorgestellt
  • Quantenchip Majorana 2 mit verbesserter Zuverlässigkeit
  • 300.000 neue Copilot-Lizenzen bei Großkunden
  • Aktie notiert rund zehn Prozent unter Jahresstart

Microsoft will nicht länger nur OpenAIs bester Kunde sein. Auf der Build-Konferenz 2026 kündigte Mustafa Suleyman, CEO von Microsoft AI, an, das Unternehmen wolle zu den vier führenden KI-Forschungslaboren der Welt gehören — neben OpenAI, Anthropic und Google DeepMind. Ein ehrgeiziges Ziel. Und ein klares Signal, wohin die Reise geht.

Eigene Modelle statt fremde Abhängigkeit

Das Herzstück der neuen Strategie ist MAI-Thinking-1. Es ist Microsofts erstes selbst entwickeltes Reasoning-Modell — trainiert ausschließlich auf eigenen Daten, ohne Rückgriff auf OpenAI-Technologie. In internen Blindtests soll es Anthropics Claude Sonnet 4.6 übertroffen haben. Günstiger im Betrieb ist es laut Microsoft obendrein.

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Die neue MAI-Modellfamilie umfasst sechs weitere spezialisierte Werkzeuge. MAI-Code-1-Flash richtet sich an Entwickler. MAI-Transcribe-1.5 unterstützt 43 Sprachen. Hinzu kommen Modelle für Bild- und Sprachverarbeitung.

Möglich wurde dieser Schritt durch eine neu verhandelte Partnerschaft mit OpenAI. Microsoft darf jetzt eigene Modelle auf Basis eigener Rechte trainieren — ohne OpenAI-Technologie zu destillieren.

Quantencomputing und starke Unternehmenskunden

Neben Software präsentierte Microsoft auch Hardware-Fortschritte. Der neue Quantenchip Majorana 2 soll Qubits tausendmal zuverlässiger machen als sein Vorgänger. Die Paritätslebensdauer liegt bei 20 Sekunden. Den Zeitplan für einen kommerziell nutzbaren Quantencomputer hält Microsoft bei 2029.

Auf der Unternehmensseite läuft die Nachfrage. Infosys, TCS und Wipro haben gemeinsam über 300.000 Microsoft-365-Copilot-Lizenzen in den vergangenen sechs Monaten eingeführt. Eine neue Integration zwischen Pinecone Nexus und Microsoft OneLake soll den Token-Verbrauch großer Sprachmodelle um mehr als 95 Prozent senken und KI-Agenten 30-mal schneller machen.

Kurs unter Druck, Analysten optimistisch

Die technologischen Meilensteine kommen zu einem ungünstigen Zeitpunkt für den Aktienkurs. Microsoft notiert bei rund 441 Dollar — rund neun bis zehn Prozent unter dem Jahresanfang. Der 200-Tage-Durchschnitt liegt bei etwa 458 Dollar. Zuletzt schloss die Aktie an einem Handelstag mehr als drei Prozent im Minus.

Barclays bleibt dennoch zuversichtlich. Die Bank bewertet die Aktie mit „Overweight“ und setzt das Kursziel auf 545 Dollar. Als Begründung nennt sie das beschleunigte Quantenprogramm und den Wandel hin zu KI-Agenten als zentralem Geschäftsmodell.

Intern gibt es derweil Reibung. Microsoft hat eine langjährige Frage aus seiner Mitarbeiterbefragung gestrichen — nämlich ob Beschäftigte ihr Gehalt als fair empfinden. Die Beteiligungsquote lag bei 71 Prozent, die Stimmung insgesamt positiv. Trotzdem kritisierten Mitarbeiter in internen Foren das Fehlen der Vergütungsdaten. Das geschieht, während Microsoft mehr als 80 Milliarden Dollar in KI-Rechenzentren investiert — und offenbar nicht jeden Mitarbeiter davon überzeugt hat, dass er angemessen daran beteiligt wird.

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