Microsoft Aktie: Nadella bestätigt Vera-Rubin-Systeme

Microsoft baut seine KI-Infrastruktur weiter aus, steht wegen Copilot jedoch vor einer Sammelklage und muss die Erwartungen an die Erlöse erfüllen.

Die Kernpunkte:
  • Erste Vera-Rubin-Systeme bei Microsoft
  • Sammelklage wegen Copilot-Vorwürfen eingereicht
  • Neue Copilot-Funktionen für Office-Produkte
  • Aktie bleibt über Jahrestief

Zwei Nachrichten prägen dieser Tage das Bild von Microsoft, und sie könnten widersprüchlicher kaum sein. Auf der einen Seite steht der Konzern an der Spitze der KI-Hardware-Revolution, auf der anderen Seite muss er sich vor Gericht gegen Vorwürfe wehren, genau bei diesem Thema Anleger getäuscht zu haben.

Für mich ist das der eigentliche Kern der Geschichte: Microsoft liefert operativ, aber die Kommunikation über die eigenen KI-Fortschritte holt das Unternehmen jetzt ein.

Vera Rubin als Statement, Copilot als Belastung

Dass Microsoft-Chef Satya Nadella den Erhalt der ersten Produktionssysteme von NVIDIAs neuer Vera-Rubin-Generation bestätigt hat, ist mehr als eine technische Randnotiz.

Microsoft gehört damit zu den allerersten Unternehmen weltweit, die diese von NVIDIA als generationellen Sprung beworbene Rechenarchitektur einsetzen. Das passt ins Bild eines Konzerns, der bei Infrastruktur-Investitionen kompromisslos vorangeht – auch der milliardenschwere Fünfjahresvertrag mit IREN Limited, aus dem im August die erste 50-Megawatt-Ausbaustufe am Standort Childress in Texas abgenommen wurde, zeigt diese Kompromisslosigkeit.

Genau hier liegt aber auch das Problem. Eine im Juni eingereichte Sammelklage vor dem US-Bezirksgericht für den westlichen Bezirk von Washington wirft Microsoft vor, zwischen Mai 2025 und Ende Januar 2026 erhebliche Funktionsprobleme der Copilot-Produktfamilie verschwiegen zu haben.

Die Kläger behaupten zudem, das hauseigene KI-Modell habe in Benchmarks schlechter abgeschnitten als die Konkurrenz und Microsoft habe Milliarden an Investitionsausgaben umschichten müssen, um Copilot wettbewerbsfähiger zu machen.

Medienberichten zufolge steht diese Klage im Zusammenhang mit einem rund zehnprozentigen Kursrückgang, nachdem bekannt geworden war, dass die Zahl zahlender Copilot-Premium-Kunden deutlich unter den Analystenerwartungen lag und sich das Azure-Wachstum verlangsamt hatte.

Wer beide Stränge nebeneinanderlegt, erkennt ein Muster: Microsoft baut die Infrastruktur der Zukunft in atemberaubendem Tempo aus, tut sich aber schwerer damit, aus dieser Infrastruktur zahlende Kunden in der erwarteten Größenordnung zu machen. Das ist kein Untergangsszenario, aber es relativiert die Erzählung vom reibungslosen KI-Siegeszug.

Produktoffensive läuft parallel weiter

Während die Klage ihren Gang durch die Gerichte nimmt, treibt Microsoft die Integration von Copilot in den Produktivitätswerkzeugen unbeirrt voran. Zwischen dem 11. und 25. August kamen neue Funktionen für Excel, Outlook, Word, PowerPoint, OneNote und den Copilot Chat hinzu – von Python-Analysen in Excel bis zu Sprachfragen in Word.

Zum 1. September endete zudem die Übergangsfrist für bestehende Agenten und Workflows, die auf dem GitHub-Copilot-Unterbau in Copilot Studio basieren; sie laufen nun unter dem nutzungsbasierten Abrechnungsmodell mit Copilot Credits.

Auch bei der Sicherheitsarchitektur schraubt Microsoft nach: Die Rolle des Security Administrator in Microsoft Entra wird um Identitäts-Reaktionsfunktionen für nicht-privilegierte Nutzer erweitert, vollständig umgesetzt bis Ende September.

Diese Detailarbeit zeigt für mich, dass Microsoft das Copilot-Ökosystem trotz der juristischen Turbulenzen konsequent monetarisiert und ausbaut. Die Umstellung auf nutzungsbasierte Abrechnung dürfte kurzfristig für Reibung bei Entwicklern sorgen, langfristig aber die Erlösqualität verbessern – ein Aspekt, den die Klage in ihrer Rückschau naturgemäß nicht abbildet.

Kursbild bleibt robust, Risiken sind real

Der Aktienkurs spiegelt diese Gemengelage bislang gelassen wider. Mit einem Schlusskurs von 432,05 Euro notiert das Papier zwar rund 9,6 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 478,10 Euro aus Ende Oktober, liegt aber deutlich, um 41 Prozent, über dem 52-Wochen-Tief von Ende Juni.

Der Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt von gut 14 Prozent nach oben signalisiert, dass der Markt die jüngsten Nachrichten insgesamt nicht als Belastung einpreist – die Rechtsstreitigkeiten scheinen bereits im Kurs vom Frühsommer verarbeitet worden zu sein.

Mein Fazit

Unterm Strich sehe ich bei Microsoft ein Unternehmen, das technologisch an vorderster Front steht, sich aber erklären muss, warum die Monetarisierung dieser Technologie hinter den eigenen Ankündigungen zurückblieb. Die Vera-Rubin-Partnerschaft und der IREN-Deal sprechen für strukturelle Stärke im Infrastrukturgeschäft.

Die Sammelklage dagegen erinnert daran, dass Erwartungsmanagement bei KI-Versprechen zum handfesten Risikofaktor geworden ist. Für mich überwiegt der langfristige Ausbaukurs die kurzfristige juristische Unsicherheit – wachsam sollten Anleger den Ausgang des Verfahrens dennoch verfolgen.

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