Microsoft Aktie: Quartalsbericht am 29. Juli
Microsofts Aktie notiert vor dem Quartalsbericht am 29. Juli auf niedrigem Bewertungsniveau. Das KI-Geschäft boomt, doch die klassische Software-Sparte leidet unter Budgetumschichtungen der Kunden.

- Quartalszahlen am 29. Juli erwartet
- KI-Umsatzrate steigt auf 37 Milliarden Dollar
- Bewertung fällt auf Niveau von 2018
- Cloud-Auftragsbestand verdoppelt sich nahezu
Microsoft notiert an diesem Mittwoch bei 338,00 Euro, ein Plus von 0,18 Prozent. Nach einem harten Jahr wirkt das wie eine Verschnaufpause. Die Aktie liegt seit Jahresbeginn 16,25 Prozent im Minus, auf Zwölfmonatssicht sind es sogar 22,54 Prozent.
Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht jetzt der Quartalsbericht am 29. Juli 2026. Er könnte zeigen, ob Microsofts KI-Geschäft die Schwäche im klassischen Softwaregeschäft ausgleichen kann.
Die „SaaSpocalypse“ trifft auch Microsoft
Auslöser der jüngsten Nervosität war IBM. Der Konzern legte am 14. Juli vorläufige Zahlen vor, die Aktie brach danach um 25 Prozent ein. IBM-Chef Arvind Krishna erklärte, Firmenkunden würden ihre Budgets massiv umschichten — weg von klassischer Software, hin zu KI-Hardware wie Servern, Speicherlösungen und Spezialchips.
Der Effekt schwappte direkt auf Microsoft über. Am Dienstag verlor die Aktie 1,6 Prozent, weil Anleger fürchteten, die Cloud- und Softwarebudgets könnten branchenweit schrumpfen. Trotzdem ist die Bewertung inzwischen auf das 19- bis 22-Fache der Gewinne gefallen — ein Niveau, das manche Analysten zuletzt 2018 gesehen haben.
Was der Quartalsbericht zeigen muss
Der Markt erwartet für das vierte Fiskalquartal einen Umsatz von 87,66 Milliarden Dollar. Das wäre ein Plus von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Beim bereinigten Gewinn je Aktie liegt der Konsens bei 4,24 Dollar.
Die internen Kennzahlen sprechen bislang eine klare Sprache. Das KI-Geschäft läuft mit einer annualisierten Umsatzrate von 37 Milliarden Dollar, ein Wachstum von 123 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Auftragsbestand in der Cloud-Sparte hat sich auf 627 Milliarden Dollar nahezu verdoppelt.
Für Azure gibt das Management ein Wachstum von rund 40 Prozent als Ziel aus. Gestützt wird das durch ein gigantisches Investitionsprogramm: Microsoft plant für das Fiskaljahr 2026 Investitionen von 190 Milliarden Dollar.
Nadella warnt vor doppelten Kosten
Am 12. Juli hat CEO Satya Nadella in einem strategischen Update ein anderes Risiko benannt. Firmen würden bei proprietären KI-Modellen oft „doppelt zahlen“ — einmal für die genutzten Tokens, ein zweites Mal, weil Anbieter aus den offengelegten Firmendaten eigene, günstigere Modelle destillieren können.
Microsoft reagiert darauf mit sogenannten privaten Lernumgebungen. Kunden sollen zwischen verschiedenen Modellen wechseln können, ohne ihre Daten preiszugeben. Der Vorstoß trifft einen wunden Punkt: Open-Source-Modelle machten im vergangenen Monat bereits 29 Prozent des Datenverkehrs über das Vercel-Gateway aus.
Institutionelle Anleger uneinig, Patch-Day mit Rekordumfang
Die jüngsten Pflichtmeldungen zeigen ein gespaltenes Bild unter Großinvestoren. Im ersten Quartal 2026 reduzierten Keybank National Association ihre Position um 0,2 Prozent, Eagle Bay Advisors sogar um 19,4 Prozent. Der schwedische Pensionsfonds Fjarde AP Fonden ging den Gegenweg und stockte seinen Bestand um 63,4 Prozent auf, mittlerweile hält der Fonds über zwei Millionen Aktien.
Auf technischer Seite hat Microsoft beim Juli-Patch-Day 622 Sicherheitslücken geschlossen, darunter kritische Fehler bei der SharePoint-Server-Authentifizierung. Parallel dazu endete offiziell der Support für SharePoint Server 2016 und 2019.
Mit einer Marktkapitalisierung von 2.497 Milliarden Euro und einem RSI von 49,3 bewegt sich die Aktie derzeit in einem neutralen technischen Bereich. Sie notiert rund 2,69 Prozent unter dem gleitenden 50-Tage-Durchschnitt von 347,36 Euro und etwa 10,45 Prozent unter der 200-Tage-Linie von 377,45 Euro. Am 29. Juli entscheidet sich, ob das rasante KI-Wachstum die Delle im klassischen Softwaregeschäft aufwiegen kann.
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