Microsoft Aktie: Rotstift und Copilot-Zweifel
Microsoft streicht tausende Stellen, während der KI-Assistent Copilot bei Kunden kaum Anklang findet. Die Aktie verliert deutlich.

- Rund 4.800 Stellen werden weltweit gestrichen
- Xbox-Sparte mit den meisten Kündigungen
- Copilot wird von zahlenden Kunden wenig genutzt
- Aktienkurs fällt auf 385 Dollar zurück
Microsoft baut gerade an zwei Fronten um – und beide sorgen für Unruhe. Während der Konzern Tausende Stellen streicht, mehren sich Berichte, dass ausgerechnet das KI-Flaggschiff Copilot selbst bei zahlenden Kunden kaum genutzt wird. Zwei Baustellen, ein gemeinsamer Nenner: Der Konzern muss beweisen, dass seine milliardenschwere KI-Wette aufgeht.
Xbox bekommt den größten Einschnitt
Rund 4.800 Stellen fallen weltweit weg, das entspricht etwa 2,1 Prozent der gesamten Belegschaft. Den größten Einzelposten trägt die Videospielsparte Xbox: Dort verschwinden rund 3.200 Jobs, fast ein Fünftel der Abteilung. Xbox-Chefin Asha Sharma sprach in einer internen Mail von der bedeutendsten Restrukturierung in der Geschichte der Sparte und formulierte es unverblümt: Das Geschäft sei „heute nicht gesund“.
Der Umbau geht über reinen Stellenabbau hinaus. Microsoft streicht 14 Management-Ebenen, bündelt Studios unter neuer Führung und konzentriert sich stärker auf die eigenen Kernmarken. Die 69 Milliarden Dollar teure Übernahme von Activision Blizzard Ende 2023 sollte die Sparte eigentlich stärken – schwache Margen und ein enttäuschendes Wachstum bei Game Pass halten die Probleme aber am Leben. Personalchefin Amy Coleman betonte, die Kürzungen seien keine direkte Folge von KI-Ersatz, räumte aber ein, dass automatisierte Abläufe die Arbeit spürbar verändern.
Copilot: bezahlt, aber ungenutzt
Parallel zum Jobabbau wächst die Skepsis gegenüber Copilot, dem KI-Assistenten, den Microsoft tief in Microsoft 365 verankert hat. Berichten zufolge zahlen nur wenige Unternehmenskunden überhaupt für den Dienst – und selbst jene, die zahlen, nutzen ihn kaum im Arbeitsalltag. Für einen Konzern, der seine Zukunft an generative KI geknüpft hat, ist das ein unbequemer Befund, den Microsoft nun mit gezielten Maßnahmen adressieren will.
An der Börse kommt die Gemengelage nicht gut an. Die Aktie gab zuletzt rund 1,5 Prozent nach und rutschte auf knapp 385 Dollar, während der breite Technologiesektor zulegte. Seit Jahresbeginn steht bei Microsoft ein Kursverlust von mehr als 20 Prozent zu Buche – der NASDAQ 100, in dem der Konzern ein Schwergewicht ist, gewann im selben Zeitraum rund 18 Prozent. Vom Rekordhoch bei gut 555 Dollar, das die Aktie vor knapp einem Jahr erreichte und Ende Oktober noch einmal testete, trennen die Papiere inzwischen deutlich mehr als 100 Dollar.
Ende Juni rutschte die Aktie sogar unter 350 Dollar – der tiefste Stand seit April 2025. Ob der harte Umbau bei Xbox und die angekündigten Nachbesserungen bei Copilot reichen, um das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen, hängt nun maßgeblich davon ab, wie schnell sich messbare Fortschritte bei beiden Baustellen zeigen.
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