Microsoft Aktie: Sammelklage wegen KI-Tools

Microsoft sieht sich einer milliardenschweren Aktionärsklage gegenüber, während der Konzern seine KI-Produkte umfassend neu strukturiert.

Die Kernpunkte:
  • Sammelklage wegen angeblicher Irreführung
  • Copilot wird zu einheitlicher Plattform
  • Institutionelle Anleger reduzieren Positionen
  • Kurs erholt sich von 52-Wochen-Tief

Microsoft baut sein KI-Geschäft gerade radikal um. Parallel dazu droht dem Konzern eine milliardenschwere Sammelklage von Aktionären. Die Aktie notiert bei 341,85 Euro und bewegt sich damit fast unverändert zum Vortag.

Copilot wird zur Einheit

Microsoft plant, seine Copilot-Anwendungen für Privatkunden und Unternehmen zu einer einzigen Plattform zu verschmelzen. Das geht aus einem internen Memo von Konzernvize Jacob Andreou hervor. Das Ziel: weniger genutzte Funktionen streichen und die Nutzererfahrung vereinheitlichen.

Die neue Anwendung soll fortschrittliche Coding-Tools integrieren. Dazu kommt eine neue Kategorie namens „AutoPilot“-Agenten. Diese Systeme laufen dauerhaft im Hintergrund und automatisieren repetitive Aufgaben für Unternehmenskunden.

Der Schritt folgt auf die Ankündigung der „Microsoft Frontier Company“ vom 2. Juli. Diese KI-Beratungseinheit hat ein Volumen von 2,5 Milliarden Dollar. Microsoft steckt 6.000 spezialisierte Ingenieure direkt in die Betriebsabläufe von Firmenkunden, um die Rendite von KI-Projekten zu verbessern.

Die Klage nimmt Fahrt auf

Während Microsoft sein Produktportfolio umbaut, wächst der juristische Druck. Mehrere Kanzleien, darunter Rosen Law Firm und Bleichmar Fonti & Auld, erinnern Investoren an eine laufende Sammelklage wegen Wertpapierbetrugs. Das Verfahren mit der Nummer 26-cv-02071 läuft vor einem Bundesgericht im Westbezirk von Washington.

Die Klage wirft Microsoft vor, zwischen Mai 2025 und Januar 2026 irreführende Aussagen zur Performance und Akzeptanz seiner KI-Tools gemacht zu haben. Drei Vorwürfe stehen im Zentrum:

  • Funktionsprobleme: Das Wall Street Journal berichtete im Februar 2026 über erhebliche Marken- und Kompatibilitätsprobleme bei Copilot.
  • Ausbleibende Konversion: Microsoft soll es nicht geschafft haben, Microsoft-365-Nutzer im erwarteten Tempo zu zahlenden Copilot-Abonnenten zu machen. Aktiv waren demnach nur 15 Millionen Premium-Kunden — deutlich weniger als der Markt erwartet hatte.
  • Verschwiegene Kosten: Aktionäre werfen dem Konzern vor, die massiven Investitionen in KI-Infrastruktur heruntergespielt und eine Wachstumsverlangsamung bei Azure verschwiegen zu haben.

Ausgelöst wurde das Verfahren durch einen Kurssturz von 10 Prozent am 28. Januar 2026, nachdem Microsoft enttäuschende Zahlen für das zweite Fiskalquartal vorgelegt hatte. Betroffene Investoren haben bis zum 11. August 2026 Zeit, sich als Hauptkläger zu melden.

Institutionelle Anleger uneins

Große Investoren zeigen sich in ihren jüngsten Meldungen gespalten. ABN AMRO Bank reduzierte ihre Position im ersten Quartal um 8,1 Prozent und verkaufte 143.799 Aktien. Pictet Asset Management strich seine Bestände um 9,3 Prozent zusammen.

Auch im Management wurde verkauft. CEO Judson Althoff gab Anfang Juni 15.500 Aktien zu je 460,99 Dollar ab. Konzernvize Takeshi Numoto trennte sich später im selben Monat von 4.500 Aktien.

Der Kurs liegt derzeit 11,32 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief von 307,10 Euro, das die Aktie am 25. Juni markierte. Zum Rekordhoch von 478,10 Euro aus dem Oktober 2025 fehlen allerdings noch 28,50 Prozent. Auf Jahressicht steht ein Minus von 15,30 Prozent zu Buche, wobei sich der Titel binnen einer Woche immerhin um 5,90 Prozent erholt hat.

Der 14-Tage-RSI von 51,4 deutet auf eine neutrale Marktlage hin, die annualisierte Volatilität von gut 40 Prozent auf der 30-Tage-Basis zeigt aber: Nervosität bleibt im Markt. Hinzu kommen Berichte, wonach OpenAI nach Cloud-Partnerschaften außerhalb der bestehenden Microsoft-Vereinbarung sucht — ein weiterer Unsicherheitsfaktor für die KI-Strategie des Konzerns.

Bis zum 11. August müssen sich Kläger für das Hauptverfahren melden. Bis dahin dürfte die Aktie zwischen Umbauplänen und Rechtsrisiken gefangen bleiben.

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