Microvast: 34-Prozent-Crash nach Quartalszahlen
Anleger werfen Microvast irreführende Angaben zu Produktion und Margen vor. Der Aktienkurs brach nach schwachen Quartalszahlen massiv ein.

- Sammelklage gegen Batteriehersteller eingereicht
- Vorwürfe: Falsche Angaben zu Fabrikerweiterung
- Bruttomarge verfehlte Zielvorgaben deutlich
- Aktienkurs verlor über 72 Prozent seit Januar
Microvast Holdings sieht sich mit einer eskalierenden juristischen Auseinandersetzung konfrontiert. Mehrere US-Anwaltskanzleien, darunter Levi & Korsinsky LLP sowie die Law Offices of Frank R. Cruz, rufen derzeit Aktionäre dazu auf, sich einer Sammelklage wegen mutmaßlichen Wertpapierbetrugs anzuschließen. Im Zentrum der Vorwürfe stehen irreführende Angaben zum operativen Fortschritt und zu den finanziellen Zielsetzungen des Batterieherstellers. Investoren, die zwischen dem 1. April 2025 und dem 16. März 2026 Aktien des Unternehmens erworben haben, können bis zum 21. September 2026 Anträge als Hauptkläger stellen.
Schwere Vorwürfe wegen Margenzielen und Expansionsplänen
Die Klageschrift wirft dem Management von Microvast vor, Anleger über den tatsächlichen Zustand der Produktionskapazitäten getäuscht zu haben. Konkret geht es um die Fertigstellung der Phase 3.2 der Fabrikerweiterung im chinesischen Huzhou. Das Unternehmen hatte ursprünglich kommuniziert, diese Erweiterung bis zum Ende des Jahres 2025 abzuschließen. Laut den Klägervertretern entsprach dies nicht der Realität.
Zusätzlich stehen die prognostizierten Bruttomargenziele in der Kritik. Microvast hatte für seine Produkte eine Zielmarge von 30 bis 35 Prozent ausgegeben. Medienberichten zufolge werfen die Kläger dem Unternehmen vor, dass diese Ziele angesichts der tatsächlichen Kostenstruktur und Marktsituation von Beginn an überzogen und nicht erreichbar waren. Die Diskrepanz zwischen den Versprechungen und der operativen Umsetzung habe zu einer künstlichen Aufblähung des Aktienkurses geführt, die schließlich in einem massiven Kurssturz mündete.
Enttäuschende Geschäftszahlen als Auslöser
Der Auslöser für die rechtliche Aufarbeitung war die Veröffentlichung der Ergebnisse für das vierte Quartal 2025 im März dieses Jahres. Die gemeldeten Zahlen verfehlten die Erwartungen des Marktes deutlich. Während die Analystenschätzungen bei einem Umsatz von 136,4 Millionen US-Dollar lagen, konnte Microvast lediglich 96,5 Millionen US-Dollar ausweisen. Besonders kritisch bewerteten Marktteilnehmer die tatsächliche Bruttomarge, die mit lediglich 1,0 Prozent weit unter den kommunizierten Zielen blieb.
Zusätzlich belastete eine Wertminderung in Höhe von 32,5 Millionen US-Dollar im Bereich der Energiespeichersysteme (ESS) die Bilanz. Infolge dieser Veröffentlichungen brach der Aktienkurs am 17. März 2026 um über 34 Prozent ein. Die Kläger machen nun geltend, dass der finanzielle Schaden für die Aktionäre direkt auf die zuvor gemachten Falschaussagen der Unternehmensführung zurückzuführen sei.
Analysten halten trotz Kursverfall an Kurszielen fest
Die aktuelle Marktsituation von Microvast bleibt angespannt. Das Papier notiert derzeit bei 0,6500 Euro und markiert damit ein neues 52-Wochen-Tief. Seit Jahresbeginn summiert sich der Wertverlust bereits auf 72,64 Prozent. Trotz des massiven Abverkaufs und der juristischen Unsicherheiten zeigen sich einige Marktbeobachter noch verhalten optimistisch für die langfristige Entwicklung.
Ein Konsens von drei Analysten sieht das durchschnittliche Kursziel für die Aktie derzeit bei 5,50 US-Dollar. Damit wird dem Titel theoretisch ein erhebliches Erholungspotenzial zugeschrieben, sofern das Unternehmen die operativen Probleme in den Griff bekommt und die juristischen Streitigkeiten beilegen kann. Dennoch unterstreicht der aktuelle Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 88,10 Prozent das Ausmaß des Vertrauensverlustes an den Märkten. Die kommenden Quartalszahlen, die für den 10. August 2026 erwartet werden, dürften für die kurzfristige Richtung der Aktie von entscheidender Bedeutung sein.
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