Milliarden-Bond für OpenAI, Rekord-Fundraising bei Partners Group— und ein geplatzter Deal bei PayPal
SoftBank finanziert KI mit einer Rekordanleihe, Nebius wächst rasant, während Partners Group unter Ertragsdruck und PayPal unter Dealproblemen leidet.

- SoftBank platziert größte japanische Retail-Anleihe
- Nebius steigert Quartalsumsatz um 454 Prozent
- Partners Group meldet 16 Milliarden Dollar Neugeschäft
- PayPal stoppt Verkauf seines Venture-Portfolios
Fünf Finanztitel, fünf völlig unterschiedliche Geschichten: Während SoftBank mit einer Rekordanleihe frisches Kapital für seine KI-Wetten einsammelt, kämpft Partners Group mit einbrechendem Performance-Honorar. PayPal wiederum sagt einen Milliarden-Verkauf ab, nachdem Käufer zu niedrig geboten haben. Nebius dagegen surft unbeirrt auf der KI-Welle— der Sektor zeigt gerade exemplarisch, wie unterschiedlich sich Kapitalflüsse derzeit verteilen.
Sektorüberblick: Kapital sucht neue Wege
Die eigentliche Geschichte im Finanzsektor spielt sich derzeit weniger an klassischen Zinsmargen ab, sondern an der Frage, wie Kapital in Richtung KI-Infrastruktur umgeleitet wird. PayPal ist nach einer geplatzten Übernahmeannäherung und einem gestoppten Portfolioverkauf zum Sorgenkind geworden. SoftBanks Rekordanleihe in Yen zeigt, wie Konzerne mittlerweile private Anleger anzapfen, um milliardenschwere KI-Verpflichtungen— allen voran gegenüber OpenAI— zu stemmen. Nebius profitiert unterdessen von einer praktisch unstillbaren Nachfrage nach Rechenkapazität. POET Technologies positioniert seine photonischen Bauteile für die nächste Generation von KI-Rechenzentren, während Partners Group einen holprigen Nach-Zahlen-Handel und einen mehrjährigen Führungswechsel gleichzeitig verdaut. Zusammen zeigen die fünf Namen, wie der Sektor zwischen klassischer Finanzdienstleistung und dem Sog des KI-Kapitalzyklus zerrissen wird.
Partners Group: Rekord-Fundraising, aber der Markt straft ab
Die Aktie notiert weiterhin deutlich unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 1.187,50 Euro— aktuell liegt der Abstand bei 39 Prozent. Zum Wochenschluss stand der Kurs bei 722,40 Euro, nach einem Minus von 1,5 Prozent am Freitag und einem Rückgang von 9,4 Prozent innerhalb einer Woche. Seit Jahresbeginn hat das Papier rund 32 Prozent verloren.
Der Auslöser: Die Zuger Gesellschaft hatte Anfang September ihre Halbjahreszahlen vorgelegt, und die Reaktion fiel heftig aus— obwohl das Neugeschäft einen Rekordwert erreichte. Kunden verpflichteten sich zu Investitionen von 16 Milliarden Dollar, ein deutlicher Sprung gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Gewinn brach dennoch um 13 Prozent auf 502 Millionen Franken ein.
Verantwortlich dafür war vor allem das einbrechende Performance-Honorar, das um rund 39 Prozent auf 216 Millionen Franken zurückging. Für das Gesamtjahr rechnet das Management nun nur noch mit einem Anteil von 20 bis 25 Prozent am Gesamtumsatz— unterhalb der langfristigen Zielspanne von 25 bis 40 Prozent. Kein Wunder also, dass Anleger nervös auf ausbleibende Exits reagierten.
Parallel zu den Zahlen kündigte das Unternehmen einen Führungswechsel an, der allerdings keine überraschende Ablösung darstellt, sondern seit Monaten angekündigt war. CEO David Layton wechselt zum 1. Januar 2027 in die Rolle des Chief Investment Officer und bleibt dem Haus damit erhalten. Roberto Cagnati und Juri Jenkner, beide seit 2004 im Unternehmen, übernehmen als Co-CEOs. Layton selbst gab sich auf dem Earnings Call zurückhaltend optimistisch: Die Exit-Pipeline sei weiterhin gut gefüllt, einige Prozesse dürften aber ins kommende Jahr rutschen, weil Verkaufsprozesse derzeit komplexer und langwieriger seien als üblich. Für das Gesamtjahr bekräftigte das Management sein Ziel von 26 bis 32 Milliarden Dollar an neuem Kundenvermögen— nachdem bereits im Juni erste größere Kapitalabflüsse zu Beschränkungen bei Rücknahmen geführt hatten.
Nebius: Der KI-Boom kennt kein Halten
Während Partners Group um Vertrauen kämpft, feiert Nebius einen Rekordlauf. Am Freitag legte die Aktie um 7,5 Prozent zu, auf Wochensicht steht ein Plus von 7,8 Prozent zu Buche. Seit Jahresbeginn hat sich der Kurs mehr als verdoppelt— das Plus liegt bei 165 Prozent, auf Zwölfmonatssicht sogar bei 248 Prozent. Mit 194,76 Euro notiert das Papier rund 25 Prozent unter seinem Hoch von Ende Juni, aber 44 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt.
Die operative Entwicklung rechtfertigt zumindest einen Teil dieser Euphorie: Der Umsatz im zweiten Quartal schoss um 454 Prozent auf 582,3 Millionen Dollar nach oben. Das Geschäftsmodell— eigene Rechenzentren und Server in Europa und den USA zu betreiben— erhält zusätzlichen Rückenwind durch eine mehrjährige Vereinbarung mit Microsoft im Volumen von 17 Milliarden Dollar für Rechenkapazität. Analysten bleiben mehrheitlich zuversichtlich und sehen im Konsens ein Kursziel von rund 286,69 Dollar. Der Vorbehalt: Das Unternehmen steht vor einer Phase erheblichen Kapitalbedarfs, um den Ausbau von Rechenzentren und GPU-Kapazitäten zu finanzieren.
SoftBank Group: Rekordanleihe für die OpenAI-Wette
SoftBank hat diese Woche mit einer historischen Kapitalmarkttransaktion für Aufsehen gesorgt. Der Konzern platzierte eine Retail-Anleihe über umgerechnet 6,3 Milliarden Dollar mit einem Kupon von 4,75 Prozent— die größte Anleihe dieser Art, die je ein japanischer Emittent aufgelegt hat. Die Verzinsung landete am oberen Ende der zuvor angekündigten Spanne, ein Zeichen dafür, wie stark die Nachfrage nach höher verzinsten Anlagen bei japanischen Privatanlegern derzeit ist.
Die Aktie reagierte mit einem kräftigen Sprung: Am Freitag ging es um 6,8 Prozent nach oben, binnen einer Woche summiert sich das Plus auf 11 Prozent. Das eingesammelte Kapital dient einem doppelten Zweck— zum einen der Refinanzierung auslaufender Anleihen, zum anderen der Finanzierung von KI-Investitionen, insbesondere im Bereich „Physical AI“, bei dem Künstliche Intelligenz Roboter und Maschinen autonom steuert. Der breitere Markt für solche Retail-Anleihen in Japan boomt parallel— das bisherige Emissionsvolumen dieses Jahres übertrifft bereits jeden vorherigen Gesamtjahreswert. Analysten bewerten die Aktie mit deutlicher Mehrheit positiv und sehen im Schnitt ein Kursziel von rund 7.954 Yen.
POET Technologies: Bühne frei in Shenzhen
Für POET Technologies steht eine Woche mit hoher Sichtbarkeit bevor. Ein leitender Entwicklungsverantwortlicher des Unternehmens spricht bei einer Fachkonferenz zu Hochleistungs-Laserlichtquellen für KI-Interconnects, im Anschluss präsentiert sich das Unternehmen auf einer großen Optoelektronik-Messe in Shenzhen. Beide Auftritte richten sich an potenzielle Kunden aus dem Bereich Rechenzentren und maschinelles Lernen.
Operativ zeigt sich POET auf Wachstumskurs: Der unaudierte Umsatz des zweiten Quartals erreichte knapp 570.000 Dollar, ein Plus von 13 Prozent gegenüber dem Vorquartal und bereits das sechste Quartal in Folge mit sequenziellem Wachstum. Der Nettoverlust verringerte sich auf 11,3 Millionen Dollar. Belastet wurde die Aktie zuletzt von einem Rechtsstreit— Marvell Semiconductor hatte nach der Übernahme von Celestial AI Bestellungen storniert und POET Vertragsverletzungen vorgeworfen. Am Freitag legte die Aktie dennoch um 8,9 Prozent auf 6,86 Euro zu, gestützt auch durch eine solide Kapitalausstattung: In den vergangenen zwölf Monaten sammelte das Unternehmen 830 Millionen Dollar über Eigenkapital ein, weitere 661 Millionen Dollar könnten über Warrants hinzukommen.
PayPal: Deal-Poker ohne Ergebnis
Kaum ein Titel im Sektor war zuletzt so volatil wie PayPal. Das Unternehmen legte den geplanten Verkauf seines Venture-Portfolios auf Eis, nachdem Gebote deutlich unter den Erwartungen lagen. Die höchsten Offerten bewerteten das Portfolio— das unter anderem Beteiligungen an der Shopping-Plattform Tabby und dem Krypto-Verwahrer Anchorage Digital umfasst— bei lediglich rund 60 Cent je Dollar Buchwert, was Erlöse von etwa 540 bis 600 Millionen Dollar bedeutet hätte, statt der ursprünglich angepeilten rund einer Milliarde.
Der gestoppte Verkauf folgte auf einen anderen Schock: Berichten zufolge hatte PayPal ein Übernahmeangebot vorliegen und dieses abgelehnt— eine Nachricht, die zunächst Spekulationen befeuert und den Kurs beflügelt hatte, ehe die Gerüchte wieder abkühlten. Am Freitag fiel die Aktie um 3,2 Prozent auf 47,30 Euro, nachdem sie zuvor auf Wochensicht noch um 2,1 Prozent zugelegt hatte. Parallel schraubt das Unternehmen an den Kosten und strich rund 220 Stellen in Indien im Rahmen eines mehrjährigen Effizienzprogramms. Die Analystenstimmung hat sich nach dem geplatzten Deal spürbar eingetrübt— nach einer Welle von Kurszielsenkungen Ende August dominiert inzwischen ein Hold-Konsens.
Sektordynamik im Vergleich
Die fünf Titel zeigen exemplarisch, wie unterschiedlich Kapital derzeit fließt:
- SoftBank und Nebius stehen für den KI-Infrastruktur-Boom— beide nehmen hohe Finanzierungskosten beziehungsweise dünne Margen in Kauf, um sich Zugang zu Rechenkapazität zu sichern
- POET Technologies profitiert am Rande dieses Trends als Zulieferer photonischer Komponenten, kämpft aber noch mit Rechtsstreitigkeiten und Finanzierungsrunden
- Partners Group zeigt, dass starkes Neugeschäft allein nicht reicht, wenn Anleger an der Ertragsqualität zweifeln
- PayPal leidet unter Unsicherheit rund um Übernahme- und Verkaufsverhandlungen, nicht unter operativer Schwäche
Gemeinsam ist Partners Group und PayPal, dass solide operative Kennzahlen den Markt derzeit nicht überzeugen können, solange strukturelle Fragezeichen über der Story stehen.
Worauf Anleger jetzt achten sollten
Mehrere offene Fäden dürften sich in den kommenden Wochen entwirren. Bei SoftBank rückt die Zeichnungsfrist der Anleihe in den Fokus, ebenso wie erste Details zur konkreten Verwendung der Mittel für Physical-AI-Investitionen. Nebius-Anleger werden beobachten, ob das Umsatzwachstum weiter mit der Nachfrage nach GPU-Kapazität Schritt hält, ohne dass der Kapitalbedarf aus dem Ruder läuft. POET könnte aus den Messeauftritten in Shenzhen neue Kundenkontakte und kommerzielles Momentum ziehen. Bei Partners Group hängt viel davon ab, ob sich die Exit-Verzögerungen in der zweiten Jahreshälfte auflösen und die künftigen Co-CEOs das Vertrauen der Anleger zurückgewinnen können. PayPal bleibt vorerst ein Nachrichtentitel— sowohl bei der Zukunft des Venture-Portfolios als auch bei neuen Übernahmegerüchten, während das Sparprogramm im Hintergrund weiterläuft.
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