Moderna Aktie: Wall Street korrigiert Kursziele massiv nach oben

Nach positiven Phase-3-Daten zum mRNA-Krebsimpfstoff mit Merck korrigieren mehrere Banken ihre Moderna-Kursziele deutlich nach oben.

Die Kernpunkte:
  • Kurssprung von 177 Prozent nach Studienerfolg
  • Mehrere Banken heben Kursziele an
  • Erfolgreiche mRNA-Krebstherapie beim Melanom
  • Moderna wandelt sich zum Onkologie-Entwickler

Eine Woche, zwei Extreme: Erst der größte Kurssprung der Firmengeschichte, dann eine scharfe Korrektur, nun die Rückkehr ins Plus. Was Moderna gerade durchlebt, ist keine gewöhnliche Achterbahnfahrt, sondern die Neubewertung eines ganzen Geschäftsmodells.

Auslöser war die Meldung zur Wochenmitte: Gemeinsam mit Merck & Co. verkündete der mRNA-Pionier positive Phase-3-Daten zum personalisierten Krebsimpfstoff Intismeran autogen.

In der Studie INTerpath-001 erreichte die Therapie beim Melanom sowohl den primären Endpunkt rückfallfreies Überleben als auch einen wichtigen sekundären Endpunkt zur Fernmetastasierung – bei über 1.100 Hochrisikopatienten. Es ist der erste erfolgreiche späte Studienabschluss einer mRNA-Krebstherapie überhaupt, verabreicht in Kombination mit Mercks Immuntherapie Keytruda.

Die Aktie reagierte mit einem Kurssprung von zeitweise 177 Prozent – dem stärksten Tagesgewinn der Firmengeschichte. Ein Short Squeeze verstärkte die Bewegung zusätzlich, da rund 12,5 Prozent des frei handelbaren Kapitals leerverkauft waren.

Am Folgetag kam es zur Gegenreaktion: Gewinnmitnahmen drückten den Kurs um knapp 24 Prozent zurück, auch weil Moderna und Merck bislang keine konkreten Zahlen zum genauen Ausmaß des Patientennutzens veröffentlicht haben.

Analysten überschlagen sich mit neuen Kurszielen

Am Freitag drehte die Aktie erneut ins Plus – getragen von einer Welle an Kurszielanhebungen. Bank of America stufte Moderna von „Underperform“ auf „Neutral“ hoch und hob das Kursziel von 40 auf 170 Dollar an, UBS zog von 50 auf 150 Dollar nach.

RBC Capital erhöhte sein Ziel von 45 auf 130 Dollar, Morgan Stanley von 39 auf 89 Dollar. Goldman-Sachs-Analystin Salveen Richter hob ihr Kursziel von 67 auf 120 Dollar und bezeichnete die Daten als ersten echten Durchbruch für mRNA-Onkologie außerhalb des klassischen Impfstoffgeschäfts.

Die Bandbreite der neuen Ziele – von 89 bis 170 Dollar – zeigt, wie unterschiedlich die Häuser das langfristige Potenzial der Onkologie-Pipeline noch einschätzen. Einig sind sich die Analysten aber in der Einordnung: Der INTerpath-001-Erfolg verändert die Investmentstory von Moderna grundlegend, weg vom reinen Impfstoffhersteller, hin zu einem Krebstherapie-Entwickler mit breiterem Pipeline-Potenzial in weiteren Phase-2- und Phase-3-Indikationen.

Am Rande des Geschehens profitierte auch Arbutus Biopharma. Das Unternehmen kündigte ein Aktienrückkaufprogramm von bis zu 230 Millionen Dollar an, finanziert unter anderem aus einem im März 2026 geschlossenen Patentvergleich mit Moderna zur Lipid-Nanopartikel-Technologie – ein Randaspekt, der zeigt, wie weit die Wellen der Moderna-Nachrichten inzwischen reichen.

Für die Aktie bleibt die entscheidende Frage offen, wann Moderna und Merck detaillierte Studiendaten nachliefern. Erst konkrete Zahlen zur Hazard Ratio dürften zeigen, ob die aktuellen Kursziele Bestand haben oder nachjustiert werden müssen.

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