Momentum-Ranking im DAX: Bayer führt vor Daimler Truck und Rheinmetall

Bayer führt die DAX-Gewinner der letzten 30 Tage an, gefolgt von Daimler Truck und E.ON. Die Analyse zeigt eine bemerkenswerte Mischung aus Erholungswerten und defensiven Titeln.

Die Kernpunkte:
  • Bayer mit 15,34 Prozent Plus auf Monatssicht
  • Daimler Truck nähert sich dem 52-Wochen-Hoch
  • E.ON profitiert vom europäischen Netzausbau
  • Rheinmetall zeigt Stabilisierung nach Kursverlusten

Ausgerechnet ein Pharmakonzern mit jahrelanger Rechtsstreit-Hypothek liegt an der Spitze der DAX-Gewinner der letzten 30 Handelstage. Bayer schlägt in diesem Zeitraum sogar Rheinmetall, den bisherigen Liebling vieler Anleger. Das Ranking zeigt eine bemerkenswerte Durchmischung: Pharma, Nutzfahrzeuge, Energieversorger, Gesundheitswesen und Rüstung liegen dicht beieinander.

Bayer: Die Trendwende nimmt Fahrt auf

Mit einem Plus von 15,34 Prozent auf Monatssicht führt Bayer das Feld an. Der Schlusskurs von 46,01 Euro am Freitag liegt damit deutlich über dem 50-Tage-Durchschnitt von 42,14 Euro. Seit Jahresbeginn steht sogar ein Zuwachs von 24,32 Prozent zu Buche, auf Sicht von zwölf Monaten sind es fast 59 Prozent.

Die Erholung speist sich aus mehreren Quellen. Im Agrargeschäft zeichnet sich eine Stabilisierung ab, während die Markterwartung rund um die US-Rechtsstreitigkeiten offenbar einen Wendepunkt erreicht hat. Risikoabschläge, die lange auf der Aktie lasteten, scheinen zu schrumpfen.

Ganz ohne Fragezeichen bleibt die Rally trotzdem nicht. Mit einem RSI von 49,6 ist die Aktie zwar nicht überkauft, doch der Abstand zum 52-Wochen-Hoch bei 53,86 Euro beträgt weiterhin gut 14,6 Prozent. Die hohe annualisierte Volatilität von über 63 Prozent deutet zudem an, dass Rückschläge jederzeit möglich sind, sollte die Dynamik im Agrargeschäft nachlassen.

Daimler Truck: Nutzfahrzeuge im Aufwind

Daimler Truck sichert sich mit einem 30-Tage-Plus von 12,71 Prozent den zweiten Rang. Der Kurs von 45,77 Euro nähert sich dem 52-Wochen-Hoch von 46,50 Euro bereits deutlich an – der Abstand beträgt nur noch 1,57 Prozent. Die Rendite seit Jahresbeginn liegt bei 22,64 Prozent.

Getragen wird die Bewegung von der globalen Nachfrage nach schweren Nutzfahrzeugen und einer verbesserten Preisdurchsetzung gegenüber Kunden. Erhöhte Produktionskosten lassen sich offenbar besser weiterreichen als noch vor einigen Quartalen.

Der RSI von 69,3 signalisiert allerdings eine bereits recht heiß gelaufene Aktie. Wer hier einsteigt, sollte die Nähe zum Rekordhoch im Blick behalten. Auf Jahressicht relativiert sich die Dynamik zudem: Mit einem Plus von nur 4,74 Prozent über zwölf Monate zeigt sich, dass der eigentliche Kursschub erst in den vergangenen Wochen stattgefunden hat.

E.ON: Der ruhige Riese wird munter

Für einen Versorger ungewöhnlich stark: E.ON legte in den letzten 30 Tagen um 10,97 Prozent zu und schloss am Freitag bei 19,52 Euro. Das 52-Wochen-Hoch von 20,44 Euro liegt nur noch 4,5 Prozent entfernt.

Der Netzausbau in Europa spielt dem Konzern in die Karten. Regulierte, langfristig planbare Einnahmen wirken in einem Umfeld stabilisierter Zinsen zunehmend attraktiv – gerade weil sie weniger von schwankenden Energiepreisen abhängen als das Geschäft reiner Erzeuger.

Mit einem RSI von 63,4 bewegt sich die Aktie in einer soliden Aufwärtsphase, ohne bereits in überkauftes Terrain vorzustoßen. Anleger sollten regulatorische Weichenstellungen bei Netzentgelten im Blick behalten, da diese die Dynamik beeinflussen können. Die Kursstärke der vergangenen Wochen liest sich wie eine Neubewertung eines lange als träge geltenden Sektors.

Fresenius: Entflechtung zahlt sich aus

Fresenius komplettiert die obere Ranking-Hälfte mit einem 30-Tage-Plus von 9,82 Prozent. Am Freitag sprang die Aktie um 2,78 Prozent auf 43,94 Euro – der stärkste Tagesgewinn im gesamten Feld. Auf Wochensicht steht ein Zuwachs von 5,73 Prozent zu Buche.

Bemerkenswert: Trotz der jüngsten Stärke notiert die Aktie seit Jahresbeginn noch mit einem Minus von 10,14 Prozent im Rückstand. Der jüngste Aufschwung wirkt daher wie eine Gegenbewegung nach einem schwachen ersten Halbjahr, getragen von der fortschreitenden Fokussierung auf die Kernbereiche Kabi und Helios.

Die operative Stärke der Klinik-Sparte Helios spielt dabei eine tragende Rolle. Steigende Auslastung bei gleichzeitig sinkender Kostenbasis durch Effizienzprogramme verbessert die Bilanzqualität. Mit einem RSI von 64,4 bleibt noch Luft nach oben, bevor die Aktie als überkauft gelten würde.

Rheinmetall: Stabilität trotz Kurstal

Rheinmetall rundet die Top 5 mit einem Momentum von 9,13 Prozent ab – bemerkenswert für eine Aktie, die seit Jahresbeginn noch 33,49 Prozent im Minus liegt und binnen zwölf Monaten sogar knapp 41 Prozent verloren hat. Der Schlusskurs von 1.032,60 Euro liegt fast 49 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 2.007 Euro.

Die jüngste Erholung wirkt wie ein erster Silberstreif nach einer heftigen Korrektur. Hohe Verteidigungsbudgets in Europa und gut gefüllte Auftragsbücher bilden weiterhin das Fundament, auch wenn der Kurs zuletzt kräftig zurückgesetzt hatte. Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt von 1.493,97 Euro bleibt mit fast 31 Prozent erheblich.

Die annualisierte Volatilität von über 67 Prozent gehört zu den höchsten im gesamten Ranking. Das zeigt: Rheinmetall bleibt ein Wert für Anleger mit starken Nerven, dessen Kurs stark auf geopolitische Nachrichtenlage reagiert.

Sektordynamik im Überblick

Die fünf Top-Werte der letzten 30 Handelstage im Vergleich:

  • Bayer: +15,34 % (30 Tage), RSI 49,6 – Erholung mit Raum nach oben
  • Daimler Truck: +12,71 % (30 Tage), RSI 69,3 – nah am Rekordhoch, technisch angespannt
  • E.ON: +10,97 % (30 Tage), RSI 63,4 – defensiver Wert mit Wachstumsprämie
  • Fresenius: +9,82 % (30 Tage), RSI 64,4 – Erholung nach schwachem Jahresstart
  • Rheinmetall: +9,13 % (30 Tage), RSI 47,2 – Stabilisierung nach herbem Kursverlust

Auffällig ist die Bandbreite der Jahresperformance: Während Bayer und Daimler Truck seit Jahresbeginn zweistellig im Plus stehen, kämpfen Fresenius und vor allem Rheinmetall noch mit den Nachwirkungen einer schwächeren Marktphase.

Was die Momentum-Werte eint – und trennt

Die kurzfristige Rangliste verdeckt teils gegensätzliche Ausgangslagen. Bayer und Daimler Truck reiten auf einer Welle, die sich in den Jahreszahlen längst niedergeschlagen hat. E.ON demonstriert, dass auch defensive Versorger zeitweise zu Kursraketen werden können. Fresenius und Rheinmetall dagegen kämpfen sich aus tieferen Tälern heraus – ihre 30-Tage-Rendite ist eher Stabilisierung als Höhenflug.

Für die kommenden Wochen dürfte entscheidend sein, ob die charttechnisch bereits ambitionierten Werte wie Daimler Truck ihre Dynamik halten können, oder ob Gewinnmitnahmen einsetzen. Bei Rheinmetall und Fresenius stellt sich eher die Frage, ob die Gegenbewegung nachhaltig ist oder nur eine Verschnaufpause im übergeordneten Abwärtstrend darstellt.

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