MSCI World ETF: 9,34 Prozent Plus seit Jahresbeginn

Der MSCI World notiert leichter, während starke US-Quartalszahlen und eine Halbleiter-Rallye geopolitischen Risiken und Fed-Sorgen gegenüberstehen.

Die Kernpunkte:
  • US-Chipwerte treiben Nasdaq an
  • Ölpreis steigt auf Zweimonatshoch
  • Fed-Sitzung und Zinsängste im Fokus
  • KI-Investitionen belasten Kreditmärkte

Der MSCI World Index gab am Mittwoch um 0,1 Prozent auf 4.343 Punkte nach, nachdem breite Kursgewinne an der Wall Street den globalen Aktienmarkt tags zuvor noch gestützt hatten. Der iShares Core MSCI World ETF verzeichnete damit leichte Verluste, während zugleich geopolitische Spannungen und die Frage nach der künftigen Fed-Politik die Anleger beschäftigen.

Halbleiter-Rallye treibt US-Börsen an

Am Dienstag hatten Dow Jones, S&P 500 und Nasdaq ihre dreitägige Verlustserie beendet. Der Nasdaq sprang um 1,29 Prozent auf 25.837 Punkte, angeführt von einer breiten Chip-Rallye: Der Halbleiterindex SOXX legte um 5,5 Prozent zu, Micron gewann 12 Prozent. Auch klassische Industriewerte überraschten positiv – 3M kletterte nach starken Quartalszahlen um mehr als 7 Prozent, General Motors um 5 Prozent. Insgesamt übertrafen 88 Prozent der bereits berichtenden S&P-500-Unternehmen die Gewinnerwartungen des zweiten Quartals, ein Umstand, der die Stimmung an den US-Börsen stützte und über den Nasdaq und den Dow direkt in die Gewichtung des MSCI-World-Portfolios einfließt.

Der ETF selbst schloss am Dienstag bei 203,13 US-Dollar, ein Plus von 1,01 Prozent gegenüber dem Vortag. Seit Jahresbeginn steht damit ein Zuwachs von 9,34 Prozent zu Buche, während der Abstand zum 52-Wochen-Hoch vom 12. Juni bei 4,22 Prozent liegt.

Fed-Sitzung und Ölpreise als Unsicherheitsfaktoren

Für die kommende Woche erwarten Marktteilnehmer, dass die US-Notenbank ihren Leitzins unverändert lässt. Gleichzeitig hat sich laut Terminmarktdaten die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September auf über 55 Prozent erhöht, nachdem die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen mit 4,63 Prozent ein Zweimonatshoch erreichte. Zur Unsicherheit trägt auch die Suche nach einem neuen Fed-Vorsitzenden bei: Kevin Warsh gilt als wahrscheinlichster Nachfolger, während Rick Rieder von BlackRock laut US-Präsident Trump „sehr beeindruckend“ auftrat und als weiterer Kandidat gehandelt wird. Warsh selbst betont seine Unabhängigkeit, der Markt rechnet mit ersten Zinssenkungen frühestens im Oktober 2027.

Parallel dazu belastet der Konflikt zwischen den USA und Iran die Ölpreise. Brent-Rohöl kletterte auf über 92 US-Dollar je Barrel, den höchsten Stand seit Mitte Juni, nachdem die USA in der elften Nacht in Folge Angriffe geflogen hatten und die Houthi-Miliz mit einer Blockade saudischer Häfen drohte. Trump erklärte, man sei „nicht fertig“ mit den Angriffen auf den Iran – eine Aussage, die die Ölmärkte zusätzlich nervös macht und über steigende Energiekosten indirekt auf die im Index vertretenen Industrie- und Konsumwerte wirkt.

Europa schwächelt, Big Tech unter Beobachtung

In Europa gaben Aktien am Mittwoch nach, belastet von Technologiewerten vor den anstehenden Zahlen von Alphabet und Tesla. Tesla rechnet mit dem ersten negativen Cashflow-Quartal seit zwei Jahren, Alphabet steht wegen einer Verzögerung bei einem KI-Modell unter Druck. Auch einzelne europäische Schwergewichte belasteten den Index: Die Aktie von Lonza fiel um 3,8 Prozent auf 542,80 Franken, Sandoz verlor nach Trumps Ankündigung eines Zolls von zunächst 100 und später 200 Prozent auf importierte Generika 3,82 Prozent auf 64,00 Franken. Der Halbleiterausrüster VAT büßte nach schwächeren Gewinnkennzahlen trotz verdoppeltem Auftragseingang 6,82 Prozent ein.

Zusätzliche Nervosität liefert die Diskussion um die Finanzierung des KI-Booms bei den großen US-Technologiekonzernen. Alphabet, Microsoft, Amazon, Meta und Oracle sitzen zusammen auf 1,65 Billionen US-Dollar außerbilanzieller KI-Verpflichtungen, weitere 1,35 Billionen stehen bereits in den Bilanzen. Die Kreditausfallversicherung für Oracle-Anleihen erreichte mit 2,03 Prozentpunkten ein Rekordniveau seit 2008, Goldman Sachs sprach laut Berichten von „Anzeichen von Panik“ am Kreditmarkt. Investoren wie Neeraj Seth von 3R Investment Management sehen den KI-Kreditzyklus zwar in einer mittleren Phase, aber noch nicht als großes Risiko – erwarten jedoch bis Jahresende erhöhte Volatilität.

Für den MSCI World ETF bleibt die Gemengelage aus robusten US-Unternehmensgewinnen, geopolitischen Öl-Risiken und einer bevorstehenden Fed-Entscheidung richtungsweisend. Mit einem RSI von 52,3 und einer 30-Tage-Volatilität von 13,79 Prozent notiert der Index derzeit weder überkauft noch überverkauft – die Richtung dürfte sich erst mit den anstehenden Juli-Einkaufsmanagerindizes und den Quartalszahlen der großen Technologiekonzerne klären.

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