MSCI World ETF: Amazon treibt Index 15,3 Prozent

Starkes Cloud-Geschäft von Amazon beflügelt den MSCI World ETF. Der Index nähert sich seinem Rekordhoch, während die Berichtssaison vielversprechend bleibt.

Die Kernpunkte:
  • Amazon-Aktie springt um 15,3 Prozent
  • Index nähert sich Rekordhoch wieder
  • 85 Prozent der Firmen übertreffen Erwartungen
  • Technologie dominiert Indexgewichtung

Ein Kurssprung bei Amazon von über 15 Prozent an einem einzigen Tag reicht aus, um einen ganzen Weltindex zu bewegen. Genau das ist am Freitag passiert. Der MSCI World ETF schloss bei 203,37 US-Dollar und nähert sich damit wieder seinem Rekordhoch.

Der Grund liegt in der Struktur des Index selbst. Wenige Technologiekonzerne bestimmen, wohin sich der breite Weltaktienindex bewegt.

Amazon und Alphabet treiben die Rally

Amazon legte am Freitag um 15,3 Prozent zu. Auslöser war ein überraschend starkes Cloud-Wachstum. Zusammen mit Alphabet und Nvidia sorgte der Konzern für den Löwenanteil der Tagesgewinne im S&P 500 und im Nasdaq 100.

Auf der Verliererseite standen Apple, Boeing und UnitedHealth. Diese Gegenbewegung zeigt: Der aktuelle Aufschwung stützt sich auf wenige Namen aus dem KI- und Cloud-Segment. Eine breite Sektorrally sieht anders aus.

Über die gesamte Woche betrachtet fielen die Gewinne moderater aus. Dow Jones und S&P 500 legten jeweils etwa ein Prozent zu, der Nasdaq rund 1,6 Prozent. Für den Monat Juli bleibt dennoch ein gemischtes Bild: Der S&P 500 gab leicht nach, der Nasdaq verlor sogar 3,2 Prozent, während der Dow seinen vierten Monatsgewinn in Folge einfuhr.

Nach dem Fed-Schock die Erholung

Vorausgegangen war eine turbulente Handelswoche. Die US-Notenbank hatte die Zinsen Ende Juli unverändert gelassen. Der Anleihemarkt signalisierte daraufhin, die Fed könnte im Kampf gegen die Inflation zurückfallen.

Die Folge: Der Dow Jones verlor 1.153 Punkte und verzeichnete damit seinen schlechtesten Tag seit April 2025. S&P 500 und Nasdaq gaben ebenfalls deutlich nach.

Nur einen Tag später drehte die Stimmung. Microsoft legte Quartalszahlen vor, die alle Erwartungen übertrafen. Der Umsatz kletterte auf 90,01 Milliarden US-Dollar, die Cloud-Sparte Azure wuchs währungsbereinigt um 43 Prozent. Erstmals überschreitet der Azure-Jahresumsatz damit die Marke von 100 Milliarden US-Dollar. Da Technologiewerte im MSCI World besonders stark gewichtet sind, wirken sich solche Ausschläge einzelner Konzerne überproportional auf den gesamten Index aus.

Dichte Berichtssaison steht bevor

Die laufende Handelswoche bringt weitere Kursbewegung durch Quartalszahlen. Auf der Agenda stehen unter anderem McDonald’s, Kraft Heinz, Costco und Walt Disney. Aus dem Tech-Sektor berichten Palantir Technologies und der Chiphersteller AMD.

Zum Wochenauftakt stehen zusätzlich Konjunkturdaten an: die finalen Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe sowie der ISM-Index für Juli.

Das fundamentale Umfeld bleibt dabei günstig. Von den bislang rund 300 Unternehmen aus dem S&P 500, die ihre Zahlen vorgelegt haben, übertrafen 85 Prozent die Erwartungen. Die aggregierten Unternehmensgewinne im Index wachsen aktuell um mehr als 47 Prozent.

USA dominieren die Indexgewichtung

Die Struktur des MSCI World erklärt, warum einzelne US-Unternehmen so viel Gewicht haben. Amerikanische Aktien machen 72,45 Prozent des Index aus, mit weitem Abstand folgen Japan mit 5,69 Prozent und Großbritannien mit 3,45 Prozent. Auf Sektorebene dominiert Technologie mit 30,27 Prozent, vor Finanzwerten und Industrie.

Diese Konzentration erklärt, warum Überraschungen bei einzelnen Aktien wie Amazon oder Microsoft den gesamten Index stärker bewegen, als man es von einem global diversifizierten Fonds erwarten würde.

Charttechnik bleibt konstruktiv

Beim aktuellen Kurs von 203,37 US-Dollar liegt der Fonds nur noch 4,11 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 212,08 US-Dollar aus dem Juni. Der RSI-Wert von 53,8 zeigt: Trotz der jüngsten Rally ist der Index nicht überkauft. Es bleibt also Spielraum nach oben.

Analysten verweisen dennoch auf saisonale Risiken. August und September gelten historisch als schwache Börsenmonate. Hinzu kommen die näher rückenden Zwischenwahlen in den USA und die weiterhin offene Frage, wie die Fed ihre Zinspolitik in den kommenden Monaten ausrichtet.

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