MSCI World ETF: Apple verdrängt Nvidia an der Spitze

Einbrechende Halbleiteraktien und wachsende KI-Finanzierungssorgen drücken auf den MSCI World. Anleger fokussieren nun Quartalszahlen und Fed-Entscheid.

Die Kernpunkte:
  • MSCI World ETF nahezu unverändert
  • Chip-Ausverkauf belastet globale Märkte
  • Nvidia und ASML unter Druck
  • KI-Investitionen rücken in Fokus

Der MSCI World ETF schloss am Montag bei 200,92 US-Dollar, nahezu unverändert zum Vortag. Auf Wochensicht steht dennoch ein Minus von 1,09 Prozent zu Buche. Auslöser der Konsolidierung ist ein breiter Ausverkauf bei Halbleiterwerten, der die globalen Aktienmärkte in den vergangenen Tagen belastet hat.

Chip-Sektor sorgt für Nervosität

Grund für die Verkaufswelle war ein Bericht, wonach China inzwischen in der Lage sei, DUV-Lithografiemaschinen in Serie zu produzieren – jene Technologie, die bislang vor allem der niederländische Ausrüster ASML beherrscht. Die ASML-Aktie brach daraufhin zeitweise um bis zu 7 Prozent ein. Auch Nvidia, AMD, Micron und SK Hynix gerieten unter Druck, der Philadelphia Semiconductor Index verlor rund 2,2 Prozent und notiert damit gut ein Fünftel unter seinem Rekordhoch. In Asien griff die Verkaufswelle am Dienstag weiter um sich: Der südkoreanische Kospi löste durch den Kurssturz von Samsung und SK Hynix zeitweise einen automatischen Handelsstopp aus, während der Nikkei 225 ebenfalls deutlich nachgab.

Für den MSCI World ETF, der breit über Branchen und Regionen gestreut investiert, wirkt sich diese Rotation gedämpft aus. Technologiewerte tragen zwar hohes Gewicht im Index, die Streuung über Finanz-, Industrie- und Konsumwerte fängt größere Ausschläge jedoch teilweise ab. Der Fonds bewegt sich derzeit rund 0,64 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt – eher ein Zeichen für eine Verschnaufpause als für einen Trendbruch.

Sorgen um die Finanzierung der KI-Investitionen wachsen

Parallel zur Chip-Schwäche rückt die Finanzierung der milliardenschweren Investitionen in Rechenzentren in den Fokus. Nvidia verhandelt Berichten zufolge über eine Garantie von 250 Milliarden US-Dollar für ein Rechenzentrumsprojekt von OpenAI, zusätzlich zu bereits angekündigten Verpflichtungen von mehr als 750 Milliarden Dollar. Die Kreditausfallversicherung auf Nvidia-Anleihen stieg auf ein Rekordniveau. Auch bei Oracle, dessen Rating die Ratingagentur S&P jüngst auf BBB-minus senkte, kletterten die Absicherungskosten spürbar.

Der Investor Steve Eisman warnte, der Markt würde „geradewegs abstürzen“, sollten große Technologiekonzerne wie Alphabet, Microsoft oder Meta ihre Investitionen in künstliche Intelligenz kürzen. Alphabet selbst wies im zweiten Quartal erstmals seit 2004 einen negativen freien Cashflow aus, nachdem der Konzern sein Investitionsbudget für 2026 auf bis zu 205 Milliarden Dollar angehoben hatte. Jim Cramer verglich die Finanzierungskonstruktionen rund um Nvidia und OpenAI in einem Beitrag bei CNBC mit den Exzessen der Dotcom-Blase.

Gleichzeitig verschob sich die Kapitalgewichtung an der Spitze der Weltbörsen: Apple überholte Nvidia wieder als wertvollstes Unternehmen der Welt, gestützt durch die chinesische Zulassung von Apple Intelligence und ein Plus von rund 24 Prozent bei den iPhone-Auslieferungen in China im zweiten Quartal.

Fed-Entscheid und Ölpreis als nächste Belastungsprobe

Im Gegenzug entspannte sich die geopolitische Lage etwas: Hoffnungen auf ein Ende der Spannungen zwischen den USA und Iran ließen den Ölpreis deutlich fallen, was die Stimmung an den Aktienmärkten zeitweise stützte. Investoren richten den Blick nun auf die Zinsentscheidungen der US-Notenbank, der Bank of England und der Bank of Japan in dieser Woche. Zudem legen mit Microsoft, Amazon, Meta und Apple gleich mehrere Schwergewichte des MSCI World in den kommenden Tagen ihre Quartalszahlen vor – Ergebnisse, die angesichts der Debatte um KI-Investitionen und Kreditrisiken besonders genau geprüft werden dürften.

Für den MSCI World ETF bleibt diese Gemengelage aus hohen Bewertungen, wachsendem Investitionsdruck bei den großen Technologiekonzernen und einer noch unsicheren Zinsperspektive kurzfristig der bestimmende Faktor. Ausschlaggebend wird sein, ob die anstehenden Quartalszahlen der Schwergewichte die Zweifel an der Tragfähigkeit der KI-Ausgaben zerstreuen oder weiter befeuern.

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