MSD Aktie: Patentstreit bremst Keytruda SC

Halozyme setzte sich im Patentverfahren durch; die intravenöse Keytruda-Version bleibt von der Verfügung unberührt.

Die Kernpunkte:
  • Verkaufsverbot in acht europäischen Märkten
  • Gericht bestätigt Halozymes Patentanspruch
  • Intravenöse Behandlung bleibt verfügbar
  • US-Klage zu 15 Patenten läuft

Ein niederländisches Gericht stoppt den Europastart der subkutanen Keytruda-Variante in gleich acht Märkten. Für den US-Pharmakonzern, der außerhalb der USA und Kanadas als MSD firmiert, ist das ein Rückschlag bei einem seiner wichtigsten Lebenszyklus-Projekte.

Gericht gibt Halozyme recht

Das auf Patentfälle spezialisierte Gericht in Den Haag befand, dass MSD das MDASE-Patent EP 2,797,622 von Halozyme verletzt. Die Richter wiesen zudem den Einwand zurück, das Patent sei ungültig. Die Verfügung untersagt Herstellung, Angebot, Vertrieb, Einfuhr und Lagerung von Keytruda SC in Belgien, Dänemark, Frankreich, Irland, Italien, Schweden, der Schweiz und den Niederlanden.

Auch Tochtergesellschaften darf MSD nicht helfen, etwa durch die Nutzung der europäischen Marktzulassung. Patienten bleiben dennoch versorgt: Die intravenöse Keytruda-Version ist von dem Patent und der Anordnung nicht betroffen.

Halozyme-Aktien legten nach der Entscheidung rund 2 Prozent zu. Die MSD-Mutter Merck & Co. notierte am Mittwoch leicht im Plus.

Streit läuft an mehreren Fronten

Die Entscheidung ist kein Einzelfall. Halozyme erwirkte bereits am 4. Dezember 2025 eine einstweilige Verfügung in Deutschland, die den Start der Spritzenvariante dort stoppt. In den USA läuft zudem eine Klage vor einem Bundesgericht in New Jersey. Halozyme wirft MSD vor, die in den USA als QLEX vermarktete Formulierung verletze 15 Patente, die seit 2011 zum Schutz der MDASE-Technologie angemeldet wurden.

Für Merck steht einiges auf dem Spiel. Die Subkutan-Version soll Keytruda gegen auslaufenden Patentschutz des Originals absichern und die Anwendung vereinfachen. Verzögerungen in Europa trüben diese Strategie.

Onkologie-Pipeline liefert Gegengewicht

Parallel dazu treibt MSD die individualisierte Krebstherapie Intismeran autogene voran, die gemeinsam mit Moderna entwickelt wird. Tempus baut dafür die Zusammenarbeit mehrjährig aus und übernimmt Sammlung und Transfer von Tumor- und Blutproben sowie, vorbehaltlich behördlicher Zulassungen, die Sequenzierung.

Finanzielle Details nannten die Partner nicht. Die Therapie wird in Kombination mit Keytruda bei vollständig operiertem Melanom im Stadium IIB bis IV geprüft und ist noch nicht zugelassen.

Zusätzlich fiel das Präparat in einer Reuters-unabhängigen Betrachtung auf: Ein KI-Anbieter hatte schon im Juli einen Studienerfolg der Melanom-Vakzine simuliert. Belastbar ist das nicht, aber es unterstreicht die Erwartungen an das Programm.

Der nächste Prüfstein im Patentstreit liegt in den Gerichten. Ob weitere europäische Länder folgen oder MSD erfolgreich Rechtsmittel einlegt, entscheidet über den Zeitplan für Keytruda SC außerhalb der USA.

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