MTU mit Blick auf den Iran, rutscht die Aktie weiter ab?

Der Triebwerkshersteller MTU Aero Engines rechnet laut Aussage des Vorstandschefs Reiner Winkler ab 2018 mit starken Umsatzzuwächsen in den Bereichen Ersatzteile und Instandhaltung. Im Hinblick auf das Seriengeschäft erwartet man jedoch nur leichte Umsatzzuwächse und darüber hinaus einen Rückgang des Militärgeschäftes.

 

© Pixabay
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Insofern bleibt MTU gar nichts anderes übrig, als neue Märkte zu erschließen. Aus diesem Grund rückt jetzt der Iran in den Fokus des Unternehmens. Hier sieht der Konzern nach der Einigung im Atom-Streit ein großes Marktpotenzial.

Laut Winkler werden im Iran viele westliche Triebwerke betrieben, wodurch sich ein erhöhter Instandhaltungsbedarf ergibt. MTU zeigt großes Interesse, die entsprechenden Instandhaltungen bei den Fluggesellschaften im Iran auszuführen. Gespräche mit mehreren Airlines sollen bereits geführt werden.

 

Starke Umsätze im 1. Halbjahr

Das 2. Quartal des laufenden Geschäftsjahres war weiterhin von einer starken Entwicklung geprägt. Im Endergebnis erwirtschaftete MTU im 1. Halbjahr ein Umsatzplus von 21% und lag damit bei 2,2 Mrd. Euro.

Der bereinigte EBIT kletterte um 25% gegenüber dem 1. Halbjahr des Vorjahres auf rund 213 Mio. Euro. Der bereinigte Überschuss stieg um 33% auf 147 Mio. Euro.

 

Militärgeschäft bei MTU weiter rückläufig

In der zivilen Flugzeugwartung legte der operative Gewinn deutlich stärker zu als der Umsatz. Im Bereich Triebwerksverkauf war es genau umgekehrt. Hier werden die größten Gewinne mit Ersatzteilen erzielt, während Antriebe für neue Flugzeuge normalerweise mit großen Rabatten verkauft werden.

Große Maschinen sind jedoch laut MTU immer weniger nachgefragt. Insofern baut der Konzern lieber auf absatzstarke neue Flugzeugtypen.

Im Bereich des Militärgeschäftes musste MTU im 1. Halbjahr einen Umsatzrückgang um 5% verbuchen. Von Seiten der Bundeswehr kämen immer weniger Tornados in die Instandhaltung, auch bei der Wartung der Transall-Maschinen gab es einen Rückgang.

 

Vorstand erhöht Prognose

Letztendlich profitierte MTU in erheblichem Maße von der Euroschwäche. Nach den Ergebnissen für das 1. Halbjahr erhöhte der Vorstand dementsprechend seine bisherige Prognose.

So rechnet der Konzern nunmehr mit einem Umsatz von 4,6 Mrd. Euro, nachdem man bisher von 4,4 Mrd. Euro ausgegangen war. Der bereinigte EBIT soll auf 430 Mio. Euro steigen und der bereinigte Überschuss wird jetzt bei 295 Mio. Euro erwartet. Bei beiden Werten also eine Steigerung von je 10 Mio. Euro.

Dass es letztendlich noch mehr werden könnte, schloss der Vorstandschef nicht aus. MTU ist dafür bekannt, seine Prognosen etwas vorsichtiger zu gestalten. Die derzeitige Prognose geht von einem Wechselkurs von 1,10 Dollar je Euro aus.

 

Aktie im Sinkflug

Nach Bekanntgabe der Zahlen und Erhöhung der Prognose schickte der Markt die Aktie in den Keller. Dabei wurde auch die wichtige Unterstützung bei 80,00 Euro nach unten durchbrochen.

Richtig erklären kann man diesen Rückgang fundamental nicht. Die Zahlen waren nicht schlecht und auch eine Anhebung der Prognose kann hier als Grund eher nicht gelten. Möglich wäre lediglich, dass die Marktteilnehmer von den Iran-Plänen des Unternehmens nicht viel halten.

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Auch Analysten sind sich mehr als uneinig. Während die Experten von Hauck & Aufhäuser ihre Kaufempfehlung beibehielten, wurden die Papiere von JP Morgan auf „Underweight“ abgestuft. Hier geht man davon aus, dass sich die Aktie in dem kommenden sechs bis zwölf Monaten schlechter als der europäische Luftfahrt- und Rüstungssektor entwickeln wird.

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