Münchener Rück Aktie: 60 Prozent weniger Hurrikan-Schutz

Munich Re kürzt Rückversicherung vor Hurrikansaison drastisch. Trotz Rekordgewinns leidet die Aktie unter dem branchenweiten Preisdruck.

Die Kernpunkte:
  • Rückversicherung um 60 Prozent reduziert
  • Nettogewinn steigt auf 1,71 Milliarden Euro
  • Aktienkurs seit Jahresbeginn im Minus
  • Vorstand kauft eigene Aktien ein

Starke Gewinne, schwache Kurse. Bei der Münchener Rück klaffen Realität und Börsenstimmung derzeit weit auseinander. Der Rückversicherer geht voll ins Risiko und streicht externe Schutzschirme vor der beginnenden Hurrikansaison radikal zusammen. Das ist eine riskante Wette des Managements.

Preisdruck und harte Kante

Der globale Rückversicherungsmarkt leidet unter einem enormen Überangebot. Weltweit stehen 805 Milliarden US-Dollar an Kapital bereit. Dieser Rekordwert drückt die Preise massiv. Zur Juni-Erneuerung brachen die Raten für Sach-Katastrophen laut Broker Howden Re um 15 bis 20 Prozent ein. Bei schadenfreien Programmen ging es sogar um ein Viertel abwärts.

Munich Re reagiert darauf mit eiserner Disziplin. Das Management lehnt unrentables Geschäft konsequent ab. Zur April-Erneuerung schrumpfte das gezeichnete Volumen daher um 18,5 Prozent. Die Preise im Portfolio gaben risikoadjustiert um 3,1 Prozent nach.

Mehr Risiko auf der eigenen Bilanz

Parallel dazu startet die nordatlantische Hurrikansaison. Der Konzern geht dieses Jahr mit deutlich weniger externem Schutz in die stürmischen Monate. Munich Re hat die eigene Rückversicherung um 60 Prozent gekappt. Der Schutzmantel schrumpft damit auf nur noch 600 Millionen US-Dollar.

Die Münchener behalten mehr Prämien, tragen im Ernstfall aber höhere eigene Risiken. Die Prognosen spielen dem Konzern dabei in die Karten. Munich Re rechnet mit zwölf bis 13 benannten Zyklonen im Nordatlantik. Das liegt spürbar unter dem langjährigen Schnitt. Auch die US-Wetterbehörde NOAA hält eine unterdurchschnittliche Saison für wahrscheinlich.

Diskrepanz zwischen Zahlen und Kurs

Operativ läuft es für die Münchener glänzend. Im ersten Quartal sprang der Nettogewinn auf 1,71 Milliarden Euro. Im Vorjahr waren es noch rund 1,1 Milliarden Euro. Das Management bestätigt folgerichtig das Jahresziel von 6,3 Milliarden Euro Gewinn.

Die Börse honoriert diese Stärke aktuell nicht. Am Freitag schloss die Aktie bei 472,30 Euro. Seit Jahresbeginn summiert sich das Minus auf knapp 14 Prozent. Damit hat sich der Kurs vom Jahrestief bei 437,50 Euro nur leicht erholt. Anleger fürchten den branchenweiten Preisdruck.

Insider greifen zu

Die Konzernspitze nutzt die Kursschwäche als Einstiegschance. Gleich fünf Vorstandsmitglieder kauften zuletzt nahe der Jahrestiefs eigene Aktien. Das ist ein klares Signal an den Markt.

Flankiert wird dieses Vertrauen von einem massiven Aktienrückkaufprogramm. Bis zur Hauptversammlung 2027 erwirbt Munich Re eigene Papiere für bis zu 2,25 Milliarden Euro. Die erste Tranche über 900 Millionen Euro läuft bereits seit Mai.

Der nächste wichtige Termin steht am 7. August im Kalender. Dann präsentiert Munich Re den Halbjahresbericht. Bis dahin bestimmen die Ergebnisse der aktuellen Juli-Erneuerung die Richtung der Aktie. Kann das Unternehmen die Preise stabil halten, stützt das die Jahresziele. Ein fortgesetzter Preisverfall würde die ehrgeizige Gewinnprognose hingegen belasten.

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