Münchener Rück Aktie: 805 Milliarden Dollar Kapitalüberangebot
Operativ starke Münchener Rück leidet unter fallenden Preisen im Rückversicherungsmarkt. Die Juli-Erneuerungsrunde wird zum Stimmungstest.

- Rekordhohe Kapitalausstattung drückt Preise
- Sach-Katastrophen-Rückversicherung mit deutlichen Preisnachlässen
- Konzern setzt auf Zeichnungsdisziplin und Aktienrückkäufe
- Juli-Erneuerung als wichtiger Indikator für Bodenbildung
Starke Zahlen, schwacher Kurs. Bei der Münchener Rück klaffen operative Realität und Börsenstimmung weit auseinander. Die Aktie notiert aktuell bei 468,90 Euro und markiert damit ein Jahresminus von knapp 15 Prozent. Hinter dieser Talfahrt steckt ein massives strukturelles Problem im weltweiten Rückversicherungsmarkt.
Rekordkapital drückt die Preise
Die Branche leidet unter einem enormen Überangebot. Weltweit suchen 805 Milliarden US-Dollar an Kapital nach Rendite. Dieser Rekordwert drückt die Raten massiv nach unten. In der Sach-Katastrophen-Rückversicherung fielen die Preise zur Juni-Erneuerung um 15 bis 20 Prozent. Bei schadenfreien Programmen gaben die Raten sogar bis zu einem Viertel nach.
Munich Re steuert mit harter Zeichnungsdisziplin gegen. Der Konzern fährt das Neugeschäft bewusst zurück. Dennoch musste der Rückversicherer zuletzt einen risikoadjustierten Preisrückgang von 3,1 Prozent verbuchen. Weniger Volumen bei sinkenden Preisen. Kein Wunder, dass Anleger nervös reagieren.
Bewährungsprobe im Juli
Nun steht die wichtige Juli-Erneuerungsrunde an. Das Management hofft, das aktuelle Preisniveau weitgehend halten zu können. Ein Erfolg wäre ein erstes Signal für eine Bodenbildung. Die Investmentbank Jefferies sieht die Hürden allerdings hoch. Erst ein Marktschaden von über 100 Milliarden Dollar könnte den Abwärtstrend der Preise umkehren.
Parallel dazu läuft die atlantische Sturmsaison an. Der Konzern erwartet in diesem Jahr weniger Hurrikans als im langjährigen Durchschnitt. Ein ruhiger Verlauf hilft dem operativen Geschäft. Allerdings verlängert das ausbleibende Schadenvolumen den Preisdruck in der Branche. Die Gefahr verlagert sich indes in den Pazifik. El Niño begünstigt dort schwere Taifune, die besonders Japan und China bedrohen.
Fundamentale Stärke stützt
Operativ liefert der DAX-Konzern verlässlich ab. Im ersten Quartal stieg der Nettogewinn um 57 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro. Damit hat das Unternehmen bereits ein gutes Viertel seines Jahresziels von 6,3 Milliarden Euro erreicht. Eine Belastung bleibt der starke US-Dollar, der die in Euro ausgewiesenen Prämien schmälert.
Gegen die Kursschwäche setzt das Management auf Aktienrückkäufe. Das laufende Programm umfasst bis zu 2,25 Milliarden Euro. Allein zwischen Mitte Mai und Mitte Juni kaufte der Konzern über eine Million Papiere zurück. Am 7. August präsentiert die Münchener Rück den Halbjahresbericht. Dann zeigen die konkreten Zahlen zur Juli-Erneuerung, ob der Preisverfall gestoppt ist.
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