Münchener Rück Aktie: Alternatives-Kapital übertrieben?

Thomas Blunck relativiert die Bedeutung alternativer Kapitalgeber; RBC sieht mögliche Anlageerträge als Ausgleich für erwarteten Preisdruck.

Die Kernpunkte:
  • Alternativkapital übernimmt nur einen Bruchteil der Risiken
  • Blunck widerspricht der verbreiteten Fünftel-Angabe
  • RBC hebt Kursziel auf 530 Euro
  • Quartalsmitteilung folgt am 12. November

Münchener Rück hält den Einfluss alternativen Kapitals auf das Rückversicherungsgeschäft für geringer, als eine verbreitete Größenangabe nahelegt. Rückversicherungsvorstand Thomas Blunck widersprach am 15. Oktober der Einordnung, branchenfremde Investoren stellten ein Fünftel des gesamten Rückversicherungskapitals.

Entscheidend ist aus seiner Sicht, welche Risiken diese Investoren tatsächlich übernehmen. Für Anleger ergänzt das die Debatte über den erwarteten Preisdruck.

Kapitalvolumen ist nicht gleich Risikoübernahme

Blunck bezeichnete den häufig genannten Anteil als übertrieben. Gemessen an den übernommenen Risiken entfalle auf alternative Kapitalgeber nur ein Bruchteil. Seine Aussage richtet sich damit gegen eine pauschale Gleichsetzung von Kapitalanteil und Bedeutung für die Risikoübernahme.

Das ist eine wichtige Unterscheidung für die Bewertung des Wettbewerbs. Die bloße Höhe verfügbaren Kapitals beantwortet noch nicht, welchen Teil der versicherten Risiken branchenfremde Investoren tragen. Bluncks Einordnung ist allerdings keine Aussage darüber, dass der Preisdruck im traditionellen Rückversicherungsgeschäft ausbleibt.

Das Handelsblatt berichtete am 15. Oktober vor dem Branchentreffen in Baden-Baden über Erwartungen weiterer Rückgänge bei Rückversicherungsprämien. Als Hintergrund nannte die Zeitung die hohe Kapitalausstattung von Münchener Rück und weiteren großen Rückversicherern. Hinzu komme deren Bestreben, mehr Geschäft mit Erstversicherern zu zeichnen.

Der Wettbewerb lässt sich somit nicht allein auf alternative Kapitalgeber reduzieren. Auch das Kapital und die Zeichnungsbereitschaft der etablierten Anbieter gehören zur Einordnung. Für Münchener Rück bleibt deshalb relevant, zu welchen Bedingungen zusätzliches Geschäft möglich ist.

Anlageerträge als mögliches Gegengewicht

Medienberichten zufolge erhöhte RBC am Dienstag das Kursziel von 500 auf 530 Euro. Die Einstufung blieb bei „Sector Perform“. Die Anhebung war damit nicht mit einer optimistischeren Empfehlung verbunden.

Analyst Ben Cohen verwies auf starke Branchenerträge und steigende Anleiherenditen. Diese könnten den Preisdruck im Schaden- und Unfall-Rückversicherungsgeschäft bis 2027 verstärken. Höhere Kapitalanlageergebnisse könnten die Belastung allerdings ausgleichen.

Damit stehen sich zwei mögliche Ergebniseffekte gegenüber: nachgebende Preise im Versicherungsgeschäft und höhere Erträge aus Kapitalanlagen. Ein Ausgleich ist eine Erwartung, kein bereits gemeldetes Ergebnis.

Der nächste angekündigte Unternehmenstermin ist die Quartalsmitteilung am 12. November zum 30. September 2026. Für die Bewertung der Münchener Rück zählt daher nicht nur die Richtung der Rückversicherungspreise. Ebenso wichtig ist, ob die Ergebnisentwicklung ein mögliches Gegengewicht aus den Kapitalanlagen erkennen lässt.

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