Münchener Rück Aktie: Umsatzprognose auf 62 Milliarden gesenkt
Münchener Rück übertrifft Gewinnerwartungen im zweiten Quartal, kappt jedoch die Umsatzprognose wegen Preisdrucks. Die Aktie reagiert mit Verlusten.

- Quartalsgewinn übertrifft Analystenerwartungen
- Umsatzprognose wegen Preisdrucks gesenkt
- Aktienkurs fällt trotz guter Zahlen
- Jahresgewinnziel von 6,3 Mrd. Euro bestätigt
Der weltgrößte Rückversicherer hat am Freitag ein zweigeteiltes Bild geliefert: Auf der einen Seite ein Quartalsgewinn, der die Erwartungen der Analysten klar übertrifft, auf der anderen Seite eine gekürzte Umsatzprognose. Die Börse reagierte prompt mit Kursverlusten, auch wenn sich die Aktie am Ende des Handelstages wieder etwas erholte.
Gewinn übertrifft Erwartungen, Umsatzziel sinkt
Münchener Rück verdiente im zweiten Quartal 2,21 Milliarden Euro und lag damit deutlich über dem von Analysten erwarteten Konsens von 1,786 Milliarden Euro für dieses Quartal. Nach dem ersten Halbjahr stehen 3,93 Milliarden Euro Nettogewinn in den Büchern. Vorstandschef Christoph Jurecka hält trotz der guten Zahlen an seinem Jahresziel von 6,3 Milliarden Euro Gewinn fest – bekräftigt hatte er dieses Ziel bereits Ende Juli, als Marktspekulationen über eine mögliche Revision aufkamen.
Beim Umsatz musste der Konzern dagegen zurückrudern. Für die Rückversicherungssparte rechnet Munich Re nun mit 38 statt der bislang geplanten 40 Milliarden Euro, für den Gesamtkonzern mit 62 statt 64 Milliarden Euro. Grund ist der anhaltende Preisdruck im Rückversicherungsgeschäft, dem sich auch die Schweizer Konkurrentin Swiss Re am Donnerstag ausgesetzt sah.
Weicher Markt zwingt zu Zurückhaltung
Bei der Erneuerungsrunde zum 1. Juli gingen die risikobereinigten Preise im Verhandeln mit Erstversicherern und Maklern um 5,5 Prozent zurück. Munich Re reduzierte daraufhin ihr gezeichnetes Rückversicherungsgeschäft im Jahresvergleich um 9,1 Prozent. Jurecka begründete den Rückzug mit der komfortablen Kapitalausstattung des Konzerns: „Wir können es uns leisten, auf Geschäft zu verzichten.“
In den Segmentzahlen zeigt sich der Preisdruck deutlich. Der Versicherungsumsatz aus Versicherungsverträgen in der Schaden- und Unfallrückversicherung fiel auf 4.044 Millionen Euro nach 4.513 Millionen im Vorjahr, bei einer Combined Ratio von 68,9 Prozent des Netto-Versicherungsumsatzes. Das Nettoergebnis der Sparte belief sich auf 1.252 Millionen Euro. Großschäden schlugen mit 191 Millionen Euro nach Retrozession und vor Steuern zu Buche, nach einem positiven Wert von 87 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Während die Rückversicherung ihren Gewinn nur um drei Prozent auf 1,9 Milliarden Euro steigerte, legte die Erstversicherungstochter Ergo um 28 Prozent zu und stützte damit das Konzernergebnis.
Für die kommende Hurrikan-Saison im Nordatlantik, die laut Unternehmen bis November läuft, sieht Jurecka den Konzern mit Rückenwind aufgestellt. Finanzvorstand Andrew Buchanan äußerte sich zu den Waldbränden in Südeuropa: Diese deuteten bislang nicht auf ein besonders großes Schadenereignis hin. Für die Erneuerungsrunde im Januar erwartet Munich Re, dass sich die derzeit günstigen Preisniveaus trotz hohem Wettbewerbs weitgehend halten lassen – die breite Diversifizierung soll den Konzern für eine weichere Marktphase absichern.
Analysten uneinig über Bewertung
Die DZ Bank sieht den fairen Wert der Aktie bei 625 Euro und rät zum Kauf; der Überschuss habe sich merklich besser entwickelt als gedacht, das lediglich bekräftigte Jahresziel wirke vor diesem Hintergrund vorsichtig. JPMorgan bestätigte die Einstufung „Overweight“ mit einem Kursziel von 590 Euro. Drei weitere Analystenhäuser beließen ihre Einschätzung nach den vorläufigen Quartalszahlen unverändert, mit Kurszielen zwischen 500 und 625 Euro und einer Spanne von neutral bis Kaufempfehlung.
An der Börse sorgte vor allem der Umsatzdruck im Kerngeschäft für Nervosität: Die Aktie geriet am Freitag zeitweise deutlich unter Druck, bevor sie sich zum Handelsschluss bei 514,60 Euro einpendelte, ein Tagesminus von 1,64 Prozent. Seit Jahresbeginn steht damit ein Rückgang von 8,47 Prozent zu Buche. Ungeachtet des Preisdrucks läuft das Aktienrückkaufprogramm über insgesamt 2,25 Milliarden Euro weiter – ein Signal, dass der Vorstand trotz gekappter Umsatzprognose an der Kapitalstärke des Konzerns festhält.
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