Münchener Rück: Vorstand kauft 496 Aktien nach Prognosesenkung

Trotz gesenkter Umsatzziele erwirbt der Vorstand eigene Aktien. Der Rückversicherer bestätigt die Gewinnprognose und meldet einen Halbjahresrekord.

Die Kernpunkte:
  • Rekordgewinn im ersten Halbjahr
  • Umsatzprognose gesenkt, Gewinnziel bestätigt
  • Vorstand kauft Aktien nach Zahlen
  • Analysten senken Kursziele

Münchener Rück hat vergangene Woche einen Rekordgewinn vorgelegt – und ausgerechnet danach griffen mehrere Vorstandsmitglieder selbst zu Aktien. Am Freitag legte das Papier um 1,6 Prozent zu und schloss bei 517,60 Euro. Das Signal aus dem eigenen Haus fällt in eine Phase, in der Anleger zwischen sinkenden Umsatzzielen und stabilen Gewinnaussichten abwägen müssen.

Rekordgewinn trotz Preisdruck

Im ersten Halbjahr 2026 verdiente der Rückversicherer 3,925 Milliarden Euro nach 3,178 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Allein im zweiten Quartal stand ein Konzerngewinn von 2,211 Milliarden Euro nach 2,085 Milliarden Euro.

Die Schaden-Kosten-Quote in der Schaden-Unfall-Rückversicherung lag bei 68,9 Prozent, Großschäden blieben mit 191 Millionen Euro deutlich unter dem langfristigen Niveau.

Trotz der starken Zahlen strich das Unternehmen am 7. August die Umsatzprognose zusammen: Die Rückversicherungssparte soll 2026 nur noch 38 statt 40 Milliarden Euro erlösen, konzernweit werden 62 statt zuvor 64 Milliarden Euro erwartet.

Grund ist der Preisdruck bei der Juli-Erneuerung, in der die risikobereinigten Preise um 5,5 Prozent fielen und das gezeichnete Geschäftsvolumen um 9,1 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro schrumpfte. An der Gewinnprognose von 6,3 Milliarden Euro für das Gesamtjahr hält Münchener Rück dennoch fest.

Der Wettbewerber Hannover Rück bestätigte am Mittwoch sein Rekordgewinnziel von mindestens 2,7 Milliarden Euro, obwohl auch dort die Juni/Juli-Erneuerung mit einem Preisrückgang von 4,5 Prozent verlief. Der Preisdruck trifft die Branche damit offenbar gleichmäßig.

Vorstand kauft nach Zahlen zu

Bemerkenswert ist die Reaktion aus dem eigenen Haus: Am 10. August erwarben mehrere Vorstandsmitglieder zusammen 496 Aktien zu je 509 Euro, ein Gesamtvolumen von rund 252.000 Euro.

Bereits am 7. August hatten das nahestehende Vorstandsmitglied Andrew Buchanan 300 Aktien für 152.700 Euro und Mari-Lizette Malherbe 196 Aktien für 99.764 Euro gekauft, ebenfalls zum Kurs von 509 Euro. Solche Käufe kurz nach einer Prognosesenkung gelten als Vertrauenssignal in die eigene Gewinnkraft.

Parallel dazu läuft das laufende Aktienrückkaufprogramm weiter: Zwischen dem 29. Juli und 6. August erwarb Münchener Rück 69.928 eigene Aktien zu einem gewichteten Durchschnittskurs von rund 520 Euro. Seit Programmstart am 14. Mai wurden damit insgesamt 1.411.624 Aktien zurückgekauft. Zugleich reduzierte der Großaktionär Amundi seinen Stimmrechtsanteil auf 2,97 Prozent und unterschritt damit die Meldeschwelle von drei Prozent.

Analysten uneinig über Kursziel

Goldman-Sachs-Analyst Andrew Baker senkte am 14. August sein Kursziel von 557 auf 533 Euro und beließ die Einstufung bei „Neutral“, nachdem er seine Schätzungen an den Quartalsbericht angepasst hatte. RBC-Capital-Markets-Analyst Ben Cohen bestätigte am 7. August seine „Sector Perform“-Einstufung mit einem Kursziel von 500 Euro und verwies darauf, dass die gesenkte Ertragsprognose nicht weit unter dem Marktkonsens liege.

Mit 517,60 Euro notiert die Aktie derzeit rund zehn Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 575,40 Euro vom Oktober vergangenen Jahres, aber knapp 18 Prozent über dem Jahrestief von 437,50 Euro im Juni. Seit Jahresbeginn steht ein Kursrückgang von 7,9 Prozent zu Buche.

Klimarisiko bleibt im Blick

Die Naturkatastrophenschäden lagen im ersten Halbjahr weltweit bei schätzungsweise 98 Milliarden Euro, wovon rund 38 Milliarden Euro versichert waren – deutlich unter den Vorjahreswerten.

Chief Climate Scientist Tobias Grimm warnte im Juli vor einer „gefährlichen Mischung“ aus fortschreitender Erderwärmung und einem Super-El-Niño, deren Effekte erst in der zweiten Jahreshälfte spürbar werden dürften. Münchener Rück selbst betonte, das niedrige Schadenniveau sei günstigen Umständen geschuldet und kein Zeichen nachlassenden Klimarisikos.

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