Mutares Aktie: Free2move-Übernahme von Stellantis geplant
Mutares steigert Umsatz und bereinigtes EBITDA im Halbjahr, bestätigt die Jahresziele und erwartet weitere Erlöse aus geplanten Verkäufen.

- Free2move-Übernahme bis Jahresende erwartet
- SABIC-Geschäft erzielt 2,0 Milliarden Euro Umsatz
- Bereinigtes EBITDA dreht ins Plus
- Aktie bleibt auf Jahressicht im Minus
Mutares baut sein Portfolio weiter im hohen Tempo um. Während die milliardenschwere SABIC-Übernahme bereits verdaut wird, sorgt eine andere Transaktion für neue Impulse: die geplante Übernahme des gesamten Carsharing-Geschäfts Free2move von Stellantis. Die Vereinbarung wurde Ende Juli unterzeichnet, der Vollzug wird bis Ende 2026 erwartet.
Free2move betreibt Free-Floating-Carsharing in 14 Städten in Europa und den USA. Für Mutares ist der Zukauf ein weiterer Baustein in einer Serie von Transaktionen, die den Beteiligungsmanager in den vergangenen Wochen beschäftigt haben.
Erst Anfang August hatte das Unternehmen den Abschluss der Übernahme des Engineering-Thermoplastics-Geschäfts von SABIC vermeldet, das künftig unter dem Namen NexPoint Materials firmiert und mit rund 2,0 Milliarden Euro Jahresumsatz zur bislang größten Transaktion der Firmengeschichte wurde.
Exit-Seite bleibt aktiv
Neben den Zukäufen trennt sich Mutares parallel von Randgeschäften. Ende Juli ging Walor Precision Turning, ein Hersteller von Drehteilen für automobile Sicherheitssysteme mit rund 55 Millionen Euro Jahresumsatz, an Reed Capital.
Bereits Mitte Juli war der finnische Schadensanierer Redo Oy mit rund 25 Millionen Euro Umsatz an die norwegische Invex Group veräußert worden. Diese Exit-Dynamik ist für das Geschäftsmodell von Mutares zentral: Das Unternehmen kauft Unternehmen in Sondersituationen, saniert sie und verkauft sie später mit Gewinn weiter.
Genau dieser Mechanismus soll im zweiten Halbjahr 2026 greifen. Beim Earnings-Call zu den Halbjahreszahlen hatte das Management gestern wesentliche Exiterlöse aus bereits unterzeichneten Kaufverträgen für die zweite Jahreshälfte in Aussicht gestellt.
Kurs unter Druck trotz operativer Fortschritte
An der Börse kommt die Zukaufswelle bislang nicht an. Die Aktie schloss am Freitag bei 25,95 Euro und legte auf Tagessicht 1,2 Prozent zu, notiert aber auf Sicht von zwölf Monaten 9,4 Prozent im Minus.
Seit Jahresbeginn steht ein Rückgang von 14 Prozent zu Buche, zum 52-Wochen-Hoch von 35,15 Euro im Januar fehlen mittlerweile 26 Prozent. Der RSI von 37,9 signalisiert eine eher schwache, aber nicht überverkaufte Marktstimmung.
Die Skepsis der Anleger richtet sich offenbar weniger gegen die operative Entwicklung als gegen die Integrationsrisiken der zahlreichen Zukäufe. Mit Free2move erweitert Mutares sein Portfolio nun um ein Mobilitätsgeschäft, das sich strukturell von den klassischen Industrie- und Automotive-Beteiligungen unterscheidet und damit neue Managementanforderungen stellen dürfte.
Bilanz zeigt Fortschritte, BaFin-Kritik bleibt Randnotiz
Die Halbjahreszahlen selbst fielen differenziert aus. Der Konzernumsatz stieg auf 3,4 Milliarden Euro, ein Plus von 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das bereinigte EBITDA drehte von minus 89 Millionen Euro auf plus 67 Millionen Euro.
Das Holding-Nettoergebnis fiel mit 6 Millionen Euro allerdings deutlich niedriger aus als im Vorjahreszeitraum mit 70 Millionen Euro. Die Jahresguidance mit einem Konzernumsatz zwischen 7,9 und 9,1 Milliarden Euro sowie einem Holding-Nettogewinn zwischen 165 und 200 Millionen Euro wurde bestätigt.
Zusätzlich hatte die BaFin Ende Juni eine Prüfung des Jahresabschlusses 2023 abgeschlossen und einen fehlenden Vermerk zur Restlaufzeit von Forderungen gegen verbundene Unternehmen bemängelt.
Die entsprechenden Angaben waren laut Unternehmensmitteilung bereits in den Abschlüssen 2024 und 2025 nachgeholt worden, der Lagebericht blieb unbeanstandet. Für Anleger dürfte diese Randnotiz weniger schwer wiegen als die Frage, wie schnell sich die zahlreichen Zukäufe der vergangenen Monate in nachhaltige Erträge übersetzen lassen.
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