Mutares Aktie: SABIC-Deal für 450 Millionen Dollar

Mutares hat den entscheidenden Stichtag für die Anleihekennzahlen bestanden und damit ein zentrales Bilanzrisiko ausgeräumt.

Die Kernpunkte:
  • Covenant-Verstoß durch Bilanzstichtag behoben
  • Anleiherückkauf von bis zu 300 Mio. Euro geplant
  • Größte Übernahme der Firmengeschichte steht bevor
  • Dividendenrendite von rund 7,1 Prozent vorgeschlagen

Ende Juni war der entscheidende Stichtag. Mutares hat ihn überstanden — und damit ein Bilanzrisiko beseitigt, das monatelang über dem Münchener Beteiligungsunternehmen hing.

Was hinter dem Covenant-Problem steckte

Zum Jahresende 2025 riss Mutares eine zentrale Kennzahl in den Anleihebedingungen: Das Verhältnis von Nettoverschuldung zu Eigenkapital überschritt die festgelegten Grenzen. Ursache waren Bewertungseffekte, weniger abgeschlossene Transaktionen im vierten Quartal und gestiegene Leasingverbindlichkeiten.

Die Anleihegläubiger stimmten einem Verzicht zu. Sie setzten die Überprüfung der Kennzahl bis zum 29. Juni aus — dem gestrigen Stichtag.

Entscheidend war das Timing einzelner Transaktionen. Die Übernahme des Gas-Solutions-Geschäfts von Wärtsilä schloss Mutares am 1. Juni ab. Sie ist damit in der Bilanz verankert und konnte die Eigenkapitalkennzahl vor dem Stichtag verbessern. Der SABIC-Deal hingegen wird erst in der zweiten Jahreshälfte erwartet — er fällt strukturell nach dem Stichtag.

Schulden runter, Wachstum rein

Parallel treibt Mutares einen strukturierten Anleiherückkauf voran. Das Management will die ausstehenden Anleihen von 385 Millionen Euro bis Ende 2026 auf 250 bis 300 Millionen Euro drücken. Aus der Anleihe 2023/2027 sollen im laufenden Quartal mindestens 25 Millionen Euro zurückgekauft werden — anschließend jeweils mindestens derselbe Betrag.

Finanziert wird das über Beteiligungsverkäufe. Mutares hat den Verkauf der NEM Energy Group an Hyundai Heavy Industries Power Systems unterzeichnet. Den Kaufpreis halten beide Seiten geheim; der Vollzug ist für das dritte Quartal 2026 geplant.

Auf der Wachstumsseite wartet die historisch größte Transaktion der Unternehmensgeschichte. Mutares erwirbt das Engineering-Thermoplastics-Geschäft von SABIC für einen Enterprise Value von 450 Millionen US-Dollar. Das Geschäft erzielt rund 2,5 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz und beschäftigt rund 2.900 Mitarbeiter an acht Standorten. Es bildet den Kern eines neuen Segments „Chemicals & Materials“.

Dividende und Prognose

Für 2025 schlagen Vorstand und Aufsichtsrat der Hauptversammlung eine Basisdividende von 2,00 Euro je Aktie vor. Mutares versteht das als Mindestbetrag — bei erfolgreichen Exits soll eine Performance-Dividende hinzukommen. Bezogen auf den aktuellen Kurs von 28,25 Euro ergibt das eine Dividendenrendite von rund 7,1 Prozent.

Die Jahresprognose für 2026 sieht einen Konzernumsatz zwischen 7,9 und 9,1 Milliarden Euro vor. Der Jahresüberschuss soll zwischen 165 und 200 Millionen Euro liegen. Im ersten Quartal stiegen die Umsätze bereits um zehn Prozent auf rund 1,68 Milliarden Euro.

Die Aktie notiert mit einem Minus von 3,75 Prozent in den vergangenen sieben Tagen bei 28,25 Euro — rund 21 Prozent über dem April-Tief, aber noch immer deutlich unter dem 52-Wochen-Hoch von 35,60 Euro. Auf der Hauptversammlung muss das Management nun zeigen, dass Schuldenabbau und Aktionärsrendite gleichzeitig funktionieren — und dass die Exit-Dynamik, die der Vorstand für die zweite Jahreshälfte verspricht, tatsächlich eintrifft.

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