NASDAQ 100: 0,4% Minus nach Einzelhandel-Einbruch

US-Einzelhandelsumsätze brechen überraschend ein, Halbleiteraktien geben nach. Apple verdrängt Nvidia als wertvollstes Unternehmen. Fed-Zinspause rückt näher.

Die Kernpunkte:
  • US-Einzelhandelsumsätze fallen überraschend
  • Halbleiteraktien trotz Rekordzahlen im Minus
  • Apple überholt Nvidia bei Marktkapitalisierung
  • Zinssenkungshoffnungen steigen nach Konjunkturdaten

Der technologielastige NASDAQ 100 musste am gestrigen Freitag einen Rücksetzer hinnehmen. Während der Index in den vergangenen Monaten von der Euphorie um Künstliche Intelligenz profitierte, sorgten gestern enttäuschende Konjunkturdaten aus dem US-Einzelhandel und Gewinnmitnahmen im Halbleitersektor für eine eingetrübte Stimmung. Marktbeobachter werteten die Abkühlung beim privaten Konsum jedoch zugleich als Signal für eine mögliche Zinspause der US-Notenbank Federal Reserve.

Unerwarteter Einbruch der US-Einzelhandelsumsätze

Ein wesentlicher Belastungsfaktor waren die gestern veröffentlichten Daten zum US-Einzelhandel. Die Umsätze fielen im Juli im Vergleich zum Vormonat überraschend um 0,6 %. Dies stellt den kräftigsten Rückgang seit Mai 2025 dar.

Besonders deutlich sanken die Einnahmen im Online-Handel, der ein Minus von 2,2 % verbuchte. Experten führen die Kaufzurückhaltung der Amerikaner auf schrumpfende Realeinkommen zurück, da die Inflation zuletzt schneller stieg als die Löhne.

Die schwachen Konsumdaten lösten an den Märkten jedoch auch eine Gegenreaktion bei den Zinserwartungen aus. Die Wahrscheinlichkeit für eine weitere Zinserhöhung durch die Federal Reserve im September wird nun deutlich geringer eingeschätzt. Laut Berichten von Fox Business blieb die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihen infolge der Daten stabil bei 4,64 %.

Chicago-Fed-Präsident Goolsbee bezeichnete die jüngste Abkühlung der Inflation zwar als ermutigend, betonte jedoch, dass weitere Belege für eine dauerhafte Stabilisierung nötig seien. Der Fed-Vorsitzende Kevin Warsh, der das Amt im Mai übernommen hatte, ließ bislang keine klaren Signale für den künftigen Kurs der Notenbank im September erkennen.

Halbleiter-Werte trotz Rekordzahlen im Minus

Innerhalb des NASDAQ 100 gerieten gestern vor allem die Schwergewichte aus der Halbleiterbranche unter Verkaufsdruck. Applied Materials (AMAT) verlor rund 5 % an Wert, obwohl das Unternehmen für das dritte Quartal einen Rekordumsatz von 9,12 Milliarden Dollar meldete und damit die Erwartungen der Analysten übertraf.

Auch der Ausblick auf das vierte Quartal lag mit einer Umsatzprognose von etwa 10,25 Milliarden Dollar über dem Marktkonsens. Investoren zeigten sich jedoch besorgt über das Wachstumstempo im Vergleich zu Wettbewerbern wie ASML und verwiesen auf anhaltende Risiken im China-Geschäft.

Ähnlich erging es Broadcom, deren Aktie um etwa 5,5 % nachgab. Der gesamte Sektor litt unter einer breit angelegten Korrektur im KI-Handel. Analysten wiesen darauf hin, dass die Erwartungshaltung nach der Kursrallye der letzten Monate extrem hoch sei, was die Anfälligkeit für Gewinnmitnahmen erhöhe.

Der Index schloss den Handel gestern bei 29.963,48 Punkten ab, was einem Tagesverlust von 0,4 % entspricht. Trotz dieses Rückschlags verzeichnet der NASDAQ 100 seit Jahresbeginn ein deutliches Plus von 19 %.

Apple verdrängt Nvidia an der Weltspitze

Ein bemerkenswerter Wechsel vollzog sich gestern an der Spitze der wertvollsten Unternehmen der Welt. Apple konnte laut Berichten von Al Jazeera Nvidia wieder überholen und sicherte sich mit einer Marktkapitalisierung von 4,88 Billionen Dollar den ersten Platz. Nvidia folgte knapp dahinter mit 4,86 Billionen Dollar, nachdem die Aktie des Chip-Herstellers am Freitag um 3,5 % nachgegeben hatte.

Apple profitierte zuletzt von einer positiven Aufnahme seiner KI-Strategie rund um die Sprachsteuerung Siri sowie von der Einschätzung, dass der Konzern im Vergleich zu den Hyperscalern geringere Investitionsausgaben für die eigene KI-Infrastruktur tätigen muss.

Während der NASDAQ 100 kurzfristig mit der Marke von 30.000 Punkten kämpft, richten sich die Blicke der Anleger bereits auf das anstehende Treffen der Notenbanker in Jackson Hole in zwei Wochen, von dem neue Impulse für die Geldpolitik erwartet werden.

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