NASDAQ 100: Anleihemarkt bremst KI-Rally
Der Index verlor 1,38 Prozent; steigende Anleiherenditen und Alphabets negativer Cashflow setzten Technologiewerten zu.

- Nasdaq 100 schloss 1,38 Prozent tiefer
- Alphabet-Aktie verlor 12,6 Prozent
- Fast 500 Milliarden Dollar Börsenwert verschwanden
- Bank of America sieht 30.000 Punkte als Obergrenze
Der Nasdaq 100 stößt an eine Grenze, die nicht von Gewinnen, sondern von Zinsen gezogen wird. Steigende Renditen und die Sorge vor ausufernden KI-Investitionen belasten die Tech-Werte. Der Index schloss am Donnerstag 1,38 Prozent tiefer bei 29.402,51 Punkten.
Alphabet löst Ausverkauf aus
Auslöser war Alphabet. Der Konzern investierte im Quartal mehr, als das laufende Geschäft einbrachte, der freie Barmittelzufluss rutschte tief ins Minus. Die Aktie fiel um 12,6 Prozent auf den tiefsten Stand seit Ende März. Fast 500 Milliarden Dollar Börsenwert lösten sich an einem Tag auf. Nur Nvidia verlor im Januar 2025 an einem Handelstag mehr.
„Der Markt belohnt Ausgabendisziplin und bestraft Investitionen ohne Cashflow-Deckung“, fasst Jochen Stanzl von der Consorsbank die Lage zusammen. Der US-Zinsentscheid vom Vorabend war damit schnell abgehakt.
Microsoft kam mit einem Minus von 0,2 Prozent glimpflich davon, obwohl die Zahlen gut ankamen. Dass sich der Konzern Milliarden am Anleihemarkt besorgt, dämpfte die Stimmung. Auch die Softwarebranche litt: ServiceNow und Fortinet brachen nach schwachen Ausblicken um 27 und 20 Prozent ein. Marvell gab um 13 Prozent nach. Amazon verlor vor seinen Zahlen vier Prozent. Nur Apple und Meta legten unter den „Magnificent 7“ zu.
Bank of America sieht Zinsen als Bremse
Die Strategen der Bank of America um Michael Hartnett argumentieren, höhere Anleiherenditen bremsten nun die KI-Rally. Die Anleihemärkte setzten den Ausgaben der Hyperscaler Grenzen. Deren Investitionen sollen von 240 Milliarden Dollar im Jahr 2024 auf 1,2 Billionen Dollar im Jahr 2027 steigen. Der freie Cashflow dürfte im gleichen Zeitraum ins Negative drehen.
Die Strategen sprechen von einer „klassisch schmerzhaften Straffung“, aber nicht von einer tödlichen, solange es keine Jobverluste oder Kreditereignisse gibt. Der Nasdaq 100 sei bei 30.000 Punkten gedeckelt, der Halbleiterindex liege rund 20 Prozent unter seinem Hoch. Als Belastung nennen sie 42 Zinserhöhungen globaler Notenbanken in sechs Monaten und einen stärkeren Dollar.
Die nächste große Risk-on-Phase erwarten sie erst im ersten Halbjahr 2027, wenn die Zinserhöhungen enden und der Ölpreis deutlich fällt. Bis zu einer Jahresendrally müssten zwei Marken halten: 70 Dollar beim Roundhill Magnificent Seven ETF und 520 Dollar beim VanEck Semiconductor ETF.
Zusätzlicher Gegenwind am Horizont
Hinzu kommt die Sorge vor einer Emissionswelle. Analysten von Bravos Research warnen vor einem historischen IPO-Boom rund um Anthropic, SpaceX und OpenAI. Er könnte den Markt zunächst antreiben, später aber einen heftigen Ausverkauf auslösen.
Die Bank of America sieht zudem das Ende der großen Aktienrückkäufe gekommen: Hyperscaler gaben dieses Jahr bereits 89 Milliarden Dollar an Aktien aus. Für Anleihen der Tech-Riesen mit Renditen von sechs bis acht Prozent sehen die Strategen dagegen Chancen.
Kurzfristig richten sich die Blicke auf die Marke von 30.000 Punkten. Dort liegt laut Bank of America die Decke, solange Renditen und Ölpreis nicht nachgeben.
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