NASDAQ 100: Nvidia stützt Index trotz Zinsängsten

Nvidia meldet kräftiges Wachstum und hebt das Tech-Sentiment, während Fed-Signale steigende Anleiherenditen und neue Zinsrisiken auslösen.

Die Kernpunkte:
  • Fed signalisiert höhere September-Zinsen
  • Nvidia verdoppelt Nettogewinn nahezu
  • JPMorgan hebt Nvidia-Kursziel an
  • Marktbreite bleibt trotz Gewinnen schwach

Der Technologiesektor zeigt sich am heutigen Freitag resilient gegenüber den geldpolitischen Signalen aus Jackson Hole. Während die US-Notenbank Fed eine straffere Gangart andeutet, stützen die herausragenden Geschäftszahlen und Prognosen des Chipherstellers Nvidia das Marktvertrauen. Der NASDAQ 100 notiert aktuell bei 29.692,82 Punkten, was einem Zuwachs von 0,2 % entspricht.

Jackson Hole: Fed-Chef Warsh verschärft den Ton

Im Mittelpunkt des heutigen Handels steht die Grundsatzrede von Fed-Chef Kevin Warsh auf dem Notenbank-Symposium in Jackson Hole. Warsh bekräftigte dabei das Inflationsziel der Notenbank von 2,0 % und dämpfte Hoffnungen auf eine baldige Lockerung der Geldpolitik. Er stellte klar, dass eine Zinserhöhung im September wahrscheinlicher geworden ist, um die Teuerungsrate nachhaltig zu senken.

Die Reaktion an den Anleihemärkten folgte unmittelbar. Die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen stieg nach der Rede um rund 11 Basispunkte auf 4,34 %. Marktteilnehmer preisen die Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt im kommenden Monat nun mit 55,7 % ein, nachdem dieser Wert zuvor bei 35,4 % gelegen hatte.

Experten der Bank of America warnen zudem, dass die Rendite 30-jähriger Staatsanleihen auf bis zu 5,5 % steigen könnte, sollte die Fed ihre hawishe Linie beibehalten.

Nvidia setzt neue Maßstäbe für das KI-Wachstum

Trotz des unsicheren Zinsumfelds sorgt Nvidia für eine Fortsetzung der Rallye im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI). Das Unternehmen meldete für das zweite Quartal einen Rekordumsatz von 96,22 Milliarden US-Dollar, was einer Steigerung von 106 % gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Der Nettogewinn verdoppelte sich im selben Zeitraum nahezu auf 53,95 Milliarden US-Dollar. Besonders beeindruckte der Ausblick auf das Geschäftsjahr 2028, für das Finanzvorstand Colette Kress ein Umsatzwachstum von rund 70 % prognostizierte.

Analysten reagierten prompt auf die Zahlenvorlage. Die Experten von JPMorgan hoben ihr Kursziel für die Nvidia-Aktie von 280 auf 320 US-Dollar an und bekräftigten ihre Einstufung mit „Overweight“.

Nvidia-Chef Jensen Huang betonte, dass der Ausbau der KI-Infrastruktur unter Volldampf laufe und die Nachfrage das Angebot weiterhin deutlich übersteige. Am gestrigen Donnerstag verzeichnete das Papier einen Marktwertzuwachs von 442 Milliarden US-Dollar – der zweitgrößte Tagesanstieg der Börsengeschichte.

Marktdynamik und technische Widerstände

Das aktuelle Kursniveau des NASDAQ 100 liegt noch rund -3,5 % unter seinem 52-Wochen-Hoch, das Anfang Juni erreicht wurde. Marktbeobachter der Deutschen Bank weisen jedoch darauf hin, dass die jüngsten Gewinne des Index eine gewisse Schwäche in der Marktbreite kaschieren.

Am gestrigen Handelstag stiegen zwar Schwergewichte wie Salesforce um 22 % und CrowdStrike um 20 %, doch mehr als zwei Drittel der im S&P 500 gelisteten Titel schlossen im Minus.

Ein gemischtes Bild zeigt sich auch bei anderen Halbleiterwerten. Marvell Technology übertraf im zweiten Quartal mit einem bereinigten Ergebnis je Aktie von 0,94 US-Dollar zwar die Erwartungen, doch die Aktie geriet aufgrund eines als verhalten wahrgenommenen Ausblicks unter Druck.

Marvell kündigte für Anfang Oktober einen Investorentag an und verwies auf eine weitreichende Partnerschaft mit Google, die bis zum Jahr 2033 Umsätze in Höhe von 120 Milliarden US-Dollar generieren soll. Kurzfristig belasteten jedoch die gestiegenen Kosten für Speicherchips die Margen im Sektor.

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