NASDAQ 100: Ölpreisschock bremst den Index

Steigende Zinserwartungen und teures Öl bremsen die Wall Street, doch der Nasdaq 100 hält sich dank robuster KI-Investitionen vergleichsweise stabil.

Die Kernpunkte:
  • Brent steigt über 90 US-Dollar
  • September-Zinserhöhung mit 64 bis 66 Prozent
  • Nasdaq 100 verliert nur 0,1 Prozent
  • CrowdStrike meldet 26 Prozent Umsatzplus

Öl und Zinsen bestimmen zum Wochenauftakt das Bild an der Wall Street – nicht die Technologiewerte selbst. Nach US-Angriffen auf iranische Raketenwerfer und einem iranischen Gegenschlag auf eine US-Basis in Jordanien sprang Brent-Rohöl auf über 90 US-Dollar, phasenweise um rund fünf Prozent. Der Nasdaq 100 schloss am Montag bei 29.340,50 Punkten und gab damit 0,1 Prozent ab – ein moderater Rücksetzer angesichts der geopolitischen Nachrichtenlage.

Zinsspekulation überlagert die Geopolitik

Parallel zur Eskalation im Nahen Osten hält die Zinsdebatte die Anleger in Atem. Die an Terminmärkten gehandelte Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im September kletterte laut CME FedWatch auf rund 64 bis 66 Prozent – vor einer Woche lag sie noch bei etwa 41 Prozent.

Auslöser war die Rede von Fed-Chef Kevin Warsh in Jackson Hole, in der er auf eine noch nicht nachhaltig auf das Zwei-Prozent-Ziel zurückgeführte Inflation verwies. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg über 4,75 Prozent und markierte damit den höchsten Stand seit rund 19 Monaten.

Nicht alle Marktteilnehmer folgen jedoch der restriktiven Lesart: US-Finanzminister Bessent sowie Ökonomen von Citigroup und JPMorgan äußerten Zweifel an der Notwendigkeit einer weiteren Straffung. Auch Invesco-Analyst Benjamin Jones rechnet trotz der hawkischen Töne nicht mit einer Zinserhöhung im laufenden Jahr.

Warsh selbst zeichnete auf einem G20-Treffen ein differenziertes Bild: Die Wirtschaft sei gleichzeitig stark und schwach. Die Geschäftsinvestitionen wachsen so schnell wie seit 2021 nicht mehr, mehr als die Hälfte davon getrieben von Künstlicher Intelligenz.

Zugleich meldet der Wohnungsbau den schwächsten Sommer seit 2020, die Baustarts für Juli fielen um 14 Prozent. Diese Gemengelage aus robuster Investitionsdynamik und strukturellen Schwachstellen erklärt, warum der Markt trotz Zinsdruck nicht in Panik verfällt.

Index hält sich trotz Gegenwind stabil

Der Nasdaq 100 notiert derzeit rund 4,6 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 30.762,20 Punkten, das erst Anfang Juni erreicht wurde. Gegenüber dem 50-Tage-Durchschnitt von 29.130,68 Punkten liegt der Index leicht im Plus, was auf eine intakte kurzfristige Aufwärtstendenz hindeutet.

Der RSI von 50,2 signalisiert eine neutrale Marktverfassung ohne Überhitzung. Auf Sicht von zwölf Monaten steht dennoch ein Plus von 25 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn sind es 16 Prozent – ein Beleg dafür, dass die zugrundeliegende KI-getriebene Aufwärtsbewegung trotz der jüngsten Belastungsfaktoren nicht gebrochen ist.

Einzeltitel liefern gemischte Signale. Nvidia hatte nach starken Quartalszahlen und der Übernahme von Hugging Face für 12,9 Milliarden US-Dollar zunächst kräftig zugelegt, geriet dann aber unter Druck, nachdem Warshs Rede die Zinserwartungen anheizte.

CrowdStrike stieg dagegen um vier Prozent, nachdem das Unternehmen auf seiner Fal.Con-Konferenz die Verfügbarkeit von Falcon auf Google Cloud sowie eine Partnerschaft mit Zscaler bekanntgab und im zweiten Quartal einen Umsatzanstieg von 26 Prozent auf 1,47 Milliarden US-Dollar meldete. Apple wiederum vollzog einen Führungswechsel: Tim Cook trat als CEO zurück, John Ternus übernimmt zum 1. September.

Woche mit hoher Schlagzahl an Terminen

Die laufende Handelswoche gilt als richtungsweisend für den weiteren Kursverlauf der KI-Werte. Am Mittwoch legt Broadcom Zahlen vor, die als Gradmesser für die Nachfrage nach KI-Hardware gelten. Am 4. September folgt der US-Arbeitsmarktbericht für August, der als nächster großer makroökonomischer Katalysator eingestuft wird.

Auch Palo Alto Networks meldet am heutigen Dienstag nach Börsenschluss Quartalszahlen, mit einer von Analysten erwarteten Umsatzsteigerung auf 3,35 Milliarden US-Dollar. Bleiben starke Unternehmenszahlen aus, dürfte die Kombination aus hohen Anleiherenditen und Ölpreisschock den Index stärker belasten als bislang.

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