NASDAQ 100: Regulierungsangst trifft Zinshoffnung
Sinkende Anleiherenditen stützen den Index, während mögliche KI-Auflagen und gegensätzliche Reaktionen einzelner Aktien für Unsicherheit sorgen.

- Futures zunächst stärker unter Druck
- Zehnjährige Renditen gingen zurück
- Tesla schwach, Solartitel legten zu
- Index rund zehn Prozent unter Oktoberhoch
Die Demokraten haben bei den Zwischenwahlen Senat und Repräsentantenhaus erobert, und die Börse muss nun sortieren, wem das nützt und wem schadet. Für den technologielastigen Index zeichnet sich ein Tauziehen ab: Die Furcht vor schärferer KI-Regulierung steht gegen fallende Renditen.
Erst Druck, dann Entspannung
Zunächst gaben die Futures auf den Index deutlich nach, stärker als die breiteren Märkte. Marktteilnehmer begründen das mit der Sorge vor strengeren Auflagen für KI und Big Tech. Im Zentrum stehen neue Rechenzentren: Prüfungen könnten Projekte verteuern und verzögern.
Besonders Texas und Georgia, wo die Demokraten nun die Gouverneure stellen, gelten als Schlüsselstandorte. Zusammen stehen sie für etwa ein Drittel der Ausgaben und Projekte im Rechenzentrumsbau.
Vor dem US-Handelsstart hat sich das Bild aufgehellt. Der Broker IG sieht den Index zuletzt rund 0,5 Prozent im Plus, der Dow soll mit etwa 2,1 Prozent deutlich stärker anziehen. Die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen sanken, der Dollar gab nach. Anleger rechnen offenbar damit, dass ein demokratisch dominierter Kongress die Ausweitung der Fiskalpolitik bremst und damit Verschuldungssorgen dämpft.
Einzelwerte reagieren gegensätzlich
Tesla geriet vorbörslich stark unter Druck. Hintergrund ist die Gouverneurswahl in Texas, die erstmals seit mehr als 30 Jahren an die Demokraten ging und Regulierungsrisiken für das Imperium von Elon Musk birgt. Solartitel wie First Solar und Enphase Energy legten dagegen deutlich zu, da die Demokraten als aufgeschlossener gegenüber alternativen Energien gelten.
AMD profitiert weiter von der Chipnachfrage im KI-Boom. Die Aktie schwankte vorbörslich kräftig und lag zuletzt nur leicht im Plus.
Vorbelastet und umstritten
Die Ausgangslage ist heikel. Der Index schloss am Dienstag rund 10 Prozent unter seinem Rekordschluss vom 6. Oktober. Der KI-Korb von Goldman Sachs verlor im Oktober 15 Prozent und seit seinem Höchststand mehr als 24 Prozent.
Strategen sind uneins. Michael Arone von State Street Global Advisors sieht das größere Risiko in einer Überreaktion der Anleger. Tai Hui von JPMorgan Asset Management verweist auf Trumps Vetorecht und hält die KI-Entwicklung selbst für wichtiger als die Politik. Trump will nach eigener Aussage mit den Demokraten zusammenarbeiten und kann zudem per Dekret regieren.
Auch der historische Vergleich mahnt zur Gelassenheit: Der S&P 500 stieg laut Ned Davis Research in fünf von acht Midterm-Zyklen seit 1930, in denen die Präsidentenpartei das Repräsentantenhaus verlor, bis zum Jahresende.
Ein erster konkreter Prüfstein folgt im Januar 2027 mit der Konstituierung des neuen Kongresses. Dann zeigt sich, welche Vorhaben die Demokraten tatsächlich angehen. Die Schuldenobergrenze steht im Lauf des Jahres 2027 an.
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