NASDAQ 100: Schlimmster Tag seit 2025
Politische Bedenken zur KI-Infrastruktur belasten Tech-Aktien; Anleger verlagern Kapital in Staatsanleihen.

- Index fällt auf Aprilniveau zurück
- Rund 2,3 Billionen Dollar Marktwert verloren
- Speicherhersteller verlieren bis zu 22 Prozent
- Anleger schichten in Staatsanleihen um
Zwei Tage nach den Zwischenwahlen kippt die Stimmung an der Wall Street. Der NASDAQ 100 verliert 6,36 Prozent und schließt bei 26.629,81 Punkten. Das ist ein Ausnahmetag, und der Auslöser ist ein politischer: die Angst vor strengerer KI-Regulierung.
Wahlsieg der Demokraten setzt Chipwerte unter Druck
Die Demokraten haben bei den Zwischenwahlen Senat und Repräsentantenhaus übernommen. Viele Wähler äußerten damit nicht nur Unmut über hohe Lebenshaltungskosten und Präsident Donald Trump, sondern auch Ablehnung gegenüber Rechenzentren. Kritiker verweisen auf den hohen Strombedarf, der die Energiepreise treiben könnte. Hinzu kommen Sorgen um Lärm, Luftverschmutzung und Wassermangel. Auch die geringe Zahl dauerhafter Jobs steht in der Kritik.
In Texas forderte die designierte demokratische Gouverneurin Gina Hinojosa bereits ein sofortiges Moratorium für den Bau neuer Rechenzentren. Sie sind das Rückgrat der KI-Infrastruktur. Gehen die Investitionen zurück, träfe das die Chiphersteller in den kommenden Jahren hart.
Der Index fiel auf das Niveau von April zurück. Rund 2,3 Billionen Dollar an Marktwert lösten sich auf. Im Oktober hatte das Börsenbarometer noch ein Rekordhoch erreicht. Seit Jahresbeginn steht noch ein Plus von 5,5 Prozent.
Speicherwerte und Musk-Titel besonders schwach
Nvidia verlor 9,3 Prozent und bildete das Schlusslicht im Dow Jones. Noch härter traf es Speicherspezialisten: Seagate, Western Digital und SanDisk büßten bis zu 22 Prozent ein, ihre Produkte sind für Rechenzentren unverzichtbar.
Micron gab 17,5 Prozent ab. Der Konzern soll Pläne für ein Speicherchip-Werk in Taiwan wegen eines drohenden langwierigen Tarifkonflikts vorerst auf Eis gelegt haben. Das wirft Fragen zur Zukunft eines wichtigen Standorts für KI-Komponenten auf. Arm Holdings rutschte im Handelsverlauf um mehr als 12 Prozent, nachdem das Umsatzziel für das laufende Quartal nicht überzeugte.
Auch die Titel aus dem Umfeld von Elon Musk gerieten unter Druck. Tesla verlor fast elf Prozent, SpaceX neun Prozent.
Breiter Ausverkauf, Flucht in Anleihen
Die Schwäche blieb nicht auf Tech beschränkt. Der S&P 500 gab 4,36 Prozent auf 7.353,73 Punkte nach, der größte Tagesverlust seit April 2025. Der Dow Jones fiel um 3,44 Prozent auf 51.523,06 Punkte. Anleger schichteten Geld in Staatsanleihen um, die als sicherer Hafen gelten.
Zur Einordnung: Der Tech-Index hatte seit Anfang 2023 rasant zugelegt und lebte stark von der KI-Hoffnung. Genau diese Erzählung steht nun politisch unter Beschuss. Ob die Regulierungsfantasie konkrete Gesetzesvorhaben nach sich zieht, ist offen. Als Marke gilt zunächst das Aprilniveau: Fällt der NASDAQ 100 darunter, wären die Gewinne des laufenden Jahres weitgehend aufgezehrt.
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