Nasdaq-Rücksetzer: ON Semiconductor glänzt, AppLovin und DoorDash unter Druck

Der Nasdaq-100 zeigt ein zweigeteiltes Bild: ON Semiconductor erreicht ein neues Jahreshoch, während AppLovin mit SEC-Ermittlungen und DoorDash mit technischen Warnsignalen kämpfen. Die Quartalsberichte im Mai werden entscheidend.

Die Kernpunkte:
  • ON Semiconductor profitiert von Analysten-Upgrade und KI-Fokus
  • AppLovin mit laufender SEC-Untersuchung und Insiderverkäufen
  • DoorDash nähert sich kritischer technischer Trendlinie
  • Geopolitische Spannungen belasten die Marktstimmung

Gescheiterte Iran-Verhandlungen, ein überkaufter Index und eine laufende SEC-Untersuchung — am gestrigen Handelstag zeigte der Nasdaq-100 ein zweigeteiltes Bild. Während ON Semiconductor seinen Höhenflug fortsetzte, gerieten AppLovin und DoorDash gleich von mehreren Seiten unter Beschuss. Die Q1-Berichtssaison steht dabei erst am Anfang.

Investoren hatten einen neuntägigen Aufwärtstrend genossen, beflügelt durch einen zwischenzeitlichen Waffenstillstand im Nahen Osten. Dann kippte die Stimmung. Berichte über eine Pause in den Iran-Verhandlungen drückten kurz vor Börsenschluss auf die Kurse. Der S&P 500 schloss 0,63 % tiefer, der Nasdaq Composite gab 0,59 % nach. Der RSI des Nasdaq-100 hatte vergangene Woche noch bei 74 gelegen — ein Niveau, das Analysten als überkauft einstufen.

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Mitten in diesem Umfeld müssen Unternehmen in der Berichtssaison eine hohe Latte überspringen. Die Erwartungen an die IT-Gewinne sind ambitioniert. Gleichzeitig hält die Fed an ihrer restriktiven Linie fest — energiegetriebene Inflation lässt ihr kaum Spielraum.

ON Semiconductor: Analysten-Upgrade und KI-Fantasie treiben die Rally

Gegen den Markttrend legte ON Semiconductor gestern um 2,6 % auf 74,49 Euro zu. Damit markierte der Chipkonzern ein neues 52-Wochen-Hoch und krönte eine bemerkenswerte Aufholjagd: Innerhalb von 30 Tagen hat die Aktie rund 45 % zugelegt.

Der entscheidende Impuls kam bereits am 13. April. Die Bank of America stufte die Aktie von Neutral auf Buy hoch und schraubte das Kursziel von 70 auf 85 US-Dollar. Analyst Vivek Arya hob das „Aufholpotenzial“ hervor und betonte die strategische Neuausrichtung des Unternehmens. ON Semiconductor habe auf die nachlassende Nachfrage im Elektroauto-Markt klug reagiert:

  • Portfolio-Bereinigung und strikte Kostensenkungen
  • Fokus auf freien Cashflow statt reines Umsatzwachstum
  • Ausbau der KI-Stromversorgungslösungen als neues Wachstumsfeld
  • Milliardenschweres Aktienrückkaufprogramm über die nächsten drei Jahre

Zusätzlich stützt ein Design-Win mit Sineng Electric die Wachstumsstory. ON Semiconductors SiC-Hybridmodule kommen in Energiespeichersystemen und Solarwechselrichtern zum Einsatz — hochspezialisierte Hardware, die dem Unternehmen ein weiteres Standbein jenseits der zyklischen Autobranche verschafft.

Die Treo-Produktlinie und die wachsende KI-Power-Pipeline dürften beim Analystentag im September stärker in den Fokus rücken. Vorher steht allerdings der Quartalsbericht am 4. Mai an. Dann wird sich zeigen, ob die fundamentale Basis die euphorische Stimmung der Analysten rechtfertigt.

AppLovin: SEC-Ermittlungen und massive Insiderverkäufe bremsen den Höhenflug

Ganz anders die Lage bei AppLovin. Die Aktie fiel gestern um 3,6 % auf 473,18 US-Dollar und gab damit einen spürbaren Teil einer siebentägigen Gewinnserie ab. Diese hatte den Ad-Tech-Konzern zuvor um 29 % nach oben katapultiert und die Marktkapitalisierung um rund 38 Milliarden Dollar aufgebläht.

Die Gründe für den Rücksetzer sind handfest. Bloomberg berichtete, dass die SEC das Unternehmen in einem Schreiben darüber informiert habe, die Untersuchung sei „aktiv und laufend“. Eine Veröffentlichung interner Korrespondenz könne die Ermittlungsarbeit gefährden — ein Signal, das Anleger nicht ignorieren sollten.

Parallel dazu türmen sich die Insiderverkäufe. Direktoren und Führungskräfte haben in den vergangenen 90 Tagen Anteile im Wert von über 169 Millionen US-Dollar abgestoßen. Die jüngsten Transaktionen datieren vom 6. und 15. April. Wenn das eigene Management in dieser Größenordnung verkauft, sendet das ein unmissverständliches Signal an den Markt.

Strukturell steht der Konzern vor einer grundsätzlicheren Frage. Das KI-getriebene Werbewachstum, das AppLovin in den vergangenen Quartalen zum Börsenstar machte, gerät unter Druck. Meta und Alphabet dominieren die Werbebudgets mit ihren deutlich breiteren Daten-Ökosystemen. Diese Verschiebung hat bei KI-exponierten Ad-Tech-Aktien bereits zu einer Kompression der Bewertungsmultiples geführt.

Für das erste Quartal hat das Management einen Umsatz von rund 1,76 Milliarden US-Dollar in Aussicht gestellt — ein Wachstum von über 50 % gegenüber dem Vorjahr. Die Q1-Zahlen werden am 6. Mai präsentiert. Der Analystenkonsens lautet weiterhin „Strong Buy“, doch die Kluft zwischen Analystenoptimismus und den Warnsignalen aus dem Unternehmen selbst wird größer.

DoorDash: Technische Warnsignale nach starker Erholung

Auch DoorDash musste gestern Federn lassen. Die Aktie verlor 2,1 % auf 157,72 Euro — ein Rückschlag nach einer kräftigen Erholung in den Vorwochen. Gegenüber dem 52-Wochen-Tief vom 27. März hatte sich der Kurs um rund 25 % erholt.

Genau diese Rally könnte nun an ihre Grenzen stoßen. Technische Analysten warnen: Die Aktie nähert sich einer historisch bärischen Trendlinie. In der Vergangenheit folgte auf ein vergleichbares Signal in 83 % der Fälle ein Rückgang innerhalb eines Monats. Der RSI liegt aktuell bei 24 — ein extrem niedriger Wert, der auf kurzfristig überverkaufte Bedingungen hindeutet, aber im Zusammenspiel mit dem bärischen Trendsignal keine klare Entwarnung liefert.

Strategisch bleibt DoorDash ein Unternehmen im Investitionsmodus. Das Management treibt 2026 eine aggressive Expansion voran:

  • Aufbau einer neuen globalen Technologieplattform
  • Investitionen in autonome Lieferinfrastruktur inklusive des DoorDash Dot
  • Neue Produkte wie DashMart Fulfillment Services

Eine gestern angekündigte Partnerschaft mit Tempo für Stablecoin-basierte Auszahlungen in globalen Operationen ist strategisch interessant, konnte den Kursrückgang aber nicht bremsen. Als Unternehmen mit weltweit verteilten Operationen reagiert DoorDash sensibler auf geopolitische Verwerfungen als reine Software-Titel — die Iran-Sorgen treffen hier besonders.

Analysten sehen die langfristigen Aussichten dennoch positiv. Das Konsensrating lautet „Buy“, das durchschnittliche 12-Monats-Kursziel liegt bei 262,45 US-Dollar — ein erheblicher Abstand zum aktuellen Kurs.

Nasdaq zwischen Geopolitik und Berichtssaison

Der gestrige Handelstag verdeutlicht das Spannungsfeld, in dem sich Nasdaq-Investoren derzeit bewegen. Die Q1-Berichtssaison liefert bislang robuste Zahlen mit zweistelligem Gewinnwachstum. Gleichzeitig bleibt die geopolitische Lage rund um den Iran der dominierende Volatilitätstreiber.

Für die kommenden Wochen rücken drei Termine in den Fokus: ON Semiconductor berichtet am 4. Mai, AppLovin am 6. Mai, DoorDash ebenfalls in Kürze. Jeder dieser Berichte hat das Potenzial, die aktuelle Marktdynamik entweder zu bestätigen — oder grundlegend zu verschieben. Die Latte liegt hoch.

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