National Grid Aktie: Regierung schafft neuen Netzakteur
Great British Grid soll den Wettbewerb verändern, während National Grid Leitungsprojekte voranbringt und neue Flexibilitätsleistungen ausschreibt.

- Regierung kündigt Great British Grid an
- Aktie verliert im Handel 0,6 Prozent
- Eastern Green Link 1 im Bau
- Hinkley-Connection-Wiederherstellung abgeschlossen
Die britische Regierung hat am Dienstag die Gründung von Great British Grid angekündigt. Die neue öffentlich-rechtliche Einheit soll als Teil von Great British Energy gezielt in die Stromnetzinfrastruktur des Landes investieren. Für etablierte private Netzbetreiber wie National Grid bedeutet dieser Schritt das Entstehen eines neuen, staatlich finanzierten Akteurs auf dem heimischen Markt.
Der Vorstoß aus London gilt an den Finanzmärkten als wesentlicher Treiber für die jüngste Zurückhaltung bei den Papieren des Versorgers. Im gestrigen Handel verbuchte der Titel einen Rückgang von 0,6 Prozent und ging bei 13,21 Euro aus dem Handel. Medienberichten zufolge werten Marktbeobachter die Regierungsinitiative als potenziellen Katalysator für veränderten Wettbewerb beim Netzausbau.
Milliardeninvestitionen in die Netzkapazität
Ungeachtet der politischen Weichenstellungen treibt National Grid den Ausbau bestehender Großprojekte im Vereinigten Königreich voran. Gestern eröffnete das Unternehmen gemeinsam mit SP Energy Networks ein Informationszentrum für das Großprojekt Eastern Green Link 1 am Standort Hawthorn Pit.
Die 196 Kilometer lange Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitung (HGÜ) soll mit einer Übertragungskapazität von 2 Gigawatt die Region East Lothian mit der Grafschaft Durham verbinden. Das Seekabelprojekt befindet sich derzeit im Bau und soll wesentliche Engpässe bei der Einspeisung erneuerbarer Energien abbauen.
Parallel dazu bereitet der Konzern Maßnahmen zur Netzstabilisierung vor. Die Sparte National Grid Electricity Distribution hatte Mitte des Monats eine Ausschreibung zur langfristigen Beschaffung von Flexibilitätsleistungen für mehr als 800 Zonen gestartet.
Das Programm umfasst ein Volumen von über 2,8 Terawattstunden Flexibilität bei einem Marktpotenzial von bis zu 4,6 Millionen Pfund. Die Vergabe der Kontrakte ist für Januar 2027 avisiert, während die Umsetzung von April 2027 bis März 2028 laufen soll.
Fortschritte bei Trassenprojekten und US-Geschäft
Im Inland meldete das Infrastrukturunternehmen zudem operative Meilensteine. Beim Hinkley-Connection-Projekt schloss National Grid das Wiederherstellungsprogramm für eine 8,5 Kilometer lange Erdverkabelung durch die Mendip Hills ab, in dessen Zuge 35 Strommasten demontiert wurden.
Anfang des Monats legte der Konzern überdies überarbeitete Trassenpläne für die Verbindung zwischen Weston Marsh und East Leicestershire vor, die rund 60 Kilometer Neubau sowie 66 Kilometer Modernisierungen vorsieht.
Mit einer Marktkapitalisierung von 66,02 Milliarden Euro bleibt der Konzern ein zentraler Pfeiler der Energieversorgung in Großbritannien und im Nordosten der USA. Die kommenden Wochen dürften zeigen, wie stark die britische Regierungsinitiative den regulatorischen und wirtschaftlichen Rahmen für private Infrastrukturinvestoren tatsächlich verändern wird.
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