Navitas Semiconductor: 310 Prozent Jahresplus trotz Insider-Exodus
Navitas Semiconductor beendet SPAC-Streit, doch massive Insider-Verkäufe belasten die positive Kursentwicklung der Aktie.

- Einigung im SPAC-Rechtsstreit erzielt
- Direktor verkauft Aktien im Wert von 108 Millionen Dollar
- Kurs liegt 50 Prozent über Analystenzielen
- Umsatzrückgang von fast 39 Prozent im Quartal
Navitas Semiconductor hat in wenigen Wochen mehr Schlagzeilen produziert als manches Unternehmen in einem ganzen Jahr. Ein jahrelanger Rechtsstreit ist beigelegt, der Kurs hat sich seit Jahresbeginn mehr als vervierfacht — und trotzdem verkaufen die Direktoren in großem Stil. Das erzeugt eine seltsame Spannung.
Streit mit SPAC-Sponsor beigelegt
Ende Mai 2026 einigte sich Navitas mit Live Oak Acquisition Corp. II auf eine Lösung eines Streits, der bis zur Börsennotierung 2021 zurückreicht. Damals brachte der SPAC-Deal den Halbleiterspezialisten an die Börse. Seitdem war unklar, wie bestimmte Earnout-Aktien zu verteilen sind.
Die Einigung sieht die Ausgabe von rund 3,28 Millionen Aktien an frühere Anteilseigner vor. Davon gehen etwa 726.000 Stück an den Sponsor, 116.000 Aktien werden eingezogen. Der Markt reagierte positiv: Am Dienstagmorgen legte die Aktie im vorbörslichen Handel rund sechs Prozent zu.
Direktoren trennen sich von Millionenanteilen
Das freundliche Bild trübt sich beim Blick auf die Insidertransaktionen. Direktor Ranbir Singh verkaufte am 29. Mai allein 3,72 Millionen Aktien zu durchschnittlich 29,19 Dollar — ein Erlös von rund 108,7 Millionen Dollar in einer einzigen Transaktion.
Weitere Vorstandsmitglieder folgten. Richard J. Hendrix trennte sich von insgesamt rund 144.000 Aktien zu Preisen zwischen 28,96 und 29,66 Dollar. Gary Kent Wunderlich Jr. verkaufte 35.165 Aktien zu 28,14 Dollar. In den vergangenen sechs Monaten zählt man 22 separate Insiderverkäufe mit zusammen mehr als 5,8 Millionen Aktien.
Kurs weit über Analystenkonsens
Wer die Kursziele der Analysten kennt, reibt sich die Augen. Die Aktie schloss am 1. Juni bei 24,86 Dollar — ein Plus von rund 310 Prozent seit Jahresbeginn. Der Konsens von acht beobachtenden Analysten liegt bei 12,87 Dollar. Das impliziert ein Rückschlagpotenzial von fast 50 Prozent.
Die Spanne der Einzelmeinungen ist groß: Needham hält ein Kursziel von 21,00 Dollar, Rosenblatt setzt nur 13,00 Dollar an. Das vorherrschende Rating ist „Hold“ — fünf Analysten empfehlen zu halten, zwei zum Kauf, einer zum Verkauf.
Schrumpfende Umsätze, wachsende Bewertung
Die Quartalszahlen für das erste Quartal 2026 liefern wenig Rückenwind. Der Umsatz fiel auf 8,6 Millionen Dollar — ein Rückgang von 38,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Der Verlust je Aktie lag bei 0,04 Dollar und damit minimal besser als erwartet.
Navitas setzt auf Galliumnitrid-Technologie für die Stromversorgung von Rechenzentren. Die Hoffnung: steigende KI-Infrastrukturausgaben treiben die Nachfrage. Die Marktkapitalisierung liegt aktuell zwischen 5,8 und 6,2 Milliarden Dollar. Ob das operative Wachstum diese Bewertung je rechtfertigt, werden die nächsten Quartalsberichte zeigen — die Insider scheinen die Antwort bereits zu kennen.
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