Navitas Semiconductor: Magnachip-Partnerschaft für SiC

Navitas treibt den Umbau zu einem Anbieter für KI- und Energielösungen voran. Trotz eines hohen bilanziellen Verlusts wächst das Kerngeschäft deutlich.

Die Kernpunkte:
  • Fokus auf KI-Rechenzentren und Energienetze
  • Hochleistungssegment wächst um über 50 Prozent
  • Partnerschaft mit Magnachip für SiC-Technologie
  • Hoher Verlust durch nicht zahlungswirksame Anpassung

Navitas Semiconductor schließt den Juli mit einem kleinen Kursplus ab. Der Halbleiterhersteller schloss am Freitag bei 9,60 Euro, ein Tagesgewinn von 0,52 Prozent. Der Anstieg wirkt bescheiden, gemessen an dem, was vorausging: In den vergangenen 30 Handelstagen hatte die Aktie 34,25 Prozent verloren.

Hinter der Stabilisierung steckt eine radikale Neuausrichtung. Navitas nennt sie selbst „Navitas 2.0“ — und die Botschaft ist klar: Der Konzern verabschiedet sich von margenschwachen Mobil- und Consumer-Elektronik-Märkten. Stattdessen setzt das Management voll auf Rechenzentren, KI-Infrastruktur und Energienetze.

Wachstum im Hochleistungssegment

Die Zahlen für das zweite Quartal 2026 stützen diese Wette. Im Hochleistungssegment wuchs Navitas um mehr als 50 Prozent im Jahresvergleich. Bis Ende 2026 soll nahezu der gesamte Umsatz aus diesen Anwendungen stammen. Das alte Mobilgeschäft soll dann kaum noch eine Rolle spielen.

Basis der Strategie sind die Halbleitermaterialien Galliumnitrid (GaN) und Siliziumkarbid (SiC). Beide gelten als effizienter als klassisches Silizium — besonders bei hohen Spannungen und Leistungen, wie sie KI-Rechenzentren brauchen.

Die Allianz mit Magnachip

Ein zentraler Baustein der neuen Strategie ist eine Partnerschaft mit Magnachip Semiconductor. Navitas lizenziert dabei seine GeneSiC-Trench-Assisted-Planar-Technologie (TAP) an den koreanischen Chiphersteller. Ziel ist es, SiC-Bauteile schneller in Hochspannungs- und Ultra-Hochspannungsmärkten zu etablieren.

Für Navitas öffnet das zwei Türen zugleich. Der Konzern erschließt neue Umsatzquellen im Industrie- und Infrastrukturbereich. Zudem sichert er sich besseren Zugang zu SiC-Lieferketten — entscheidend, da Betreiber von KI-Rechenzentren zunehmend auf 800-Volt-Gleichstromarchitekturen umsteigen.

Der Verlust, der keiner ist

Auf den ersten Blick wirkt die Bilanz alarmierend. Navitas meldete für das zweite Quartal einen GAAP-Nettoverlust von 228,2 Millionen US-Dollar. Bei genauerem Hinsehen relativiert sich das Bild aber deutlich.

Rund 203,1 Millionen US-Dollar des Verlusts stammen aus einer reinen Buchwert-Anpassung einer Earnout-Verpflichtung — ein nicht zahlungswirksamer Posten, kein operativer Cash-Abfluss. Die bereinigte Bruttomarge lag bei 39,5 Prozent. Navitas beendete das Quartal mit 557,4 Millionen US-Dollar an Barmitteln und ohne Schulden.

Analysten uneins, Orderbuch wächst

Am Markt gehen die Einschätzungen auseinander. Die Investmentbank Needham bestätigte kürzlich ihre Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 21 US-Dollar. Begründet wird das mit einem Rekord-Book-to-Bill-Verhältnis und einem Auftragsbestand, der bereits bis ins Jahr 2027 reicht.

Für das dritte Quartal rechnet Navitas mit einem Umsatz von etwa 13,5 Millionen US-Dollar. Das entspräche einem Wachstum von 28 Prozent gegenüber dem Vorquartal.

Charttechnisch bleibt die Lage angespannt. Die Aktie notiert 67,12 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 29,20 Euro, der RSI liegt bei 37 — nahe der überverkauften Zone, aber noch nicht dort angekommen. Ob der operative Fortschritt reicht, um das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen, hängt nun maßgeblich davon ab, wie schnell sich der Auftragsbestand in tatsächliche Umsätze verwandelt.

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