Navitas: Wolfspeed klagt am 7. Juli
Wolfspeed verklagt Navitas wegen Patentverletzung. Der Kurs des Chipherstellers fällt, während Analysten die strategische Nvidia-Partnerschaft betonen.

- Patentklage von Wolfspeed eingereicht
- Fünf Produktfamilien betroffen
- Aktie verliert deutlich an Wert
- Nvidia-Partnerschaft als Hoffnungsträger
Der Konkurrent Wolfspeed reichte am 7. Juli 2026 Klage wegen Patentverletzung ein und zielt damit auf das Kerngeschäft des Chipherstellers. Am Freitag schloss die Navitas-Aktie bei 11,70 Euro, ein Minus von 6,40 Prozent auf Tagesbasis. Binnen sieben Tagen verlor das Papier 10,69 Prozent, auf Monatssicht summiert sich der Rückgang auf 34,27 Prozent.
Fünf Produktfamilien im Visier
Wolfspeed wirft Navitas vor, mit fünf Patenten für Galliumnitrid- und Siliziumkarbid-Halbleiter in Konflikt zu stehen. Betroffen sind die Produktlinien GaNFast, GaNSlim, GaNSafe sowie die GeneSiC-MOSFETs und die SiCPAK-Module – damit reicht der Vorwurf tief in das Produktportfolio hinein, mit dem Navitas seine Wachstumsstrategie im Bereich Leistungshalbleiter aufgebaut hat. Wolfspeed fordert vor einem US-Bundesgericht ein dauerhaftes Verkaufs- und Importverbot für die genannten Produkte in den Vereinigten Staaten sowie Schadensersatz. Navitas weist die Vorwürfe als unbegründet zurück, eine gerichtliche Entscheidung steht aus.
An der Wall Street reagierte die Aktie in US-Dollar notiert mit deutlichen Abschlägen: Am 7. Juli fiel das Papier um 8,14 Prozent, am Folgetag um weitere 4,5 Prozent. Bis zum 10. Juli hatte sich der Verlust über fünf Handelstage auf 8,59 beziehungsweise nach anderer Zählweise sogar auf 14,22 Prozent summiert, der Schlusskurs lag zuletzt bei 13,47 US-Dollar. Die Stimmung unter Kleinanlegern auf der Plattform Stocktwits drehte im Zuge der Nachricht von „bearish“ auf „neutral“.
Schwache Quartalszahlen verschärfen das Bild
Die Klage trifft Navitas in einer ohnehin schwierigen Geschäftsphase. Im ersten Quartal 2026 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 8,6 Millionen US-Dollar, ein Rückgang von 38,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Unter dem Strich stand ein Non-GAAP-Nettoverlust von 9,8 Millionen US-Dollar. Für das zweite Quartal stellte das Unternehmen einen Umsatz von rund 10 Millionen US-Dollar in Aussicht. Der Analystenkonsens lautet derzeit „Halten“, das durchschnittliche Kursziel liegt bei 13,97 US-Dollar.
Auf der Chartseite spiegeln die Marktdaten den anhaltenden Abwärtsdruck wider. Der Titel notiert 59,93 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 29,20 Euro, das erst am 26. Mai 2026 markiert wurde. Gleichzeitig liegt der Kurs noch 90,24 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 6,15 Euro vom 6. Februar 2026 – die Handelsspanne der vergangenen zwölf Monate war damit außergewöhnlich weit. Zum 50-Tage-Durchschnitt von 18,58 Euro beträgt der Abstand minus 37,02 Prozent, während der 100-Tage-Durchschnitt bei 13,29 Euro liegt. Der RSI von 33,7 signalisiert eine überverkaufte Situation, die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 121,24 Prozent unterstreicht die Nervosität rund um den Titel. Die Marktkapitalisierung liegt umgerechnet bei 3,02 Milliarden Euro.
Nvidia-Partnerschaft als langfristiger Hoffnungsträger
Trotz der aktuellen Turbulenzen verweisen Marktbeobachter auf die strategische Rolle von Navitas als Partner von Nvidia im Bereich der 800-Volt-Gleichstromarchitektur für Rechenzentren. Der adressierbare Markt für diese Technologie wird bis 2030 auf 3,5 Milliarden US-Dollar geschätzt. Ob dieses Zukunftspotenzial reicht, um die kurzfristigen Belastungen aus Patentstreit und schrumpfendem Umsatz auszugleichen, dürfte sich in den kommenden Quartalen zeigen. Zunächst bleibt der Rechtsstreit mit Wolfspeed der bestimmende Faktor für die Kursentwicklung, zumal ein Verkaufsverbot in den USA das laufende Geschäft empfindlich träfe. Anleger dürften daher vor allem die weiteren Verfahrensschritte sowie mögliche Reaktionen des Managements in den kommenden Wochen genau verfolgen.
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