Nebius Aktie: 13,7 Prozent Wochenverlust nach Rekordzahlen

Trotz massivem Umsatzwachstum und Milliardenverträgen fällt die Nebius-Aktie nach der Nasdaq-100-Aufnahme in eine klassische Sell-the-News-Korrektur.

Die Kernpunkte:
  • Wöchentlicher Kursrückgang von 13,7%
  • Umsatzsprung um 684% im ersten Quartal
  • Milliarden-Deals mit Meta und Microsoft
  • Insider-Verkäufe belasten die Stimmung

Nach einer der ereignisreichsten Wochen in der kurzen Börsengeschichte von Nebius Group steht ein ernüchterndes Wochenergebnis: minus 13,70 Prozent. Am Freitag schloss die Aktie bei 211,60 Euro — ein Tagesverlust von 6,18 Prozent. Fünf Handelstage in Folge ging es bergab.

Das ist das klassische Muster: Kaufe das Gerücht, verkaufe die Nachricht. Nur dass hier die Nachrichten außergewöhnlich gut waren.

Zahlen, die eigentlich begeistern sollten

Nebius meldete für das erste Quartal 2026 einen Umsatz von 399 Millionen Dollar — ein Plus von 684 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Kerngeschäft, die KI-Cloud-Sparte, wuchs sogar um 841 Prozent auf 389,7 Millionen Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 2,11 Dollar. Analysten hatten einen Verlust von 0,78 Dollar erwartet. Das Ergebnis übertraf die Prognosen um 360 Prozent.

Für das Gesamtjahr peilt das Management einen annualisierten Umsatz von 7 bis 9 Milliarden Dollar an. Die Investitionsausgaben hob Nebius auf 20 bis 25 Milliarden Dollar an — zuvor lag die Spanne bei 16 bis 20 Milliarden. CFO Dado Alonso begründete das klar: Nebius baut für die Nachfrage 2027, nicht für heute.

Milliarden-Verträge als Fundament

Hinter dem Wachstum steckt ein dichtes Netz an Langfristverträgen. Nebius hat rund 46 Milliarden Dollar in mehrjährigen KI-Cloud-Vereinbarungen gebündelt — darunter ein 27-Milliarden-Dollar-Kapazitätsdeal mit Meta und ein 17-Milliarden-Dollar-Umsatzvertrag mit Microsoft. Nvidia plant bis 2030 eine Investition von 2 Milliarden Dollar in die GPU-Infrastruktur des Unternehmens.

Auf der Infrastrukturseite investiert Nebius rund 1,7 Milliarden Pfund in drei neue Standorte in Großbritannien. Vollständig hochgefahren sollen sie 2027 zusammen 65 Megawatt Leistung liefern. Das Ziel für die vertraglich gesicherte Gesamtkapazität liegt bei über 4 Gigawatt bis Ende 2026.

Nasdaq-100-Aufnahme: Pflichtkäufe sind durch

Der Kursanstieg der vergangenen Wochen hatte einen strukturellen Treiber. Die Aufnahme in den Nasdaq-100 zum 22. Juni verpflichtete passive Fonds und ETFs wie den Invesco QQQ zum Kauf der Aktie. Der Index bildet die Grundlage für mehr als 200 Produkte mit über 600 Milliarden Dollar verwaltetem Vermögen.

Sobald diese Pflichtankäufe abgeschlossen waren, fehlte ein neuer kurzfristiger Impuls. Die Korrektur setzte prompt ein.

Analysten bullish — mit Vorbehalt

Die starken Quartalszahlen lösten eine Welle von Kurszielhöhungen aus. Citigroup, Goldman Sachs, Bank of America und Citizens JMP zogen ihre Ziele nach oben, das aktuelle Konsenskursziel liegt bei 280 Dollar. Allerdings warnen vorsichtigere Stimmen auf Kundenseite vor Bewertungsrisiken und der hohen Abhängigkeit von wenigen Großkunden.

Hinzu kommt Insider-Aktivität, die einige Anleger aufhorchen lässt. Johanna Boynton verkaufte Mitte Juni rund 6.000 Aktien zu etwa 253 Dollar je Stück. Insgesamt flossen in den vergangenen 90 Tagen rund 14,7 Millionen Dollar aus Insider-Verkäufen ab — darunter auch Transaktionen von CEO Arkady Volozh.

Hohe Bewertung lässt keinen Spielraum

Trotz des Rückgangs liegt die Aktie noch 15,71 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 182,87 Euro. Der Jahresgewinn beträgt immer noch 176,60 Prozent. Das Allzeithoch von 261 Euro, erreicht am 22. Juni, liegt 18,93 Prozent entfernt.

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der vergangenen zwölf Monate liegt bei 75,9 — eine Bewertung, die keine Fehler verzeiht. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 97,50 Prozent unterstreicht: Nebius ist kein ruhiges Investment. Die erhöhten Investitionsausgaben drücken auf die kurzfristige Bilanz, während die Schulden auf fast 8 Milliarden Dollar zulaufen. Ob die Kapazitäten 2027 tatsächlich die erwartete Nachfrage treffen, entscheidet, ob die aktuelle Bewertung gerechtfertigt war — oder nicht.

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