Nebius Aktie: 140 Millionen Dollar Insiderverkäufe

Nebius Group verliert in einem Monat fast 40 Prozent an Wert. Trotz neuer Partnerschaften und Milliardenaufträgen bleibt die Verunsicherung groß.

Die Kernpunkte:
  • Aktie verliert 39 Prozent in 30 Tagen
  • Insiderverkäufe dienen der Steuerbegleichung
  • Kapitalausgaben auf 25 Milliarden Dollar erhöht
  • Meta-Konkurrenz belastet die Neocloud-Branche

Nebius Group durchlebt einen der brutalsten Monate seiner Börsengeschichte. Die Aktie des Amsterdamer AI-Cloud-Anbieters schloss am Donnerstag in Frankfurt bei 150,18 Euro. Allein in der vergangenen Woche verlor das Papier fast 22 Prozent.

Am Donnerstag brach der Kurs im US-Handel zeitweise um mehr als 13 Prozent ein. Auf Monatssicht steht ein Minus von knapp 39 Prozent zu Buche. Erst am 22. Juni hatte die Aktie bei 261 Euro ihr 52-Wochen-Hoch markiert – seither hat sie fast die Hälfte ihres Werts verloren.

Insider verkaufen – aber automatisch

Regulatorische Meldungen zeigen: Führungskräfte von Nebius haben in den vergangenen Wochen Aktien verkauft. Die Transaktionen waren jedoch keine freien Entscheidungen der Manager.

CEO Arkadiy Volozh verkaufte am 1. Juli 46.627 Class-A-Aktien zu je 235,45 Dollar. Der Verkauf diente laut Meldung ausschließlich dazu, Steuerabzüge aus einer Restricted-Share-Unit-Vereinbarung zu decken. Auch Chief Infrastructure Officer Andrey Korolenko veräußerte knapp 27.000 Aktien unter denselben automatischen Bedingungen. CTO und Chief Revenue Officer meldeten in früheren Zeiträumen vergleichbare Transaktionen.

In der Summe kommen CEO, CTO und Chief Infrastructure Officer damit auf Aktienverkäufe von mehr als 140 Millionen Dollar innerhalb von 90 Tagen. Das ist eine beachtliche Summe. Marktbeobachter stufen das Muster dennoch überwiegend als normale Liquiditätsbeschaffung ein, nicht als Warnsignal.

Kapitalausgaben und Meta belasten die Stimmung

Der eigentliche Treiber der Verunsicherung liegt woanders: bei den Investitionsplänen des Unternehmens. Nebius hat seine Prognose für die Kapitalausgaben 2026 auf 20 bis 25 Milliarden Dollar angehoben. Ein Großteil der neuen Kapazität soll erst ab der ersten Jahreshälfte 2027 nennenswerte Umsätze bringen.

Das Unternehmen schreibt weiterhin negative Free Cashflows. Investoren fragen sich zunehmend, ob sich die aggressiven Ausgaben in verlässliche Erträge übersetzen lassen.

Hinzu kommt Konkurrenzdruck von Meta Platforms. Berichte über eine Beschleunigung von Metas „Meta Compute“-Initiative lösten den jüngsten Ausverkauf aus. Meta könnte überschüssige Rechenkapazität künftig auch externen Kunden anbieten – eine Entwicklung mit weitreichenden Folgen für die gesamte „Neocloud“-Branche. Bereits am 1. Juli hatte eine ähnliche Meldung die Nebius-Aktie um 17 Prozent einbrechen lassen.

Nebius reagierte am Mittwoch mit einer Ankündigung. Das Unternehmen stellte ein neues, kapitalschonendes Modell vor: Infrastruktur-Partner sollen künftig Rechenzentren finanzieren und besitzen, während Nebius die komplette AI-Cloud-Plattform, Systemarchitektur und den Vertrieb liefert. CEO Volozh sprach von „deutlich besseren Margen“ für Partner im Vergleich zu klassischen Bare-Metal-Verträgen. Konkrete Zahlen, Partner oder Zeitpläne nannte das Unternehmen jedoch nicht.

Der Kurs fiel am Folgetag trotzdem weiter. Offenbar wollen Investoren handfestere Details sehen, bevor sie die Aktie neu bewerten.

Was für Nebius spricht

Nicht alle Nachrichten der vergangenen Wochen waren negativ. Nebius hält weiterhin ein vorfinanziertes Warrant-Investment von Nvidia über 2 Milliarden Dollar. Dazu kommt ein fest zugesagter Infrastruktur-Deal mit Meta über 12 Milliarden Dollar, mit einer Option auf bis zu 15 Milliarden Dollar zusätzlicher flexibler Kapazität über fünf Jahre. Die verbleibenden Vertragsverpflichtungen belaufen sich auf 33,6 Milliarden Dollar.

Das Unternehmen unterschreibt weiterhin neue Geschäftsabschlüsse, auch mitten im Ausverkauf. Der Druck auf die Aktie ist zudem kein reines Nebius-Problem: Der Wettbewerber CoreWeave verlor im selben Zeitraum 28 Prozent seines Werts. Die gesamte Neocloud-Branche steht unter Bewertungsdruck.

Charttechnik zeigt Warnsignale

Der Kurs notiert derzeit rund 24 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 198 Euro. Der Relative-Stärke-Index steht bei 35,1 – ein Wert, der auf eine überverkaufte Situation hindeutet. Gleichzeitig liegt die annualisierte 30-Tage-Volatilität bei knapp 104 Prozent, ein Zeichen für die extreme Nervosität im Handel.

Auch die Zahl der Leerverkäufer wächst. Zuletzt stieg das Short-Interesse von 50,93 Millionen auf 61,01 Millionen Aktien – das entspricht 28,55 Prozent der frei handelbaren Aktien. Ein Teil der Marktteilnehmer wettet damit offen auf weiter fallende Kurse.

Der Konflikt zwischen langfristigen Wachstumsversprechen und kurzfristigem Kapitalbedarf bleibt ungelöst. Solange Nebius keine konkreten Partner oder Zahlen zu seinem neuen Finanzierungsmodell nennt, dürfte die Aktie in diesem volatilen Muster aus Zweifel und Gegenwetten gefangen bleiben.

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