Nebius Aktie: 20 bis 25 Milliarden Investitionen
Trotz eines Umsatzplus von 684 Prozent verliert die Nebius-Aktie deutlich an Wert. Analysten sind uneins über die Bewertung des KI-Infrastruktur-Spezialisten.

- Umsatz explodiert um 684 Prozent
- Aktie verliert trotzdem 24 Prozent im Monat
- Milliarden-Investitionen in KI-Infrastruktur
- Morgan Stanley widerspricht der Verkaufswelle
Ein Umsatzplus von 684 Prozent, aber der Kurs fällt. Bei Nebius klafft die Lücke zwischen operativer Realität und Börsenreaktion so weit auseinander wie selten. Während das Management die Investitionen in KI-Infrastruktur massiv hochfährt, zweifeln Anleger, ob sich das Geld überhaupt rechnet.
Die Aktie notiert aktuell bei 173,50 Euro. Binnen einer Woche verlor sie 8,29 Prozent, auf Monatssicht sogar 24,04 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 261 Euro, erreicht am 22. Juni 2026, trennen das Papier inzwischen 33,52 Prozent.
Auf Jahressicht bleibt die Bilanz trotzdem beeindruckend. Der Titel steht seit Jahresbeginn mit 126,80 Prozent im Plus, binnen zwölf Monaten sogar mit 278,82 Prozent. Zum 52-Wochen-Tief von 43,40 Euro aus dem Juli 2025 beträgt der Abstand fast 300 Prozent.
Milliarden-Investitionen befeuern die Zweifel
Nebius hebt seine Investitionsplanung für 2026 auf 20 bis 25 Milliarden Dollar an. Der Ausbau der KI-Infrastruktur läuft auf Hochtouren. Ein Großteil der neuen Kapazitäten soll aber erst ab der ersten Jahreshälfte 2027 Umsätze bringen.
Um die Expansion zu finanzieren, hat sich Nebius in diesem Jahr bereits mehr als 6 Milliarden Dollar besorgt. Dazu zählen Wandelanleihen und eine Kapitalbeteiligung von Nvidia. Die Barreserven liegen inzwischen über 9 Milliarden Dollar.
Damit steht die Aktie vor einem entscheidenden Test. Der Markt will nicht mehr nur größere Kapazität sehen. Er will wissen, ob aus den Investitionen tatsächlich dauerhafte Erträge werden.
Morgan Stanley widerspricht der Verkaufswelle
Die jüngste Schwäche fällt in eine Phase, in der die Aktie bereits 35 Prozent von ihrem Junihoch verloren hat. Morgan Stanley stellt sich klar gegen diese Entwicklung. Die Bank rechnet damit, dass sich die Rechenkapazität großer Cloud-Anbieter bis 2028 von 31 auf 117 Gigawatt nahezu vervierfacht.
Dafür wären laut Morgan Stanley Investitionen von bis zu 8 Billionen Dollar nötig. Die Befürchtung, Konzerne wie Meta würden den Markt mit überschüssiger Rechenleistung fluten und spezialisierte Anbieter wie Nebius unter Druck setzen, hält die Bank für übertrieben. Eine Nachfrage, die sich binnen drei Jahren vervierfacht, passt schlecht zu einem Markt mit Kapazitätsüberschuss.
Nebius selbst peilt bis Jahresende eine annualisierte Umsatzrate zwischen 7 und 9 Milliarden Dollar an. Bis 2030 soll daraus ein Jahresumsatz von 51 Milliarden Dollar werden — allein auf Basis der eigenen Infrastruktur, ohne weiteres Wachstum durch Zukäufe.
Nachfrage bleibt robust, Kritiker bleiben skeptisch
Abseits der Investitionsdebatte sprechen die operativen Kennzahlen für sich. Die Nachfrage nach GPU-Kapazität übersteigt weiterhin das verfügbare Angebot. Im ersten Quartal wuchs die Pipeline neuer Aufträge um das 3,5-Fache im Vergleich zum Vorquartal.
Mehr als 75 Prozent der vertraglich gesicherten Energiekapazität stammt inzwischen aus eigener Infrastruktur. Das verbessert die Kontrolle über die Plattform und könnte langfristig die Margen stützen.
Nicht alle Analysten teilen den Optimismus von Morgan Stanley. Eine Einschätzung von Seeking Alpha stuft Nebius auf „Sell“ — wegen der hohen Kapitalintensität, dem Verwässerungsrisiko und unsicheren langfristigen Ertragsaussichten. Die Analyse warnt, das enorme Wachstum von 684 Prozent im ersten Quartal verdecke strukturelle Probleme: hohe Abschreibungen, Investitionen von 2,5 Milliarden Dollar allein in diesem Zeitraum sowie eine Abhängigkeit von wenigen großen, nicht wiederkehrenden Verträgen.
Eine Aktie zwischen zwei Lagern
Die Kursbewegung spiegelt genau diesen Konflikt wider. Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 198,13 Euro und damit 12,43 Prozent über dem aktuellen Kurs. Der 200-Tage-Durchschnitt notiert bei 118,89 Euro — fast 46 Prozent unter dem heutigen Niveau.
Diese Spreizung zeigt, wie stark die Stimmung in den vergangenen Wochen gekippt ist. Mit einer annualisierten Volatilität von 101,58 Prozent und einem RSI von 41,2 ist die Aktie weder klar überverkauft noch überkauft. Der Kurs bleibt anfällig für weitere Ausschläge, solange Wachstumsdaten und Kapitalbedarf so weit auseinanderliegen wie derzeit.
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