Nebius Aktie: 27-Milliarden-Deal mit Meta
Nebius-Aktie verliert trotz positiver Analystenstimmen massiv an Wert. Sorge um Meta als Kunde und hohe Bewertung belasten den Kurs.

- Kurssturz von sechs Prozent an einem Tag
- Angst vor Metas eigenen Cloud-Plänen
- Analysten widersprechen dem Ausverkauf
- Kleinanleger bleiben optimistisch
Sechs Prozent Minus an einem einzigen Tag, fast 40 Prozent unter dem Jahreshoch. Nebius Group durchlebt gerade eine der härtesten Phasen seit dem Kursfeuerwerk der vergangenen zwölf Monate. Und das, obwohl gleich mehrere Analysehäuser dem Ausverkauf offen widersprechen.
Die Aktie des KI-Infrastrukturanbieters fiel am Mittwoch auf 160,58 Euro, ein Minus von 6,15 Prozent gegenüber dem Dienstagsschluss bei 171,10 Euro. Damit hat das Papier binnen sieben Tagen gut 20 Prozent verloren. Vom Rekordhoch bei 261,00 Euro, erreicht am 22. Juni, trennen die Aktie mittlerweile 38 Prozent.
Zur Einordnung: Auf Jahressicht steht Nebius trotz der jüngsten Talfahrt noch immer knapp 110 Prozent im Plus. Vom 52-Wochen-Tief bei 38,00 Euro aus dem Juli 2025 hat sich der Kurs mehr als vervierfacht. Der aktuelle Ausverkauf wirkt also weniger wie ein fundamentaler Bruch als wie eine schmerzhafte Korrektur nach einem steilen Anstieg.
Sorge um Meta als Kunde treibt den Ausverkauf
Auslöser der Talfahrt ist die Angst der Anleger vor Metas eigenen Cloud-Ambitionen. Sollte der Facebook-Mutterkonzern seine Rechenkapazitäten künftig selbst aufbauen, könnte das Nebius als einen seiner wichtigsten Kunden kosten. Genau diese Konzentration macht das Unternehmen verwundbar.
Nebius hält einen Vertrag mit Meta über bis zu 27 Milliarden Dollar, verteilt über fünf Jahre. Einer der größten Deals der gesamten Neocloud-Branche. D.A. Davidson-Manager Gil Luria bringt das Risiko auf den Punkt: Die Auswirkungen von Metas zusätzlicher Kapazität träfen eher Neoclouds als die großen Hyperscaler. Unternehmen wie CoreWeave und Nebius seien für ihr Wachstum auf Meta angewiesen – und Meta brauche sie womöglich bald nicht mehr.
Nebius selbst widerspricht dieser Lesart. Beim Earnings Call im Mai berichtete das Management, dass typischerweise mehrere Kunden um jede verfügbare GPU konkurrieren. Jedes gebaute Rechenzentrum sei bereits verkauft.
Analysten stellen sich gegen die Verkaufswelle
Bemerkenswert: Die schärfste Gegenrede kommt nicht von Nebius selbst, sondern von externen Beobachtern. Der Branchendienst SemiAnalysis hält beide gängigen Ängste – Kannibalisierung durch Meta und eine generelle Verlangsamung – für falsch. Metas Rechenzentrums- und Compute-Beschaffung werde eher beschleunigen als bremsen, so die Einschätzung. Seit Anfang 2024 seien fast 10 Gigawatt an Deals unterzeichnet worden, der Großteil davon inzwischen über Drittanbieter. Meta könnte damit selbst zur Wachstumsquelle für CoreWeave und Nebius werden.
Roth Capital äußerte sich ähnlich konstruktiv und bezeichnete die erste Verkaufswelle als übertrieben. Der Markt überschätze, wie schnell Metas eigene Compute-Kapazitäten direkt mit Nebius und CoreWeave konkurrieren könnten. Die Stellungnahme stabilisierte den Kurs zwar kurzzeitig, kehrte den Abwärtstrend aber nicht um.
Auch bei den Kurszielen bleibt Wall Street bullish:
- Bank of America: Kaufempfehlung, Kursziel am 8. Juni auf 280 Dollar angehoben
- BNP Paribas: Neutral-Einstufung mit Kursziel 255 Dollar, Coverage-Start am 2. Juni
- DA Davidson: Neutral, Kursziel 250 Dollar, bestätigt am 18. Mai
Bewertung bleibt ein Streitpunkt
Neben der Kundenkonzentration treibt Analysten ein zweites Thema um: die Bewertung. Simply Wall St verweist auf eine Verschuldung von 15 Milliarden Dollar sowie hohe geplante Investitionen und Ausführungsrisiken beim schnellen Ausbau der KI-Cloud. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 75,1 liegt deutlich über dem der US-Softwarebranche mit 27,7 und über dem Vergleichswert der Konkurrenz von 37,7 – selbst der von Simply Wall St berechnete faire Wert läge bei nur 71,4.
Andere Stimmen relativieren das. Bei einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von 65 sei Nebius zwar teuer. Angesichts des enormen Wachstumstempos könnte sich diese Bewertung aber rechtfertigen lassen – manche Analysten sehen hier langfristig sogar Multibagger-Potenzial.
Stimmung am Boden, Kleinanleger bleiben gelassen
Technisch zeigt die Aktie klare Erschöpfungssignale. Der RSI von 36,2 signalisiert überverkauftes Terrain, der Kurs liegt 17 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 193,49 Euro. Zum 200-Tage-Durchschnitt bei 116,90 Euro besteht allerdings noch immer ein Polster von über 37 Prozent.
Kleinanleger lassen sich davon kaum beirren. Die Stimmung auf der Plattform Stocktwits verbesserte sich in der vergangenen Woche und wurde am Dienstag als „bullish“ eingestuft – trotz der wochenlangen Kursschwäche. Viele Trader sprechen von Kaufgelegenheiten und bleiben bei ihrer langfristig optimistischen Einschätzung.
Institutionelle Unterstützung kam bereits im Mai. Situational Awareness, ein von Ex-OpenAI-Forscher Leopold Aschenbrenner geführter KI-Hedgefonds, offenbarte eine Beteiligung von 5,6 Prozent an Nebius. Für den Fonds zählt das zu den größten Einzelwetten im Portfolio.
Die nächste Weichenstellung dürfte der Quartalsbericht zum zweiten Quartal 2026 bringen. Er wird zeigen, ob Meta seine vertraglich vereinbarten Kapazitäten wie geplant abruft. Bremst der Konzern früher als vorgesehen, würde das die pessimistische Lesart bestätigen. Zeigt sich hingegen, dass Nebius seine Kundenbasis erfolgreich diversifiziert, spräche das für die These der Überreaktion.
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