Nebius Aktie: 4,52 Prozent Plus nach Deal

Nebius präsentiert Q2-Zahlen mit erwartetem Umsatzplus von 446 Prozent. Ein neuer Milliardenvertrag mit Reflection AI sorgt für Rückenwind, während der Investitionsbedarf hoch bleibt.

Die Kernpunkte:
  • Umsatzwachstum von 446 Prozent erwartet
  • Milliarden-Deal mit Reflection AI
  • Aktie legt trotz Abwärtstrend zu
  • Kapitalbedarf für Expansion bleibt hoch

Nebius meldet heute vor US-Börsenbeginn die Zahlen zum zweiten Quartal 2026 – und die Erwartungen sind hoch gesteckt. Analysten rechnen im Konsens mit einem Umsatz von rund 573 Millionen Dollar, was einem Wachstum von etwa 446 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspräche.

Zugleich wird weiterhin ein Nettoverlust von etwa 0,72 Dollar pro Aktie erwartet. Die Aktie hat sich seit ihrem Zwischenhoch im Juni bereits deutlich abgekühlt, was den Druck auf die heutige Vorlage erhöht.

Reflection-AI-Vertrag stützt die Kursreaktion

Noch vor den Zahlen sorgte ein neuer Milliardenvertrag für Aufmerksamkeit: Nebius vereinbarte mit dem auf offene KI-Modelle spezialisierten Startup Reflection AI eine mehrjährige Zusammenarbeit bis 2029, in deren Rahmen Rechenkapazitäten im Wert von mehr als einer Milliarde Dollar bereitgestellt werden.

Reflection AI erhält darüber im Rahmen der Vereinbarung Zugang zu Nvidias GB300-Chips. Der Markt reagierte prompt: Am gestrigen Dienstag legte die Aktie um 4,52 Prozent zu und schloss bei 166,96 Euro. Der Deal selbst wurde bereits Mitte Juli erstmals bekannt und am Dienstag noch einmal bestätigt, was die positive Kursreaktion erklärt.

Trotz des jüngsten Aufschlags bleibt das Bild angespannt: Auf Sicht von sieben Tagen steht bei Nebius ein Minus von 11,78 Prozent, auf 30-Tage-Sicht ein Rückgang von 9,70 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 261,00 Euro, erreicht Ende Juni, trennen die Aktie aktuell 36,03 Prozent.

Zum 50-Tage-Durchschnitt von 193,16 Euro besteht weiterhin ein Abstand von 13,56 Prozent nach unten – ein Hinweis darauf, dass die kurzfristige Erholung den mittelfristigen Abwärtstrend noch nicht gebrochen hat.

Kapitalbedarf und Führungswechsel im Hintergrund

Der Kursrückgang der vergangenen Wochen speist sich auch aus Sorgen um den enormen Investitionsbedarf des Unternehmens. Bereits im Mai hatte Nebius sein Capex-Ziel für 2026 von ursprünglich 16 bis 20 Milliarden Dollar auf 20 bis 25 Milliarden Dollar angehoben – parallel zur Sicherung von 1,2 Gigawatt an Strom- und Flächenkapazität in Pennsylvania.

Ende Juli kam eine weitere Finanzierungskomponente hinzu: eine besicherte Kreditfazilität über rund 775 Millionen Dollar, abgesichert durch bereits installierte GPU-Infrastruktur und bestehende Cashflow-Verträge, mit der die Expansion des KI-Cloud-Geschäfts finanziert werden soll.

Personell gab es zudem einen Wechsel an der Marketingspitze: Anfang August berief Nebius Lindsey Irvine zur neuen Chief Marketing Officer. Irvine wechselt von Square, wo sie das globale Marketing für mehr als 4,5 Millionen Händler verantwortete, und war zuvor CMO bei Benchling sowie bei MuleSoft, wo der wiederkehrende Jahresumsatz während ihrer Amtszeit von 250 Millionen auf über eine Milliarde Dollar wuchs.

Die im Mai vorgelegten Erstquartalszahlen hatten mit einem Umsatzsprung auf 399 Millionen Dollar (plus 684 Prozent gegenüber dem Vorjahr) und einem positiven bereinigten EBITDA von 129,5 Millionen Dollar bereits einen Wendepunkt markiert.

Das Nettoergebnis von 621,2 Millionen Dollar enthielt jedoch einen nicht zahlungswirksamen Bewertungsgewinn, während der bereinigte Nettoverlust bei 100,3 Millionen Dollar lag.

Für das Gesamtjahr bekräftigte Nebius damals eine Umsatzprognose von 3,0 bis 3,4 Milliarden Dollar bei einer bereinigten EBITDA-Marge von rund 40 Prozent – Zielmarken, an denen sich die heutigen Zahlen unweigerlich messen lassen müssen.

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