Nebius Aktie: 5,75 Milliarden Dollar Wandelanleihe geschlossen

Nebius sichert sich 5,75 Mrd. Dollar für KI-Rechenzentren und GPUs. Die Aktie steigt trotz Verwässerungsängsten um 4,5 Prozent.

Die Kernpunkte:
  • Wandelanleihe über 5,75 Mrd. Dollar platziert
  • Erlös fließt in Rechenzentren und KI-Cloud
  • Aktie springt nach anfänglichen Verlusten an
  • Nvidia-Racks mit 256 Chips für Nebius

Es gibt einen Moment im Leben jedes KI-Infrastruktur-Anbieters, in dem sich die Frage nach dem Wachstum in eine Frage nach der Finanzierung verwandelt. Bei Nebius ist dieser Moment offenbar zur Dauereinrichtung geworden.

Am Montag schloss das Unternehmen eine Privatplatzierung von Wandelanleihen über 5,75 Milliarden Dollar ab – mehr als das ursprüngliche Ziel von 4,5 Milliarden Dollar und noch einmal deutlich mehr als die zuvor kommunizierten 5 Milliarden.

Wer die Meldungen der vergangenen Tage verfolgt hat, kennt das Muster: Erst die Ankündigung, dann die Aufstockung, dann der Abschluss. Nebius wächst inzwischen so schnell, dass selbst die eigenen Finanzierungspläne kaum hinterherkommen.

Die Aktie honorierte das am heutigen Dienstag mit einem Kurssprung von 4,5 Prozent auf 188,98 Euro – nach einem Rücksetzer von zwölf Prozent in der vergangenen Woche.

Genau darin liegt die eigentliche Geschichte: Anleger haben die Verwässerung durch neue Aktien und Schulden zunächst mit Verkäufen quittiert, drehen jetzt aber wieder in Richtung Zuversicht. Das ist die typische Nervosität, die den gesamten KI-Infrastruktur-Sektor gerade begleitet – hohe Ambitionen, hohe Kapitalbedarfe, und Kurse, die auf jede neue Zahl heftig reagieren.

Warum ein Unternehmen so viel Geld braucht

Die Struktur der Anleihe verrät, wofür das Geld gedacht ist: eine Tranche zu 0,50 Prozent Zins mit Fälligkeit 2030 über 3,45 Milliarden Dollar, eine zweite zu 4,50 Prozent mit Fälligkeit 2034 über 2,3 Milliarden Dollar.

Parallel tauschte Nebius jeweils 400 Millionen Dollar bestehender Anleihen aus den Jahrgängen 2029 und 2031 gegen rund 15,8 Millionen Class-A-Aktien – ein stiller Hinweis darauf, dass auch die alten Gläubiger lieber in Aktien als in Schuldtitel investiert bleiben wollen. Der Erlös soll in Rechenzentren, KI-Cloud-Kapazität und Grafikprozessoren fließen.

Für 2026 hat sich Nebius ein Capex-Ziel von 20 bis 25 Milliarden Dollar gesetzt, allein im zweiten Quartal wurden 5,7 Milliarden Dollar investiert. Das Fernziel: fünf Gigawatt vertraglich gesicherte Rechenleistung bis Ende des Jahres, danach mehr als ein Gigawatt zusätzlich pro Jahr.

Diese Größenordnungen erklären auch, warum Nebius in Großbritannien 1,7 Milliarden Pfund für 65 Megawatt bei Vantage Data Centers in Newport investiert. Es ist der Versuch, sich physisch dort zu positionieren, wo die Nachfrage nach Recheninstanzen für KI-Modelle entsteht – bevor die Konkurrenz das gleiche tut.

Die Hardware kommt, die Frage bleibt

Fast zeitgleich mit dem Anleiheabschluss meldete Nvidia die Serienproduktion der neuen Groq-3-LPX-Racks – jedes bestückt mit 256 Chips, verarbeitet bis zu 3.400 Token pro Sekunde, gefertigt von Samsung.

Nebius zählt neben CoreWeave zu den ersten Abnehmern. Es ist ein Detail, das größer wirkt, als es zunächst klingt: Die Hyperscaler dieser Welt – Amazon, Microsoft, die Anthropic-Investoren dieser Erde – kaufen Rechenleistung im großen Stil ein, und Nebius positioniert sich als einer der Zulieferer dieser Infrastruktur, nicht als deren Endkunde.

Doch die Kehrseite lässt sich nicht wegdiskutieren. Ein Short-Interest von 27,6 Prozent zeigt, dass ein erheblicher Teil des Marktes genau diese Wachstumsstory anzweifelt.

Ein Nettoverlust von 190 Millionen Dollar im zweiten Quartal bei gleichzeitig um 454 Prozent gestiegenem Umsatz auf 582 Millionen Dollar illustriert das Spannungsfeld: Wachstum ja, Profitabilität noch nicht. Mit einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von über 45 gegenüber einem historischen Median von rund 6,8 bewegt sich die Bewertung fernab traditioneller Maßstäbe.

Die eigentliche Frage, die sich Anleger bei Nebius stellen müssen, ist keine nach dem nächsten Quartal, sondern nach der Statik des gesamten Modells: Kann ein Unternehmen dauerhaft Milliarden an frischem Kapital aufnehmen, um mit der Nachfrage nach KI-Rechenleistung Schritt zu halten, ohne dass die Verwässerung die operativen Fortschritte am Ende auffrisst?

Die jüngste Kursreaktion sagt: Der Markt glaubt noch an das Tempo. Ob er auch an die Rechnung glaubt, die am Ende aufgehen muss, wird sich erst zeigen, wenn aus Rechenzentren tatsächlich Gewinne werden.

Anzeige

Nebius-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Nebius-Analyse vom 25. August liefert die Antwort:

Die neusten Nebius-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Nebius-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 25. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Nebius: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Diskussion zu Nebius