Nebius Aktie: 7,5 Prozent mit CoreWeave und IREN

Nebius gewinnt im Gleichlauf mit CoreWeave und IREN. Milliarden für Wandelanleihen und starkes Quartalswachstum stützen die KI-Cloud-Strategie.

Die Kernpunkte:
  • Nebius legt um 7,5 Prozent zu
  • Neocloud-Sektor bewegt sich gemeinsam
  • Wandelanleihen über 5,75 Milliarden Dollar
  • Zweites Quartal mit 582,3 Millionen Dollar Umsatz

Manchmal sagt eine Kursbewegung mehr über eine Branche als über ein einzelnes Unternehmen. Am Freitag legte Nebius um 7,5 Prozent zu und schloss bei 194,76 Euro. Bemerkenswert daran: Es war kein Nebius-spezifisches Ereignis, das den Sprung auslöste.

CoreWeave und IREN, zwei andere Vertreter der sogenannten Neocloud-Gruppe, zogen am selben Tag mit. Der gesamte Sektor rückte vor, getragen von anhaltender Nachfrage nach KI-Infrastruktur und einer positiven Grundstimmung über die Peer-Gruppe hinweg.

Das ist die eigentliche Geschichte hinter der Zahl: Nebius bewegt sich nicht mehr nur nach eigenen Nachrichten, sondern zunehmend im Takt einer ganzen Anlageklasse. Wer in diese Aktie investiert, kauft nicht nur ein Unternehmen, sondern ein Stück Wette auf die These, dass die Welt noch für Jahre mehr Rechenkapazität für künstliche Intelligenz braucht, als die etablierten Cloud-Riesen liefern können.

Eine Bilanz, die zur Wette passt

Diese Wette hat in den vergangenen Wochen eine bemerkenswerte bilanzielle Untermauerung bekommen. Vor gut einer Woche schloss Nebius die Platzierung einer Wandelanleihe über rund 5,75 Milliarden Dollar ab, aufgeteilt in 3,0 Milliarden Dollar zu 0,50 Prozent mit Fälligkeit 2030 und 2,0 Milliarden Dollar zu 4,50 Prozent mit Fälligkeit 2034 – ein Volumen, das gegenüber der ursprünglichen Ankündigung nochmals aufgestockt wurde.

Seither hat die Aktie um 9,6 Prozent zugelegt. Parallel dazu vereinbarte das Unternehmen einen Tausch von jeweils 400 Millionen Dollar bestehender Anleihen gegen rund 15,8 Millionen Class-A-Aktien.

Wer hier nur „noch mehr Schulden“ liest, verpasst die Pointe. In einem Geschäft, das binnen eines Quartals 5,7 Milliarden Dollar an Investitionen verschlingt, ist Kapitalzugang keine Nebensache, sondern die Existenzfrage.

Genau deshalb passt auch die zweite verbrauchte Meldung ins Bild: Vor rund zwei Wochen nahm die Hauptversammlung sämtliche vorgeschlagenen Beschlüsse an, was dem Management zusätzliche Flexibilität in der Kapitalstruktur verschafft. Die Aktie legte seither um 6,1 Prozent zu.

Die Zahlen, die die Wette rechtfertigen sollen

Der fundamentale Anker für all das bleibt das zweite Quartal, dessen Zahlen Mitte August veröffentlicht wurden: ein Umsatz von 582,3 Millionen Dollar, ein Plus von 454 Prozent gegenüber dem Vorjahr, über den Konsensschätzungen von 572,75 Millionen Dollar.

Vier KI-Cloud-Verträge im Durchschnitt von jeweils über einer Milliarde Dollar kamen hinzu, das gesamte Auftragsvolumen vervierfachte sich nahezu. Nebius hob zugleich sein Ziel für kontrahierte Stromkapazität bis Jahresende auf 5 Gigawatt an, nach zuvor 4 Gigawatt.

Man kann das als Beleg lesen, dass das Wachstum die Kapitalintensität tatsächlich trägt. Man kann aber auch fragen, ob ein Unternehmen, das pro Quartal mehr investiert, als es an Umsatz einnimmt, nicht auf Gedeih und Verderb auf offene Kapitalmärkte angewiesen bleibt – und was passiert, wenn die Stimmung für die gesamte Neocloud-Gruppe einmal kippt, statt sie gemeinsam nach oben zu tragen.

Der Blick nach vorn

Kommende Woche wird das Management bei zwei Gelegenheiten Rede und Antwort stehen: am 8. September auf der Goldman Sachs Communacopia + Technology Conference, am 9. September auf Citis Global TMT Conference.

Solche Auftritte liefern selten neue Zahlen, aber sie sind ein Stimmungstest – gerade in einer Phase, in der die Aktie mit 194,76 Euro rund 25 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 261,00 Euro notiert, zugleich aber 264 Prozent über ihrem Tief vom vergangenen September liegt. Die Spanne zeigt, wie stark diese Aktie mittlerweile mit dem kollektiven Puls der KI-Infrastruktur-Story schwingt – nicht nur mit ihrer eigenen.

Ein Unterstützer der ersten Stunde bleibt im Hintergrund präsent: Nvidia hatte im März zwei Milliarden Dollar in Nebius investiert und dies als Vertrauensbeweis in die technische Tiefe des Unternehmens begründet. Dieses Vertrauen wird gerade neu verhandelt – jeden Tag, an dem CoreWeave, IREN und Nebius im Gleichschritt steigen oder fallen.

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