Nebius Aktie: Absturz nach Nasdaq-100-Einzug

Nach dem Rekordhoch folgt der Kursrutsch: Nebius verliert elf Prozent. Insiderverkäufe und Analysten-Skepsis belasten die Aktie zusätzlich.

Die Kernpunkte:
  • Kursrutsch nach Index-Aufnahme
  • Insider verkaufen Aktien im Wert von 132 Millionen Dollar
  • Analysten senken Einstufung auf Halten
  • Umsatz explodiert um 684 Prozent

Die Aufnahme in den Nasdaq-100 sollte der Ritterschlag für die Nebius Group sein. Stattdessen erleben Aktionäre einen harten Realitätscheck. Nach dem Rekordhoch zu Wochenbeginn nehmen Investoren massiv Gewinne mit. Hinzu kommt eine anhaltende Verkaufswelle aus der Chefetage.

Am 22. Juni zog der KI-Infrastrukturanbieter offiziell in den wichtigen US-Index ein. Im Vorfeld trieb die mechanische Nachfrage von Indexfonds den Kurs auf ein Allzeithoch von 261,00 Euro. Nun fehlt dieser strukturelle Rückenwind.

Die Folge: ein klassischer „Sell-the-News“-Effekt. Aktuell notiert das Papier bei 218,05 Euro und verliert damit auf Wochensicht gut elf Prozent.

Insider machen Kasse

Parallel zum Kursrückgang trennt sich das Management im großen Stil von Aktien. In den vergangenen drei Monaten verkauften Insider Papiere im Wert von 132,5 Millionen Dollar. Käufe gab es im letzten Jahr keine. Stattdessen meldete das Unternehmen 17 Verkäufe.

Aufsichtsratschef John Boynton stieß Mitte Juni ein Paket für knapp 1,5 Millionen Dollar ab. Vertriebschef Marc Boroditsky liquidierte Anfang des Monats sogar Aktien für fast drei Millionen Dollar.

Diese Serie drückt spürbar auf die Stimmung. Am Optionsmarkt übersteigen die Wetten auf fallende Kurse mittlerweile die Kaufsignale.

Vom Hype zur harten Arbeit

Abseits der Marktdynamik rücken fundamentale Risiken in den Vordergrund. Analysten stufen Nebius zunehmend vorsichtiger ein. Das Unternehmen wandelt sich gerade von einer reinen Wachstumsstory zu einem operativen Lieferanten. Verträge bringen keinen Umsatz, solange die Rechenzentren nicht am Netz sind.

Besonders das geplante Vineland-Projekt steht unter Beobachtung. Ein milliardenschwerer Kapazitätsvertrag mit Microsoft hängt direkt an der pünktlichen Fertigstellung dieser Anlage. Ein Analyst senkte die Aktie deshalb auf „Halten“. Er fordert handfeste Beweise, dass der Zeitplan hält.

Teure Exzellenz

Die nackten Zahlen des ersten Quartals beeindrucken weiterhin. Nebius steigerte den Umsatz um 684 Prozent auf 399 Millionen Dollar. Der Gewinn je Aktie pulverisierte mit 2,11 Dollar die Markterwartungen.

Dazu kommen langfristige Aufträge im Wert von 46 Milliarden Dollar. Meta und Microsoft sind die größten Abnehmer. Um diese Nachfrage zu bedienen, hob das Management das Investitionsbudget für 2026 auf bis zu 25 Milliarden Dollar an.

Trotz des jüngsten Kursrutsches bleibt die Bewertung ambitioniert. Die Aktie wird mit dem 76-fachen des vergangenen Gewinns gehandelt. Der US-Softwareschnitt liegt bei einem Faktor von 16.

Für langfristige Aktionäre ist der aktuelle Rücksetzer bisher nur ein Kratzer im Lack. Seit Jahresbeginn steht noch immer ein Plus von 185 Prozent. Der 200-Tage-Durchschnitt verläuft tief unten bei 112,91 Euro. Der strukturelle Aufwärtstrend ist intakt. Die nächsten Impulse liefert das operative Geschäft. Spätestens mit den Zahlen zum zweiten Quartal muss Nebius beweisen, dass der Ausbau der Rechenzentren im Plan liegt.

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