Nebius Aktie: Meta baut eigene KI-Chips, Vertrag gefährdet
Nebius schließt Milliardenvertrag mit Reflection AI, die Aktie fällt dennoch. Investoren sorgen sich um hohe Kosten und Kapitalintensität des Neocloud-Geschäfts.

- Milliarden-Deal mit Reflection AI
- Aktie verliert trotzdem an Wert
- Hohe Investitionen belasten Stimmung
- Insiderverkäufe und steigende Leerverkäufe
Ein Milliardendeal, und der Kurs fällt trotzdem. Nebius meldete am 14. Juli eine mehrjährige Vereinbarung mit dem KI-Startup Reflection AI im Wert von über einer Milliarde Dollar. Die Aktie reagierte mit einem Kursrutsch von 6,7 bis 7,8 Prozent am selben Tag.
Der Markt schaut offenbar nicht mehr auf neue Verträge. Er schaut auf die Kosten, die dahinterstehen.
Der Deal ist kleiner, als er klingt
Reflection AI erhält über den Vertrag Zugang zu Nvidias GB300-Chips bis 2029. Das Startup wurde von ehemaligen Google-DeepMind-Forschern gegründet, ist mit 8 Milliarden Dollar bewertet und hat bereits rund 2,6 Milliarden Dollar von Investoren wie Nvidia, Sequoia und Lightspeed eingesammelt. Eine frühere Infrastrukturvereinbarung besteht zudem mit SpaceX.
Auf den ersten Blick ein starkes Signal für Nebius. Umgerechnet aufs Jahr macht der Deal aber nur rund 290 Millionen Dollar aus. Das sind weniger als 10 Prozent der Umsatzprognose von Nebius für 2026, die zwischen 3,0 und 3,4 Milliarden Dollar liegt. Die Aktie verlor seit ihrem Junihoch bereits rund 17 Prozent, der neue Auftrag konnte daran nichts ändern.
Warum die Kapitalintensität zum Problem wird
Im ersten Quartal 2026 erzielte Nebius einen Umsatz von 399 Millionen Dollar. Dem stand ein Kapitalaufwand von 2,5 Milliarden Dollar gegenüber, das 6,3-Fache des Umsatzes. Der operative Cashflow lag zwar bei 2,26 Milliarden Dollar, getragen wurde dieser Wert aber maßgeblich von 3,2 Milliarden Dollar an vorausbezahlten Kundeneinnahmen.
Für 2026 plant Nebius Investitionen zwischen 20 und 25 Milliarden Dollar, um Nvidias GB300-Chips und weitere Hochleistungshardware auszubauen. Diese Summe zeigt, wie kapitalhungrig das Neocloud-Geschäft ist. Anleger fragen zunehmend, wann aus dem schnellen Umsatzwachstum echter freier Cashflow wird.
Meta baut eigene Kapazitäten auf
Zusätzlichen Druck bringt ein Konkurrent, der eigentlich Kunde ist. Meta Platforms kündigte im Januar 2026 die Initiative „Meta Compute“ an und will eine eigene KI-Infrastruktur aufbauen. Berichte von Anfang Juli deuten darauf hin, dass Meta ab September eigene KI-Chips fertigen und die Gesamtkapazität im kommenden Jahr auf 14 Gigawatt steigern will.
Für Nebius ist das brisant. Der Konzern hat einen Fünfjahresvertrag mit Meta über 27 Milliarden Dollar, der 2027 starten soll. Baut Meta externe Abhängigkeiten ab oder tritt selbst als Anbieter am Markt auf, sinkt der langfristige Wert solcher Auftragsbestände. Die Sorge vor sinkenden Margen in der gesamten Neocloud-Branche wächst dadurch.
Insiderverkäufe und Chartbild verschärfen die Lage
Nebius-CEO Arkadiy Volozh verkaufte am 1. Juli automatisch 46.627 Class-A-Aktien zu 235,45 Dollar. Der Verkauf diente laut Unternehmen ausschließlich zur Deckung von Steuerabzügen im Rahmen vestender Restricted Share Units und folgte festen Vorgaben. Volozh betonte, es handle sich nicht um eine freie Ermessensentscheidung.
Insgesamt erreichten die Insiderverkäufe der vergangenen 90 Tage aber rund 134 Millionen Dollar über 37 Transaktionen. Parallel dazu stieg der Anteil der Leerverkäufe von 20,13 auf 28,55 Prozent. Die Aktie notiert nach dem jüngsten Rückgang 34,94 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 261,00 Euro vom 22. Juni, unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 197,98 Euro und mit einem RSI von 39,6 nahe der überverkauften Zone.
Trotz der Talfahrt der vergangenen Wochen bleibt Nebius auf Jahressicht ein Ausnahmefall: Seit Jahresbeginn steht ein Plus von rund 122 Prozent, auf Zwölfmonatssicht sogar von über 267 Prozent zu Buche. Das Unternehmen verfügt über eine Kassenreserve von mehr als 9 Milliarden Dollar und einen Auftragsbestand von schätzungsweise 50 Milliarden Dollar, darunter die Großverträge mit Meta und Microsoft. Im ersten Quartal wuchs der Umsatz um 684 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Wie viel davon am Ende als freier Cashflow übrig bleibt, während die Investitionen weiter explodieren, bleibt die entscheidende Rechnung für die kommenden Quartale.
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