Nebius Aktie: Michael Burry baut Short-Position auf

Investor Michael Burry positioniert sich mit Short gegen Nebius, während Goldman Sachs seinen Anteil erhöht. Analysten zeigen sich vor den Zahlen skeptisch.

Die Kernpunkte:
  • Burry setzt auf fallende Kurse
  • Goldman erhöht Anteil auf 10,5 Prozent
  • Analysten senken Kursziele nach Baustellenbesuch
  • Insider verkaufen Aktien im Wert von 137 Millionen Dollar

Einen Tag vor der Vorlage der Quartalszahlen zeigt sich am Beispiel Nebius, wie gespalten Investoren das KI-Cloud-Unternehmen derzeit einschätzen. Der bekannte Investor Michael Burry hat über seine Fondsgesellschaft Scion Asset Management laut einem Medienbericht vom Freitag eine Short-Position zu einem geschätzten Einstiegspreis von 212 US-Dollar je Aktie aufgebaut.

Am selben Tag hat Goldman Sachs in einer geänderten Schedule-13G/A-Pflichtmitteilung eine erhöhte Beteiligung offengelegt: Die Bank hält nun 23.111.112 Class-A-Aktien, was einem Anteil von 10,5 Prozent entspricht.

Der Kurs spiegelt die Nervosität bereits wider. Am Montag schloss die Nebius-Aktie bei 159,74 Euro, binnen sieben Handelstagen hat sie 18,37 Prozent verloren. Vom eigenen 50-Tage-Durchschnitt entfernt sie sich mittlerweile um 17,79 Prozent nach unten. Die Ausgangslage vor dem Zahlenwerk am morgigen Mittwoch ist damit angespannter als noch vor wenigen Wochen.

Burry sieht Ausführungsrisiko im Milliarden-Investitionsplan

Burrys Wette richtet sich laut dem Bericht gegen die Investitionsdisziplin des Unternehmens. Er verweist auf die für 2026 angekündigten Investitionsausgaben von 20 bis 25 Milliarden US-Dollar und die damit verbundenen umfangreichen Infrastrukturverpflichtungen. Ein Ausführungsrisiko dieser Größenordnung, so die Kernthese der Short-Position, könnte die Kapitalrendite belasten, sollte der Ausbau der Rechenzentren nicht im geplanten Tempo greifen.

Analysten senken Kursziele nach Baustellen-Besuch

Genau an diesem Punkt setzen auch die jüngsten Analystenreaktionen an. Die Analysten von DA Davidson senkten am Montag ihr Kursziel für Nebius von 250 auf 175 US-Dollar und beließen die Einstufung bei „Neutral“.

Grundlage war ein Besuch der Anlage in Vineland, der nach Einschätzung des Analystenhauses Bauverzögerungen erkennen ließ, die das Umsatzpotenzial für 2026 dämpfen könnten. Bereits am 3. August hatte Piper Sandler die Coverage für Nebius mit „Neutral“ und einem Kursziel von 224 US-Dollar aufgenommen.

Die Analysten hoben zwar das eigene Serverdesign des Unternehmens hervor, verwiesen aber zugleich auf den intensiven Wettbewerb im sogenannten Neocloud-Segment. Ergänzend hatte das quantitative Analysehaus Zacks Investment Research die Einstufung Ende Juli von „Strong Buy“ auf „Hold“ zurückgenommen.

Insider verkaufen, Goldman baut Position aus

Parallel zu den vorsichtigeren Analystenstimmen fällt auf, dass Unternehmensinsider zuletzt Kasse gemacht haben. Regulatorische Meldungen bestätigen, dass Führungskräfte, darunter der Chief Technology Officer sowie mehrere Direktoren, im vergangenen Quartal insgesamt 651.704 Aktien im Wert von rund 137,4 Millionen US-Dollar veräußert haben.

Diese Verkäufe stehen dem gegenläufigen Schritt von Goldman Sachs gegenüber, dessen Aufstockung auf mehr als ein Zehntel des Grundkapitals ein deutlich anderes Signal setzt als Burrys Short-Position und die Insiderverkäufe zusammen.

Wachstumsgeschäft läuft trotz Kritik weiter

Operativ hat Nebius das Tempo zuletzt nicht gedrosselt. Ende Juli sicherte sich das Unternehmen eine vorrangige Kreditfazilität über 775 Millionen US-Dollar, um den Ausbau seiner vollintegrierten KI-Cloud-Plattform und der globalen GPU-Cluster zu beschleunigen.

Bereits Mitte Juli hatte Nebius eine mehrjährige Vereinbarung mit Reflection AI im Wert von über einer Milliarde US-Dollar bis 2029 geschlossen, die dedizierte GPU-Rechenkapazität mit NVIDIA-GB300-Systemen umfasst.

Anfang August berief das Unternehmen zudem Lindsey Irvine, zuvor Marketingmanagerin bei Square und Benchling, zur Chief Marketing Officer, um Markenaufbau und Nachfragegenerierung für die KI-Cloud-Plattform zu verantworten.

Ob die Kombination aus Milliardenaufträgen, frischem Fremdkapital und dem Ausbau des Führungsteams die Zweifel von Burry und DA Davidson entkräften kann, dürfte sich an den Zahlen zeigen, die Nebius am Mittwoch vor Börseneröffnung vorlegt.

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