Nebius Aktie: Physical AI Workbench vorgestellt
Nebius präsentiert auf der BofA-Konferenz Rekordzahlen und neue Robotik-Plattform, muss aber offene Finanzierungsfragen klären.

- Auftritt auf BofA-Technologiekonferenz
- Umsatzsprung um 684 Prozent
- Neue Physical AI Workbench vorgestellt
- Finanzierungslücke von bis zu 5 Milliarden Dollar
Rekordwachstum, Nvidia-Rückenwind und eine neue Robotik-Plattform: Nebius liefert gerade viel Stoff für die Börsenstory. Der Druck steigt trotzdem. Beim heutigen Auftritt auf der BofA-Technologiekonferenz muss das Management erklären, wie aus Nachfrage dauerhaft profitables Wachstum wird.
Die Aktie hat schon viel vorweggenommen. In Euro notiert sie aktuell bei 226,35 Euro und liegt heute 0,87 Prozent im Plus. Auf Monatssicht steht ein Zuwachs von 50,14 Prozent zu Buche.
Management steht unter Zugzwang
Roman Chernin ist Mitgründer und Chief Business Officer von Nebius. Er spricht am 3. Juni bei einem Investorengespräch der BofA Securities Global Technology Conference. Der Termin beginnt um 1:20 Uhr PDT beziehungsweise 4:20 Uhr EDT.
Im Mittelpunkt stehen nicht nur die starken Zahlen. Der Markt will Details zur Nachfrage nach AI-Cloud-Kapazität, zur Auslastung bestehender Rechenzentren und zu den Kosten des Ausbaus. Genau dort liegt der Kernkonflikt.
Nebius wächst extrem schnell, muss dafür aber Milliarden in Infrastruktur stecken. Fragen zu Bewertung, Insiderverkäufen und einer offenen Finanzierungslücke begleiten die Rally. Kein Wunder, dass jedes Wort des Managements genau geprüft wird.
Seit Jahresbeginn liegt die Aktie 195,88 Prozent im Plus. Binnen eines Jahres beträgt der Zuwachs 590,09 Prozent. Vom jüngsten Hoch bei 242,95 Euro ist der Kurs wieder etwas zurückgekommen.
Robotik-Plattform mit Nvidia-Rückenwind
Parallel zum Kapitalmarkttermin greift Nebius in der Robotik-Community an. Am 1. Juni stellte das Unternehmen den Physical AI Workbench vor. Die Plattform bündelt Simulation, synthetische Daten und die Auslieferung von Anwendungen in einer Software-Schicht.
Technisch sitzt der Workbench auf der Nebius AI Cloud. Eingebunden sind Nvidia Cosmos 3, Isaac Sim und Isaac GR00T als modulare Bausteine. Nvidia-Chef Jensen Huang hob Nebius dabei als wichtigen Partner hervor.
Nvidia bezeichnet Nebius auch als frühen Anwender der Vera-Rubin-Architektur. Das stärkt die Positionierung als Anbieter integrierter KI-Infrastruktur. Dazu zählen Hardware, Software, AI Cloud, die Token-Factory-Schicht für Inferenz und der neue Workbench.
Nebius präsentiert sich diese Woche auch auf der Robotik-Konferenz ICRA in Wien. Die Präsenz ist Teil der RoboTour, die von April bis Juli läuft. Das Ziel: Entwickler, Gründer und Investoren rund um physische KI und autonome Systeme enger an die Plattform binden.
Finanziell bleibt der Workbench noch ein Versprechen. Konkrete Umsätze, Kundenzusagen oder Vertragswerte gibt es dafür bislang nicht. Der Erfolg hängt daran, ob Robotik- und Simulations-Workloads dauerhaft Cloud-Verbrauch erzeugen.
Rekordzahlen treffen auf Kapitalbedarf
Das jüngste Quartal liefert die Basis für die Wachstumsstory. Im Auftaktquartal sprang der Umsatz auf 399 Millionen Dollar. Das entspricht einem Plus von 684 Prozent.
Das Kerngeschäft AI Cloud wuchs noch schneller. Dort legte der Umsatz um 841 Prozent auf rund 390 Millionen Dollar zu. Damit bleibt Nebius klar auf Infrastruktur für KI-Training und Inferenz ausgerichtet.
Auch die Profitabilität drehte deutlich. Das bereinigte EBITDA stieg auf 129,5 Millionen Dollar. Im Vorjahreszeitraum stand noch ein Verlust von 53,7 Millionen Dollar.
Der Nettogewinn aus fortgeführten Aktivitäten erreichte 621 Millionen Dollar. Ein Jahr zuvor hatte Nebius hier einen Verlust von 104 Millionen Dollar verbucht. Diese Wende erklärt, warum der Markt die Aktie neu bewertet.
Ende März lag die annualisierte Umsatzrate bei 1,92 Milliarden Dollar. Bis Ende kommenden Jahres peilt das Management 7 bis 9 Milliarden Dollar an. Hinter diesem Ziel stehen zwei große Ankerverträge.
Meta hat einen Vertrag über 27 Milliarden Dollar abgeschlossen. Microsoft kommt auf 19,4 Milliarden Dollar. Die Auslieferung der Cloud-Kapazitäten soll in der zweiten Jahreshälfte beginnen.
Der Ausbau kostet allerdings massiv Geld. Nebius gab 2,47 Milliarden Dollar für Sachanlagen, immaterielle Werte und Infrastruktur aus. Die operative Kostenbasis lag bei 527 Millionen Dollar.
Darin steckten 212 Millionen Dollar Abschreibungen. Für 2026 plant Nebius Investitionen von 20 bis 25 Milliarden Dollar. Offen bleibt eine Finanzierungslücke von 4 bis 5 Milliarden Dollar.
Analysten und Frankreich-Ausbau
Die Analysten bleiben gespalten. Der Wall-Street-Konsens lautet Moderate Buy, gestützt durch sechs Kauf- und drei Halteempfehlungen. Die Kursziele liegen eng um den aktuellen Bewertungsrahmen.
- Citigroup: 287 Dollar
- Citizens JMP: 270 Dollar
- Compass Point: 260 Dollar und Kaufempfehlung
Der Ausbau bekommt auch in Frankreich ein Gesicht. Präsident Emmanuel Macron stellte das Projekt beim Investitionsgipfel Choose France vor. Nebius arbeitet dafür mit Azur Datacenter zusammen.
In Béthune soll aus einer früheren Bridgestone-Fabrik ein AI-Rechenzentrum mit 240 Megawatt werden. Die Startphase soll im Sommer 2026 ans Netz gehen und 60 Megawatt liefern. Rund 120 direkte Jobs sind geplant.
Damit verdichtet sich die Story: Nebius will mehr sein als ein schnell wachsender Cloud-Anbieter. Das Unternehmen baut Kapazität, sucht Entwicklernähe und rückt tiefer in Nvidias KI-Ökosystem. Genau diese Mischung treibt die Fantasie.
Am heutigen BofA-Auftritt zählen vor allem konkrete Aussagen zu Auslastung, Nachfrage und Finanzierung. Liefert Nebius belastbare Details zur Finanzierungslücke, bekommt die Robotik-Story mehr Substanz. Ohne klare Antworten rückt das Verwässerungsrisiko wieder stärker in den Kurs.
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