Nebius Aktie: Wandelanleihe über 5,75 Milliarden Dollar platziert

Nebius steigert Umsatz und EBITDA deutlich, während eine Wandelanleihe über 5,75 Milliarden Dollar sowie Verwässerung den Kurs belasten.

Die Kernpunkte:
  • Umsatz klettert auf 582,3 Millionen Dollar
  • Bereinigtes EBITDA dreht ins Plus
  • Wandelanleihe erhöht Verschuldungs- und Verwässerungsrisiken
  • Goldman Sachs hebt Kursziel auf 328 Dollar

Wer sich die operative Entwicklung von Nebius ansieht, müsste eigentlich jubeln. Wer auf den Kurs schaut, sieht das Gegenteil. Genau in dieser Kluft steckt für mich die eigentliche Geschichte dieser Aktie im Spätsommer 2026.

Ein Wachstumstempo, das seinesgleichen sucht

Die Zahlen aus dem zweiten Quartal waren, nüchtern betrachtet, außergewöhnlich. Der Umsatz schoss um 454 Prozent im Jahresvergleich auf 582,3 Millionen Dollar, das bereinigte EBITDA drehte von einem Verlust von 21 Millionen Dollar auf einen Gewinn von 236 Millionen Dollar. Die annualisierte Run-Rate erreichte 3 Milliarden Dollar, ein Plus von 598 Prozent.

Kunden zahlen mittlerweile im Voraus, mehr als 9 Milliarden Dollar an Vorauszahlungen werden für 2026 erwartet – das deckt nach Unternehmensangaben 50 bis 60 Prozent des geplanten Capex ab. Auch das kontrahierte Stromvolumen wurde auf 5 Gigawatt bis Jahresende angehoben, Auktionspreise für Kapazität legten um 15 Prozent zu.

Für mich ist das die stärkste Belegkette dafür, dass Nebius im KI-Infrastrukturgeschäft tatsächlich Substanz aufbaut, keine bloße Story verkauft. Wenn Kunden im Voraus zahlen und Kapazität sofort ausverkauft ist, spricht das für echte Nachfrage, nicht für Hoffnung.

Die Kehrseite: eine Bilanz, die sich dramatisch verändert

Und doch ist die Aktie seit dem Abschluss der privaten Wandelanleihe-Platzierung am vergangenen Sonntag um 4,6 Prozent gefallen, seit der Genehmigung des KI-Fabrik-Ausbaus vor rund zwei Wochen um 19,8 Prozent, seit den Q2-Zahlen vor gut drei Wochen sogar um 28,1 Prozent. Das ist kein Zufall und auch keine reine Marktlaune.

Die Wandelanleihe über 5,75 Milliarden Dollar – aufgeteilt in 3,45 Milliarden Dollar zu 0,50 Prozent mit Fälligkeit 2030 und 2,3 Milliarden Dollar zu 4,50 Prozent mit Fälligkeit 2034 – ist gewaltig für ein Unternehmen dieser Größenordnung.

Parallel dazu tauschte Nebius 800 Millionen Dollar an älteren Wandelanleihen gegen rund 15,8 Millionen neue Class-A-Aktien. Beides zusammen bedeutet: mehr Schulden, mehr potenzielle Verwässerung, und Anleger honorieren das gerade nicht.

Ich halte diese Reaktion für nachvollziehbar, aber nicht für das ganze Bild. Ein Unternehmen, das seinen Kapazitätsausbau über mehrere Jahre finanzieren muss, greift zwangsläufig zu Fremdkapital. Die Frage ist, ob das Wachstum die Bedienung dieser Schulden rechtfertigt. Die Q2-Zahlen sprechen dafür, die Marktreaktion der vergangenen Wochen dagegen.

Was die Marktbewegung heute wirklich erklärt

Der gestrige Rückgang um 3,1 Prozent auf 172,24 Euro fällt in ein Umfeld, in dem der gesamte Technologiesektor unter Druck stand – der Nasdaq Composite verlor mehr als 1 Prozent. Für eine Aktie mit derart hoher Bewertung und ausgeprägter Volatilität wirken solche Marktphasen überproportional. Das ist für mich weniger ein Nebius-spezifisches Alarmsignal als ein Beleg dafür, wie nervös der Markt insgesamt mit hochbewerteten KI-Titeln umgeht.

Bemerkenswert finde ich, dass Goldman Sachs das Kursziel Ende August von 286 auf 328 Dollar anhob und die Kaufempfehlung bestätigte – ein Zeichen, dass zumindest ein Teil der Analystenschaft die operative Entwicklung höher gewichtet als die Verwässerungsängste.

Auf der Hauptversammlung wurden zudem alle 16 Beschlüsse angenommen, inklusive Rückkaufermächtigungen, was dem Management zusätzlichen Spielraum gibt, sollte der Kurs aus eigener Sicht zu stark unter Druck geraten.

Mein Fazit

Unterm Strich sehe ich bei Nebius zwei Geschichten, die gerade nicht zusammenfinden: ein operatives Momentum, das zu den stärksten der Branche zählt, und eine Kapitalstruktur, die den Markt nervös macht.

Die Wachstumszahlen sprechen für das Geschäftsmodell, die Wandelanleihe und die daraus resultierende Verwässerung sprechen gegen kurzfristige Kursfantasie. Für mich überwiegt derzeit die Sorge um die Bilanz die Begeisterung über die operative Story – auch wenn ich diese Gewichtung für vorübergehend halte, sollte sich das Wachstumstempo fortsetzen.

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