Nel ASA Aktie: 1,3 Milliarden Kronen reichen für mehrere Quartale

Nel ASA meldet wachsenden Auftragsbestand, aber anhaltende Quartalsverluste. Die liquiden Mittel decken nur begrenzt weitere Verlustperioden, während die Suche nach einem neuen CEO andauert.

Die Kernpunkte:
  • Quartalsverlust von 189 Mio. Kronen
  • Auftragseingang steigt um 224 Prozent
  • CEO-Posten weiterhin unbesetzt
  • Nächste Zahlen am 21. Oktober

Nel ASA sitzt auf einem Barbestand von rund 1,3 Milliarden norwegischen Kronen. Das klingt nach einem komfortablen Polster – bei einem Quartalsverlust von 189 Millionen Kronen wird daraus jedoch eine Rechnung mit begrenzter Reichweite. Anleger richten den Blick zunehmend darauf, wie viele Quartale dieser Verlustrate das Unternehmen noch durchhalten kann, bevor frisches Kapital nötig wird.

Vor rund einem Monat hatte Nel für das zweite Quartal 2026 einen Nettoverlust von 189 Millionen Kronen ausgewiesen, nach minus 131 Millionen Kronen im Vorjahresquartal. Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen lag bei minus 155 Millionen Kronen, verglichen mit minus 86 Millionen Kronen ein Jahr zuvor.

Bereinigt um eine Ausgleichszahlung von Iwatani in Höhe von 70 Millionen Kronen blieb das Ergebnis auf Jahressicht zwar stabil, an der grundsätzlichen Verlustdynamik ändert das aber wenig.

Auftragsbestand wächst, Umsatz schrumpft

Gegenläufig entwickelten sich Auftragseingang und Umsatz. Während die Erlöse aus Kundenverträgen im zweiten Quartal um 12 Prozent auf 153 Millionen Kronen zurückgingen, sprang der Auftragseingang um 224 Prozent auf 230 Millionen Kronen.

Der Auftragsbestand summierte sich auf 1,2 Milliarden Kronen. Diese Diskrepanz zwischen schwachem laufendem Geschäft und wachsendem Bestand ist der Kern der Unsicherheit: Erst wenn sich die Bestellungen tatsächlich in Umsatz und Cashflow übersetzen, entlastet das die Bilanz.

Bis dahin bleibt der Barmittelbestand die entscheidende Stellschraube. Bei einem Quartalsverlust in der Größenordnung von 150 bis 190 Millionen Kronen reicht die aktuelle Liquidität rechnerisch für mehrere weitere Quartale – ein beruhigender, aber kein unbegrenzter Puffer. Sollte sich die Verlustrate nicht spürbar verringern, dürfte die Finanzierungsfrage spätestens mit den nächsten Zahlen erneut in den Vordergrund rücken.

Governance-Frage bleibt offen

Verschärft wird die Unsicherheit durch den noch unbesetzten Chefposten. Håkon Volldal hatte seinen Rückzug als President und CEO mit einer sechsmonatigen Kündigungsfrist angekündigt, der Verwaltungsrat sucht seither nach einem Nachfolger. Eine derart offene Führungsfrage in einer Phase, in der zugleich über Kapazitätsausbau und Kapitalbedarf entschieden werden muss, erhöht die Komplexität für Investoren zusätzlich.

An der Börse hat sich das Papier zuletzt kaum bewegt: Zum Schluss am Freitag notierte die Aktie bei 0,2020 Euro, nur 1,0 Prozent über dem Niveau vor 30 Tagen.

Vom 52-Wochen-Hoch bei 0,3655 Euro trennen den Titel weiterhin 45 Prozent, während der Abstand zum Jahrestief bei 17 Prozent liegt – ein Kurs, der die offenen Fragen zu Kapitalreichweite und Führungswechsel derzeit ungelöst einpreist.

Blick auf den nächsten Bericht

Die nächste Gelegenheit, die Kapitalreichweite neu zu bewerten, bietet sich mit den Zahlen zum dritten Quartal, die für den 21. Oktober 2026 angesetzt sind. Bis dahin dürfte sich zeigen, ob der starke Auftragseingang tatsächlich in höhere Umsätze mündet – und ob der Verwaltungsrat bis dahin einen neuen CEO präsentieren kann, der die parallel laufenden Kapazitätspläne mit einer tragfähigen Finanzierung verbindet.

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