Nel ASA Aktie: 189 Millionen Kronen Nettoverlust
Nel ASA hält am scheidenden CEO bis Jahresende fest, während Aufträge stark steigen. Operative Verluste und Marktdruck belasten die Aktie weiterhin.

- Chefwechsel erst Ende 2026
- Auftragseingang steigt um 224 Prozent
- Operativer Verlust bleibt hoch
- Aktie notiert unter 200-Tage-Linie
Nel ASA steckt mitten im Führungsumbau, doch der Wechsel an der Spitze vollzieht sich schleppender als es die Schlagzeilen vom Sommer vermuten ließen. Der Vorstandschef hatte seinen Rücktritt bereits Mitte Juni angekündigt, bleibt aber wegen einer sechsmonatigen Kündigungsfrist weiterhin im Amt.
Für Anleger bedeutet das: Die operative Führung des norwegischen Wasserstoff-Spezialisten liegt bis mindestens Ende des Jahres in denselben Händen, während der Konzern gleichzeitig versucht, aus roten Zahlen und einem schwierigen Marktumfeld herauszufinden.
Auftragseingang wächst, Verluste bleiben
Der eigentliche Prüfstein für die Aktie bleibt die Geschäftsentwicklung. Berichten zufolge legte der Auftragseingang im zweiten Quartal um 224 Prozent auf 230 Millionen norwegische Kronen zu, der Auftragsbestand kletterte auf rund 1,2 Milliarden Kronen. Das klingt nach Rückenwind, doch die Umsatzerlöse aus Kundenverträgen lagen im selben Zeitraum bei lediglich 153 Millionen Kronen und damit deutlich unter dem Bestellvolumen.
Medienberichten zufolge verbuchte Nel zudem einen operativen Verlust auf EBITDA-Basis von 155 Millionen Kronen sowie einen Nettoverlust von 189 Millionen Kronen.
Diese Diskrepanz zwischen wachsendem Auftragsbestand und anhaltenden Verlusten erklärt, warum die Kapitalmarktreaktion verhalten ausfiel – dieses Thema wurde vor über einem Monat bereits ausführlich behandelt und hat den Kurs seither um 2,1 Prozent belastet. Sie zeigt aber auch, wie stark das schwache Marktumfeld für Elektrolyseure derzeit auf die Marge drückt: Bestellungen kommen herein, doch die Umsetzung in profitables Geschäft dauert.
Führungswechsel als zusätzliche Unsicherheit
Vor diesem Hintergrund wiegt der angekündigte Führungswechsel schwerer als ein gewöhnlicher Personalwechsel. Kommentare beschreiben die Situation als Teil einer umfassenderen Restrukturierungserzählung, in der operative Schwäche und personelle Neuausrichtung zusammenfallen.
Ein neuer Vorstandschef müsste die Sanierung des Geschäfts genau in dem Moment übernehmen, in dem der Wasserstoffmarkt insgesamt unter Druck steht – eine Konstellation, die potenzielle Nachfolger kaum attraktiver macht.
Am Kapitalmarkt zeigt sich die Unsicherheit in einer verhaltenen Kursentwicklung ohne klare Richtung. Die Aktie notiert aktuell bei 0,1958 Euro und damit knapp neun Prozent unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 0,2142 Euro – ein Zeichen dafür, dass der mittelfristige Trend weiterhin abwärts gerichtet bleibt.
Zum bisherigen Jahreshoch von 0,3655 Euro, erreicht im Mai, fehlen der Aktie derzeit 46 Prozent, was die Größenordnung des Kursrückgangs seit dem Frühjahr verdeutlicht.
Was Anleger im Blick behalten sollten
Für die kommenden Monate rückt damit ein doppelter Fahrplan in den Fokus: Zum einen muss sich zeigen, ob der wachsende Auftragsbestand tatsächlich in höhere Umsätze und eine bessere Marge übersetzt wird.
Zum anderen bleibt offen, wer die Nachfolge an der Konzernspitze antritt und welchen strategischen Kurs ein neuer Vorstandschef nach Ablauf der Kündigungsfrist einschlagen wird. Bis dahin dürfte die Aktie zwischen operativer Ernüchterung und Hoffnung auf den Auftragsschub schwanken – ein Muster, das sich in den vergangenen Wochen bereits mehrfach bestätigt hat.
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