Nel ASA Aktie: 189 Millionen Verlust durch Iwatani-Vergleich

Nel ASA verzeichnet trotz eines Millionen-Vergleichs in den USA einen starken Anstieg der Auftragseingänge, vor allem bei PEM-Technologie.

Die Kernpunkte:
  • Vergleichskosten belasten Quartalsergebnis
  • Auftragseingang steigt um 224 Prozent
  • PEM-Technologie dominiert neue Bestellungen
  • Aktie notiert deutlich unter Jahreshoch

Ein Vergleich in einem kalifornischen Rechtsstreit kostet Nel ASA fast 190 Millionen Norwegische Kronen Nettoverlust im zweiten Quartal. Gleichzeitig meldet der norwegische Wasserstoff-Ausrüster einen Auftragseingang, der sich mehr als verdreifacht hat. Zwei Nachrichten, die kaum unterschiedlicher ausfallen könnten.

Vergleich mit Iwatani belastet das Ergebnis

Nel ASA verbuchte im zweiten Quartal 2026 Umsatzerlöse von 182 Millionen Kronen. Das liegt unter den 215 Millionen Kronen aus dem Vorjahresquartal. Der Nettoverlust wuchs im gleichen Zeitraum von 131 auf 189 Millionen Kronen.

Ein Einmaleffekt trieb den Verlust nach oben. Im Juni 2026 einigte sich Nel mit der Iwatani Corporation of America auf einen Vergleich. Der Streit drehte sich um Betankungsanlagen in Kalifornien und zog sich über Jahre hin.

Die Einigung kostete Nel rund 7,5 Millionen US-Dollar. Umgerechnet belastete das die EBITDA-Marge des Quartals mit 70 Millionen Kronen. Ohne diesen Sondereffekt hätte das operative Bild deutlich besser ausgesehen.

PEM-Technologie treibt die Aufträge

Der Auftragseingang erzählt eine andere Geschichte. Nel meldete für das zweite Quartal 230 Millionen Kronen an neuen Bestellungen. Das entspricht einem Plus von 224 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Fast der gesamte Zuwachs stammt aus einer einzigen Sparte. PEM-Technologie – Proton-Austauschmembran-Systeme für die Wasserstoffproduktion – machte 96 Prozent der neuen Aufträge aus. Der Auftragsbestand kletterte zum Quartalsende auf 1.213 Millionen Kronen, ein Plus von 9 Prozent gegenüber dem Vorquartal.

Ein Großauftrag stach dabei heraus: ein Sieben-Millionen-Dollar-Vertrag für containerisierte PEM-Anlagen in einem US-Projekt. Das Management wertet solche Aufträge als Beleg dafür, dass die Nachfrage nach Wasserstoff-Infrastruktur ungebrochen ist. Die Kernfrage bleibt, ob sich dieses Momentum in profitables Wachstum übersetzen lässt.

Aktie kämpft mit charttechnischer Schwäche

An der Börse zeigt sich die Skepsis der Anleger deutlich. Die Nel-Aktie notiert aktuell 45 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 0,3655 Euro, das sie im Mai markierte. Der RSI von 38,9 signalisiert eine Annäherung an überverkauftes Terrain, ein klares Umkehrsignal fehlt bisher.

Der Kurs liegt außerdem gut 6 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 0,2148 Euro. Diese Marke wirkte in den vergangenen Wochen wiederholt als Widerstand. Auf Sicht von sieben Tagen legte die Aktie immerhin 4,36 Prozent zu – ein schwacher Trost angesichts der Gesamtbilanz.

Nel hält eine Kasse von 1.328 Millionen Kronen, was dem Unternehmen finanziellen Spielraum verschafft. Belastend wirkt zudem der angekündigte Abgang von CEO Håkon Volldal, der das Unternehmen im weiteren Verlauf des Jahres 2026 verlassen wird. Die Kombination aus sinkendem Umsatz, Vergleichskosten und Führungswechsel hält viele Marktteilnehmer in einer abwartenden Haltung.

Der nächste konkrete Termin fällt auf den 21. Oktober 2026, wenn Nel die Zahlen zum dritten Quartal vorlegt. Bis dahin dürfte sich zeigen, ob die starke PEM-Nachfrage auch in der Bilanz ankommt.

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